Wieso will Gaza niemand helfen?

von Khaled Abu Toameh

Wer hält die Palästinenser eigentlich davon ab, aus dem Gazastreifen das Hong Kong des Nahen Osten zu machen? Ist es Israel, sind’s die Palästinenser selber oder die arabischen Länder?

In den letzten Wochen hat der HamasMinisterpräsident Ismail Haniya eine Reihe arabischer und islamischer Länder in der Absicht besucht, finanzielle Hilfe für den „Wiederaufbau“ des Gazastreifens zu erhalten. In dieser Woche nun ist Haniya mit einem Koffer voller Versprechen zur Hilfe für die palästinensischen Einwohner des Gazastreifens zurückgekehrt, aus dem Iran, Katar, dem Sudan, Bahrain und den Vereinten Arabischen Emiraten. Einige haben versprochen, Zement und Baumaterial zur Verfügung zu stellen, andere haben in Aussicht gestellt, verschiedene Wirtschafts- und Wohnungsbauprojekte zu finanzieren.

Doch Palästinenser haben sich an leere Versprechungen von arabischen und islamischen Ländern gewöhnt.

In der Vergangenheit hat die Arabische Liga den Einwohnern im Gazastreifen Hilfe in Höhe von vier Milliarden Dollar zugesagt. Doch bisher haben sie aus den arabischen und islamischen Ländern nichts  gesehen, sagen Palästinenser. Zu Beginn des Jahres beschuldigte die Hamas die Palästinensische Autonomiebehörde PA, sich einige Millionen Dollar unter den Nagel gerissen zu haben – Gelder, die von arabischen und islamischen Ländern zur Hilfe der Einwohner im Gazastreifen gespendet worden waren. Die PA bestreitet dies.

Natürlich ist es ein Leichtes, Israel die Schuld für die andauernde Krise im Gazastreifen zu geben; und so machen es auch die Hamas, die PA und der Rest der arabischen und islamischen Länder. Einzig und allein Israel ist schuld  – an allem was im Gazastreifen schief läuft, sagen sie. Wenn’s Probleme mit Drogen im Gazastreifen gibt: die Israelis müssen dahinterstecken.

Und wenn kein Strom im Gazastreifen fliesst, sind Hamas und die PA sofort zur Stelle, um Israel auch für diese Krise verantwortlich zu machen. Doch das Palestinian Center for Human Rights hat diese Woche gemeldet, dass die Palästinenser – und nicht Israel – für die Stromkrise verantwortlich sind. Die Menschenrechtsgruppe hat darauf hingewiesen, dass die Hamas meldete, der Betrieb des Energiewerks in Gaza sei aufgrund von Benzinmangel unterbrochen worden. Bis vor kurzem wurde Benzin durch unterirdische Tunnel aus Ägypten geschmuggelt. Davor ist das Benzin aus Israel gekommen, und die PA im Westjordanland kam für die Kosten auf. Doch wegen der Streitigkeiten zwischen Hamas und Fatah hat die PA die Zahlungen eingestellt. PA-Beamte beschuldigten die Hamas, Benzin für ihre eigenen Institutionen und Fahrzeuge zu stehlen.

Wenn also irgendjemand die Schuld trägt an der Tatsache, dass Hunderttausende Palästinenser ohne Stromversorgung waren, dann sind es Hamas und Fatah. Auch für die Medikamentenknappheit im Gazastreifen macht die Hamas die PA verantwortlich: sie habe diese  nicht geliefert.

Als Israel den Gazastreifen 2005 verlassen hat, bot sich den Palästinensern die Gelegenheit, die Küstengegend in das Hong Kong der arabischen Welt zu verwandeln.  Alle waren bereit, den Palästinensern im Gazastreifen zu helfen, auch Israel und Juden in den USA und Kanada. Doch die Palästinenser zogen es vor, den Gazastreifen zu einem Zentrum für islamistische Gruppen zu machen.

Seither haben diese Gruppen den Einwohnern im Gazastreifen nichts ausser Tod und Zerstörung gebracht. Heute ist der Gazastreifen drauf und dran, rückwärts zu gehen. Die Radikalen bestimmen – unter der Rückendeckung  vieler Palästinenser –, wo es lang geht, und es zeigt sich keine Hoffnung, dass in absehbarer Zukunft moderate Kräfte entstehen.

Aus diesem Grund sind Araber und Muslime nicht erpicht darauf, Dollars in Milliardenhöhe in den Gazastreifen zu überweisen. Denn sie wissen, dass das Geld für den Kauf von Waffen und Munition drauf geht  – nicht für den Bau neuer Schulen und Krankenhäuser.

Originalversion: How Come No One Wants to Help Gaza? by Khaled Abu Toameh © Stonegate-Institute, February 21, 2012.

(http://www.audiatur-online.ch 27.2.12)

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