Jüdische Siedlungen sind doch nicht das Problem

Das Hauptproblem am Nahostkonflikt ist nicht, dass er so komplex ist (ist er nicht), sondern dass jeder Schwätzer meint, sich durch Kritik an Israel seinen Platz in den Schlagzeilen sichern zu können. Aktuell ist Ruprecht Polenz von der CDU an der Reihe, der feststellt, dass Israel “als demokratischer Staat schrittweise Selbstmord begeht“, wenn, ja wenn der Siedlungsbau nicht eingestellt wird. Klar haben deutsche Politiker, weil aus der Vergangenheit gelernt!, besondere Antennen für aufkommenden Faschismus. Da zwickt dann das Knie oder es juckt die Nase. Man ahnt die Gefahr. Und wo anderen Ländern Gestalten wie Hitler brauchen, um zu Diktaturen zu werden, genügen in Israel ein paar Häuser. Da hat Polenz schon Recht.

Obwohl sich natürlich die Frage stellt, warum Israels Siedlungen das Haupthindernis für den Frieden sein sollten? Es stellt sich überhaupt die Frage, warum Israel das Haupthindernis für den Frieden sein sollte. Womit wird das begründet? Damit, dass Israel bislang noch mit jedem arabischen Staat Frieden geschlossen hat, der sich dazu durchringen konnte, seine Vernichtungsfantasien aufzugeben? Auch sonst ist es schlicht nicht zu verstehen, wie man Israel als Aggressor begreifen kann. Ist dieser Staat auf Landraub aus? Entschuldigung, Israel hat die mächtigste und stärkste Armee der Region. Würde ein solcher Feldzug dann schon ein paar Meter hinter Jerusalem enden? Wohl kaum.

Aber die Siedlungen!, rufen die Judenkritiker (deren Zahl in Deutschland die von Literaturkritikern bei weitem übersteigt). Ja, was soll denn mit den Siedlungen sein? Es ist doch nur fair, dass es die gibt. Die Araber haben immer und immer wieder Feldzüge zur Auslöschung Israels gestartet. Es hat nie geklappt, sie haben immer verloren und das ist der (sehr geringe) Preis, den sie für ihren Misserfolg zu zahlen haben. Die Siedlungen sind das Ergebnis der erfolglosen Versuche der Araber, einen Völkermord an den Juden zu begehen. Daran sollte vielleicht von Zeit zu Zeit erinnert werden.

Dabei sind diese nicht einmal das Haupthindernis für den Frieden. Häuser können geräumt und abgerissen werden. Israel hat im Verlaufe seiner Geschichten schon mehrmals bewiesen, dass es gewillt ist, für Frieden sogar die eigene Bevölkerung aus ihrer Heimat zu vertreiben (von ethnischen Säuberungen spricht dabei niemand). Leider haben die letzten Räumungen nicht dem Frieden gedient, sondern den Terror der Palästinenser angeheizt. Bewohner israelischer Ortschaften entlang des Gazastreifens leben seit der Räumung der dortigen Siedlungen in der ständigen Angst vor Raketenangriffen (Ergebnis: Krieg im Winter 2008/09). Auch der Rückzug aus dem Süd-Libanon hat die Hisbollah ermutigt, Israel wieder herauszufordern (Ergebnis: Krieg im Sommer 2006). Die Formel Land für Frieden stimmt nicht mehr. Sie lautet heute: Land für Krieg.

Was Polenz und andere Immobilienexperten nicht begreifen oder vielleicht einfach nicht wahrhaben wollen, ist, dass der Schlüssel für den Frieden nicht bei den Israelis liegt. Er liegt bei den Palästinensern. Der Nahostkonflikt ist auch keinesfalls einer der kompliziertesten Konflikte der Welt. Im Gegenteil dürfte es der am einfachsten zu lösende sein. Fakt ist doch, dass eigentlich jeder einen Palästinenserstaat will. Die EU ist dafür, Israel ist dafür, die USA sind dafür und auch die UNO ist dafür. Warum gibt es dann noch keinen Staat? Ach so, weil die Palästinenser nicht dafür sind. Damit vertreten sie in der Frage der palästinensischen Eigenstaatlichkeit eine Minderheitenmeinung. So wirklich Lust scheinen die Kriminellen, die im Namen irgendwelcher mehr oder weniger aktiven Terrorbanden die Interessen der Palästinenser vertreten, nämlich gar nicht zu haben. Wie, ein eigener Staat? Wie, selbst die Müllabfuhr organisieren müssen? Nein danke…aber Israel verhindert unsere Eigenstaatlichkeit! Die Palästinenser müssen sich halt mal entscheiden, was sie wollen. Wollen sie einen eigenen Staat oder wollen sie kein Israel mehr. Für was würden sie sich entscheiden, wenn die Fee ihnen einen Wunsch erfüllen würde? Die falsche Fee Polenz jedenfalls gehört zu denen, deren Gedankenruinen weder Israelis noch Palästinenser brauchen.

von Gideon Böss, Welt-Online 22.7.11

Advertisements

One Response to Jüdische Siedlungen sind doch nicht das Problem

  1. karl says:

    schalom ,es bauen ja nicht nur die israelis,sondern auch die Palis in diesen gebieten. ein grosser fehler wäre<<wenn israel mit dem bauen
    aufhöhren würde. karl<<

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: