Sport in Israel

Auf der Collage sind zu sehen: Das Logo des Verbandes Beitar; der olympische Goldmedaillengewinner Gal Friedman; das Logo des Verbandes Ha-Po’el; das Denkmal für die ermordeten Sportler von München 1972 in Tel Aviv; Shmuel Rosenthal (rechts) mit Teamkollege Günter Netzer; Plakat für die Maccabiade 1932; die Tennisspielerin Shahar Peer; die Basketballer Tal Brody und Miki Berkovich mit dem Europacup 1977; das Logo von Maccabi; Jonatan Kopelev nach seinem Sieg bei den Schwimm-EM 2012; das Logo des israelischen Fußballverbandes; die israelische Olympiamannschaft 2012 mit Präsident Shimon Peres

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Der Sommer ist traditionell die Zeit der großen Sportereignisse: Gerade ist die Fußball-EM zu Ende gegangen, da befinden wir uns auch schon mitten in den Olympischen Spielen. Anlass genug, den israelischen Sport einmal genauer unter die Lupe zu nehmen…

 

 

Die Themen:

  • Die großen Sportbewegungen
  • Ewig populär: Fußball und Basketball
  • Weitere Sportarten
  • Die Katastrophe: München 1972

 

 

Die großen Sportbewegungen

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Der israelische Sport ist sehr viel älter als der Staat Israel und eng mit der Geschichte der politischen Bewegungen innerhalb des Zionismus verknüpft. Denn die meisten israelischen Sportvereine, sowohl im Breiten- als auch im Profisport, gehören einem Verband an, der wiederum zumindest vom Ursprung her Unterorganisation einer politischen Bewegung ist.

Die drei größten Sportverbände in Israel sind Ha-Po´el, Maccabi und Beitar.

Ha-Po´el („Der Arbeiter“) ist heute der größte israelische Sportverband. Er wurde als Teil der allgemeinen Arbeitergewerkschaft in Eretz Israel (Histadrut ha-Ovdim ha-klalit be-Eretz Israel) gegründet. Ziel der Vereinigung ist bis heute „die Pflege der Körperkultur und des Sportes unter den Arbeitern“.

Im April 1924 gründete eine Gruppe von Arbeitern in Haifa eine Fußballmannschaft mit dem Namen Ha-Po´el. Zwei Jahre später, im Mai 1926, wurde der landesweite Verband gegründet. Das Logo des Verbands zeigt einen  Sportler in Rot in einem stilisierten Hammer und Sichel. Das Motto der Bewegung lautete: „Sport la-alafim u-le-alufim“ (etwa: Sport für die Massen und Meister).

1927 schloss sich die Bewegung der Internationale an, dem internationalen Verband der Arbeitersportvereine. Sportvereine, die sich als sozialistisch definierten, schlossen sich im folgenden eher Ha-Po´el an als Maccabi, der als „bürgerlich“ galt.

Fan-Tatoo „Ha-Po´el Tel Aviv, Liebe meines Lebens“

In den 1930er Jahren konnte der Verband ein bedeutendes Wachstum verzeichnen, mehrere Dutzend Vereine schlossen sich ihm an, und er vertrat bald über 10.000 Mitglieder.

Neun der elf Ermordeten des Olympia-Massakers von München 1972 waren Mitglieder von Ha-Po´el.

Der bekannteste Verein von Ha-Po‘el ist heute der Fußballverein von Ha-Po´el Tel Aviv. Ha-Po´el hat heute knapp 1.000 Jugendmannschaften und mehr als 300 Erwachsenenmannschaften als Mitglieder.

Maccabi ist der älteste Sportverband in Israel. Gegründet wurde er bereits 1912, hervorgegangen ist er jedoch aus dem schon 1906 gegründeten ersten jüdischen Sportverein in Eretz Israel, „Rishon le-Zion“ Yaffo, der sich die zionistischen Sportverbände in Europa zum Vorbild nahm. Die zionistischen europäischen Sportvereine wiederum waren von der deutschen Turnbewegung und der Idee eines „Muskeljudentums“ von Max Nordau inspiriert.

Die Maccabi-Bewegung ist nach den Makkabäern genannt, die für ein wehrhaftes Judentum standen, das sich nicht von anderen Völkern unterdrücken lässt.

Maccabi war bis zur Gründung von Ha-Po´el die einzige Sportbewegung in Eretz Israel und hat sich so um die Institutionalisierung des Sportes verdient gemacht. So hat sie etwa das Israelische Olympia-Komitee begründet.

Für echte Fans: Deo im Maccabi-Look

Seit 1932 richtet Maccabi außerdem die Maccabiade aus – ein alle vier Jahre stattfindendes Sportereignis, an dem jüdische Sportler aus der ganzen Welt teilnehmen.

Der Sportverband Beitar (die Abkürzung steht für Brit ha-No´ar ha-ivri al shem Joseph Trumpeldor, Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor) ist ein Unterverband der Beitar-Bewegung, die vor der Staatsgründung als revisionistische Bewegung gegründet wurde.

Der bekannteste ihr angehörende Club ist der Fußballverein Beitar Jerusalem.

 

 

Ewig populär: Fußball und Basketball

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Der beliebteste Sport in Israel ist traditionell der Fußball. Der Fußballverband des damaligen britischen Mandatsgebiets Palästina, der spätere Israelische Fußballnationalverband, wurde bereits 1928 gegründet und trat ein Jahr später der FIFA bei.

Israel hat immer wieder sehr gute Spieler hervorgebracht, so spielen etwa zurzeit drei Israelis in der Deutschen Bundesliga. Der erste Israeli im deutschen Profifußball war Shmuel Rosenthal, der 1972/73 für Borussia Mönchengladbach spielte.

International sind die Erfolge des israelischen Fußballs jedoch eher bescheiden zu nennen: Zwar gewann die Nationalmannschaft 1964 die Asien-Meisterschaft im eigenen Land, der letzte große Erfolg war jedoch die WM-Qualifikation 1970. Zurzeit liegt Israel in der Nationenwertung auf Platz 82 der Weltrangliste, hinter dem Irak und vor Bolivien. 2008 stand das Land einige Zeit auf Platz 15, dem höchsten Rang, den es in seiner Geschichte erreicht hat.

Bis 1974 war Israel seiner geographischen Lage entsprechend Mitglied in der Asian Football Confederation (AFC), wurde jedoch auf Druck der arabischen Staaten schließlich ausgeschlossen. Die Ostblock-Staaten verhinderten eine Aufnahme Israels in die UEFA, so dass das Land bis 1991 in der Ozeanien-Gruppe spielte.

Seit 1977 hat Israel eine Frauenfußballnationalmannschaft, seit 1999 auch eine Frauenliga.

Internationale Turniere werden in Israel traditionell mit großer Begeisterung und Anteilnahme verfolgt – auch, wenn die eigene Nationalmannschaft nicht dabei ist.

Wesentlich größere Erfolge als im Fußball kann Israel im Basketball verzeichnen. Der größte Erfolg der Nationalmannschaft ist der zweite Platz in der Europa-Meisterschaft 1979. Die Stärke des israelischen Basketballs liegt jedoch auf der Vereinsebene. So gewann der israelische Rekordmeister Maccabi Tel Aviv zwischen 1977 und 2005 fünf Mal den Europa-Cup; das Frauen-Team von Elitzur Ramle gewann 2011 den Eurocup der Frauen.

Nationalmannschaft von 1960

Omri Caspi wurde 2009 der erste israelische Spieler in der US-amerikanischen NBA.

 

 

Weitere Sportarten

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Israel hat bei den Olympischen Spielen bisher insgesamt sieben Medaillen gewonnen – eine Gold-, eine Silber- und fünf Bronzemedaillen.

Gold ging dabei an Gal Friedman im Windsurfen bei der Olympiade in Athen 2004. Er hatte bereits 1996 in Atlanta Bronze für Israel geholt. Silber gewann Yael Arad im Judo in Barcelona 1992. Bei derselben Olympiade gewann ebenfalls im Judo Oren Smadja Bronze, der dritte Olympionike, der eine Medaille in dem Sport erhielt, war Arik Zeevi in Athen 2004. In Sydney gewann 2000 Michael Kolganov die einze Medaille für Israel im Einer-Kajak. Die letzte Bronze-Medaille für Israel hat Shahar Tzuberi in Bejing 2008 geholt.

Einmarsch der israelischen Olympioniken London 2012

Informationen über die israelischen Olympioniken für London 2012 finden Sie hier: http://www.mfa.gov.il/MFA/IsraelExperience/Israel_Olympic_hopes_July_2012.htm

Wir drücken weiter die Daumen!

In den letzten Jahren machen israelische Tennisspieler von sich reden: Shahar Peer, die bisher erfolgreichste israelische Tennisspielerin aller Zeiten, stand im Januar 2011 auf Platz 11 der Weltrangliste. Ebenfalls international sehr erfolgreich sind Dudi Sela, Andy Ram und Yoni Erlich.

Erfolge konnten immer wieder auch israelische Schwimmer verzeichnen, zuletzt gewann Jonatan Kopelev Gold im Rückenschwimmen auf 50m bei den Europameisterschaften im Mai 2012.

 

 

Die Katastrophe: München 1972

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Der israelische Sport wird auf ewig mit einem Ereignis verbunden bleiben – dem Olympia-Massaker von München 1972, bei dem elf Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft ermordet wurden.

Am frühen Morgen des fünften September 1972 ermordeten bewaffnete Terroristen der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“ zwei Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft und nahmen neun weitere als Geiseln. Sie forderten die Freilassung 200 arabischer Terroristen, die in Israel im Gefängnis saßen und freies Geleit für sich selbst und die Geiseln aus Deutschland heraus.

Der tunesische Botschafter und Vertreter der Arabischen Liga versuchten, die deutschen Behörden bei den Verhandlungen mit den Terroristen zu unterstützen. Israel war nicht bereit, auf die Bedingungen der Geiselnehmer einzugehen. Das Angebot zweier Olympia-Funktionäre, sowie des Polizeipräsidenten, des bayerischen und des Bundesinnenministers, sich als Ersatzgeiseln zur Verfügung zu stellen, blieb erfolglos.

Nach mehr als 12 Stunden im Olympischen Dorf stimmten die Terroristen zu, das Dorf zu verlassen und wurden gemeinsam mit den Geiseln in einem Hubschrauber zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck gebracht. Der Plan der deutschen Polizeibehörden war es, zum Schein auf den Erpressungsversuch einzugehen und die Geiselnehmer am Flugplatz zu überwältigen. Die Aktion schlug jedoch vollkommen fehl. Am Ende waren alle neun Geiseln (und die beiden bereits zuvor getöteten) tot, außerdem fünf der acht palästinensischen Terroristen und ein bayerischer Polizeiobermeister.

Obwohl die Welt mit Entsetzen auf das Massaker reagierte, wurden die Olympischen Spiele bereits 24 Stunden nach Beendigung der Geiselnahme fortgesetzt. Für die israelischen Olympioniken wurde eine Gedenkfeier abgehalten. Die überlebenden Teammitglieder kehrten unverzüglich nach Hause zurück; fünf Sportler aus anderen Ländern schlossen sich ihnen aus Solidarität an.

Yael Arad, die erste Israelin, die jemals bei Olympischen Spielen eine Medaille gewann, widmete ihre Silbermedaille 1992 bei den Spielen in Barcelona den ermordeten Geiseln von München.

Der stellvertretende Außenminister Danny Ayalon versuchte in einer Kampagne im Vorfeld der diesjährigen Spiele das IOC dazu zu bewegen, angesichts des 40. Jahrestages des Massakers bei der Eröffnungsfeier in London eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Diese Bitte wurde abgelehnt.

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