Iran immer näher an der nuklearen Schwelle

Laut Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) soll Iran inzwischen die entscheidenden Etappen auf dem Weg zum Bau einer Atomwaffe erfolgreich gemeistert haben. Dies wurde schon vor der Publikation eines IAEA-Berichts bekannt.

bbu. Für viel internationale Aufregung sorgt ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA schon vor der für diese Woche angekündigten offiziellen Publikation. Erwartet wird nämlich die bisher detaillierteste Zusammenstellung der nachrichtendienstlichen Erkenntnisse über das iranische Atomprogramm.

Einen Vorgeschmack auf das Kommende hatte am Samstag Israels Präsident Peres gegeben, der in für ihn aussergewöhnlich deutlichen Worten davon gesprochen hatte, dass ein militärischer Schlag seines Landes gegen Iran angesichts der besorgniserregnenden aktuellen Entwicklung immer wahrscheinlicher werde.

Ehrgeiziger und erfolgreicher als angenommen

 

Erste Kernaussagen des deswegen mit Spannung erwarteten IAEA-Berichts sind jetzt schon im Voraus bekannt geworden. Wie die «Washington Post»meldete, soll die Uno-Behörde zum Schluss gekommen sein, dass Iran in den letzten Jahren die entscheidenden Etappen auf dem Weg zum Bau eines nuklearen Sprengsatzes erfolgreich bewältigt habe. Diese neuen Enthüllungen sollen im Einzelnen aufzeigen, dass die iranischen Anstrengungen auf diesem Gebiet weitaus «ehrgeiziger, besser organisiert und auch erfolgreicher» waren, als bisher im Ausland vermutet.

Gemäss den verwendeten nachrichtendienstlichen Informationen soll Teheran dabei entscheidende Hilfe von ausländischen Experten erhalten haben.Vor allem enthalte der Bericht neue Details über die Rolle eines früheren sowjetischen Nuklearwaffenexperten, der den Iranern bei der Konstruktion des für die Detonation eines Atomsprengkopfes unentbehrlichen hochpräzisen Zünders geholfen haben soll. Weitere wichtige technologische Unterstützung soll im übrigen aus Pakistan und Nordkorea gekommen sein.

Nach 2003 wieder aufgenommen

Der Bericht dürfte denjenigen Kritikern in westlichen Staaten argumentative Unterstützung geben, die davon ausgehen, dass Iran die auf die Entwicklung von Atomwaffen zielende Forschung nach dem Jahre 2003 – als die amerikanischen Geheimdienste noch einen Stopp der entsprechenden Anstrengungen gemeldet hatten – wieder aufgenommen und stark vorangetrieben hat. Im Westen glaubt man ohnehin schon länger, dass Teheran die Entwicklung von Atomwaffen unter dem Deckmantel seines zivilen Nuklearprogramms betreibt.

Teheran gibt sich gelassen

Iran streitet dies konsequent ab und behauptet, die Anreicherung von Uran etwa diene nur der Herstellung von Brennstoff für seine zivilen Reaktoren. Im Vorfeld der Veröffentlichung des IAEA-Berichts hat Iran denn auch mögliche neue Belege für die Existenz eines iranischen Atomwaffenprogramms einmal mehr als frei erfunden zurückgewiesen.

Die «Washington Post» zitierte einen früheren IAEA-Mitarbeiter, der Einblick in die Ergebnisse der Untersuchungen der Behörde hatte. Laut diesem kommen die Autoren des Berichts zum Schluss, dass Iran inzwischen über «ausreichend Know-How für das Design und die Konstruktion eines funktionsfähigen nuklearen Sprengsatzes unter Verwendung von hochangereichertem Uran verfüge». Bei den amerikanischen Geheimdiensten geht man gemäss der Zeitung davon aus, dass die iranische Führung noch nicht über den effektiven Bau einer Atomwaffe entschieden habe, sie aber sicherstellen wolle, über alle Komponenten und die Fähigkeit zu verfügen, um dazu später einmal in der Lage zu sein.

Gefahr einer Eskalation

Wegen des unter Verdacht stehenden Atomprogramms haben die USA und die EU schon vor Jahren wirtschaftliche Sanktionen gegen Iran verhängt. Ausserdem gab es seitens der USA und Israels schon wiederholt Andeutungen über die Möglichkeit eines militärischen Vorgehens gegen bestimmte Einrichtungen in Iran, welche dem Atomwaffenprogramm dienen könnten. Der neue Bericht der IAEA dürfte den Streit um das iranische Atomprogramm erneut anheizen. Die Gefahr einer schwer einzukalkulierenden Eskalation wird jedenfalls dadurch alles andere als geringer.

 

NZZ 7.11.11

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