Das offene Mikrofon und die UN-Dolmetscherin

Ein Kommentar von Hillel Neuer, Direktor der Nichtregierungsorganisation UN Watch mit Sitz in Genf

Die Wahrheit kommt raus, wenn keiner zuhört. Am Donnerstag sprach eine Dolmetscherin der Vereinten Nationen, versehentlich und bei offenem Mikrophon, Worte der Wahrheit, als von der UN-Generalversammlung neun israelkritische Beschlüsse und kein einziger zum Rest der Welt verabschiedet wurden.

In der scheinbaren Gewissheit, nur zu ihren Kollegen zu sprechen, äußerte sich die Dolmetscherin wie folgt, direkt in die Kopfhörer sämtlicher anwesender UN-Delegierten und vor der weltweiten Zuhörerschaft der Übertragung im Internet:

„Ich meine, wenn man… also, wenn man insgesamt zehn Resolutionen zu Israel und Palästina hat, irgendwas muss da doch sein, c’est un peu trop, non? [es ist ein bisschen zu viel, oder?] Ich meine… da passiert anderes, richtig übles Zeug, aber keiner sagt irgendwas dazu.“

Gelächter brach unter den Delegierten aus. „Die Dolmetscherin bittet um Entschuldigung“, sagte die unglückliche Sprecherin der Wahrheit, nachdem sie hörbar um Atem gerungen hatte. Ich hoffe sehr, dass sie nicht gefeuert wird.

Denn wer sich heute tatsächlich entschuldigen sollte, sind die Vereinten Nationen. Gegründet auf hohen Idealen, verdreht diese Einrichtung der Weltgemeinschaft den Traum liberaler Internationalisten in einen Alptraum.

Kurz vor Ende der diesjährigen Legislaturperiode hat die Generalversammlung 22 Resolutionen verabschiedet, die Israel verurteilen – und nur vier zum gesamten Rest der Welt. Diese Heuchelei, Selektivität und Politisierung ist atemberaubend.

Die Resolutionen, die das 4. Komitee der Versammlung, mit Mitgliedern aller 193 Mitgliedsstaaten, heute verabschiedete, verurteilen Israel für die Verletzung der Menschenrechte der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen, die der palästinensischen Flüchtlinge und sogar die der Syrer in den Golanhöhen.

Tatsächlich: die UN hat heute eine Resolution verabschiedet, in der das Wort „Syrien“ nicht weniger als zehn Mal fällt – ohne dass irgendetwas über die Massaker des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad an mehr als 100 000 seiner Landsleute gesagt würde.

Unter dem Titel „Die besetzten syrischen Golanhöhen“ wird Israel für die angebliche Misshandlung syrischer Zivilisten in den Golanhöhen verurteilt, außerdem für die Verletzung der Rechte syrischer Bürger nach internationalem humanitären Gesetz. Die UN fanden heute aber nicht die Zeit, das internationale Recht in Bezug auf Präsident Assads Vergasung seiner eigenen Bürger zu kommentieren.

Wie bald in einer weiteren überflüssigen Resolution zum Golan, rief die Generalversammlung auch heute Israel dazu auf, die Golanhöhen und dessen Bewohner an Syrien zu übergeben.

Egal, welchen Standpunkt man zu den Besitzverhältnissen im Golan einnimmt: wenn die UN ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt dazu auffordert, irgendjemanden Assads Herrschaft zu übergeben, während er seine Massaker unvermindert fortsetzt, dann ist das logisch absurd und moralisch obszön. Angesichts der in israelischen Krankenhäusern behandelten syrischen Zivilisten, die dem Blutbad im eigenen Land entkamen, wird die Resolution nachgerade absurd.

Es ist recht und gut, Israel für seine Behandlung arabischer und anderer Minoritäten zur Verantwortung zu rufen, wie jeden anderen Staat auch. Aber irgendetwas stimmt nicht, wenn in der heutigen Resolution zum Thema Palästina nicht ein Wort über den regelmäßig von der Hamas zum Ausdruck gebrachten mörderischen Antisemitismus oder zur gefährlichen Anstachelung der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah verloren wird, wo in offiziellen Schulen, in Moscheen, Zeitungen und Fernsehsender andauernd die Mörder israelischer Zivilisten als Helden glorifiziert werden, denen es nachzueifern gilt.

Das Wort ist die Mutter der Tat. Trotzdem erwähnte keine der Resolutionen zum Westjordanland die Welle palästinensischer Terrorakte in den letzten Wochen, wie den brutalen Mord an Shraya Ofer vor seinem Haus im Jordantal, bei dem seine Frau nur knapp entkam. Die Ermordung Ofers mit Äxten und Eisenstangen war „ein Geschenk an das palästinensische Volk und die Hamas-Häftlinge, aus Anlass von Eid al-Adha“, wie zwei Verdächtige bei der Befragung aussagten.

Indem sie die Anstachelung und den Terrorismus auf palästinensischer Seite außer Acht lassen, befördern die Vereinten Nationen eine einseitige Sicht, die den Organisationen Hamas, Islamischer Jihad und der PA einen Freibrief gibt, und die Unnachgiebigkeit statt Kompromissfähigkeit bestärkt.

Es sind also die UN, die sich dafür entschuldigen sollten, die kostbare Zeit und die Ressourcen der Weltorganisation dafür zu gebrauchen, politisierende und einseitige Texte zu produzieren, die nichts dazu beitragen, den arabisch-israelischen Frieden voranzubringen oder den wahren Schutz der Menschenrechte zu unterstützen. Im Gegenteil, die selektiven und einseitigen Resolutionen untergraben das Kernprinzip, dass die Standards der Menschenrechte universell gelten, und sie bringen die Parteien weiter auseinander.

Es sind die Vereinten Nationen, die sich dafür entschuldigen sollten, Israel als Sündenbock zu gebrauchen und den jüdischen Staat als Meta-Kriminellen zu dämonisieren und zu delegimitieren, der für alle Übel dieser Welt die Schuld trägt.

Vor allem aber sollten sich die Vereinten Nationen dafür entschuldigen, dass sie die Schreie der Millionen echten Opfer von Menschenrechtsverletzungen überhören – und diese verhöhnen.

Letzte Woche war ich im Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York, zusammen mit mutigen Dissidenten aus China, Kuba, Russland und Saudi-Arabien. UN Watch half dabei, eine Pressekonferenz zu organisieren, um die UN-Mitgliedsstaaten darum zu bitten, sich den zynischen Kandidaturen jener unterdrückerischen Regime für den Menschenrechtsrat der UN zu widersetzen. Doch trotz ihrer katastrophalen Akten, wurden diese Serientäter der Menschenrechtsverletzung alle von der UNGA  (Generalversammlung) gewählt, um die neuen Richter über Menschenrechte in der Welt zu werden.

Überflüssig zu sagen, dass dieselbe UN-Versammlung in diesem Jahr keinerlei Resolutionen zur chinesischen Unterdrückung des tibetischen Volkes oder der Verhaftung pro-demokratischer Aktivisten wie Wang Bingzhang sagen wird, ebenso wenig zu Kubas gewalttätiger Drangsalierung von Journalisten und Bloggern, zur Verfolgung von Schwulen in Russland oder zu saudi-arabischen Gesetzen, die Frauen das Autofahren und Nicht-Muslimen das Praktizieren ihrer Religion verbietet.

Ebenso wenig verlieren die UN ein Wort über religiös motivierte Angriffe auf Zivilisten im Irak, in Nigeria oder Pakistan, oder zur Verfolgung politischer Dissidenten in Uganda, Vietnam oder Zimbabwe.

Wie die Dolmetscherin heute anmerkte, es gibt wahrlich eine gewaltige Menge übler Dinge, die auf der ganzen Welt geschehen, doch leider „sagt keiner irgendwas dazu“.

Die Vereinten Nationen sind so damit beschäftigt, Israel zu verurteilen – sie finden einfach nicht die Zeit dafür.

Das Video zu dem Vorfall bei den UN finden Sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=V7W5tsnd0BE

(Times of Israel, 14.11.13)

Bildung in Israel

Dass auch in Israel Kinder in die Schule gehen und junge Erwachsene studieren und sich weiterbilden, dürfte niemanden überraschen. Doch wie ist eigentlich das Schulsystem in Israel aufgebaut? Und was studieren all die vielen Studierenden, die Israel zu dem Land mit den zweitmeisten Akademikern in der OECD machen?

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Themenüberblick:

  • Bildung in Israel
  • Schulsystem
  • Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern Hochschulbildung

 

Schulsystem

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Die allgemeine Schulpflicht gilt in Israel im Alter von fünf bis sechzehn Jahren, Kinder zwischen 0 und 17 Jahren stellten Ende 2010 mit 2,52 Millionen etwa ein Drittel der Einwohner des Staates Israel.

Mit fünf Jahren besuchen israelische Kinder den Gan Chova, eine Art Vorschule, deren Besuch im Jahr vor dem Schulbeginn verpflichtend ist. Mit sechs Jahren werden sie eingeschult.

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Das Schulsystem untergliedert sich im Wesentlichen in vier verschiedene Züge:

– Staatliche Schulen, die von den meisten Schülern besucht werden.

– Staatlich-religiöse Schulen, die jüdische Studien, jüdische Kultur und Tradition besonders in den Vordergrund rücken.

– Arabische und drusische Schulen mit der Unterrichtssprache Arabisch, die besonderes Gewicht auf arabische oder drusische Geschichte, Religion und Kultur legen.

– Private Schulen, die unter der Schirmherrschaft verschiedener religiöser und internationaler Gruppen geführt werden. Bei ihnen trägt der Staat etwa 75% der Kosten. Den größten Anteil an den privaten Schulen haben ultraorthodoxe Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich in religiösen Fächern und lediglich in sehr beschränktem Maße in weltlichen Fächern unterrichtet werden. Darüber hinaus zählen aber auch Demokratische und Internationale Schulen, sowie etwa koedukative Schulen, an denen arabische und jüdische Kinder gemeinsam in beiden Sprachen unterrichtet werden, zu dieser Kategorie.

Der Anteil der Kinder, die die verschiedenen Schulzüge besuchen, verschiebt sich in den vergangen Jahren entscheidend: Im Schuljahr 1999/00 besuchten noch 20% der jüdischen Grundschüler eine Schule, die unter ultra-orthodoxer Oberaufsicht stand, im Schuljahr 2009/10 waren es bereits 28%. In den weiterführenden Schulen waren es 1999/00 noch 15% gewesen, 2009/10 lag der Anteil bereits bei 20% aller jüdischen Schüler.

Anders als in Deutschland existiert kein dreigliedriges Schulsystem, die Kinder und Jugendlichen besuchen gemeinsam eine allgemeinbildende Gesamtschule, die sie mit der zwölften Klasse zur Bagrut, dem Abitur, führt. Der größte Teil der Schülerinnen und Schüler besucht 12 Jahre die Schule (2010 waren es 92%, im Gegensatz zu 2003 noch 89%, OECD-Durchschnitt 84%), ein kleinerer Teil verlässt sie bereits nach der 10. Klasse.

Je nach Bevölkerungsgruppe bestehen beim Abitur jedoch große Unterschiede: Die Prozentzahl der christlichen Schüler, die jährlich das Abitur ablegen, liegt mit 63% noch über der der jüdischen Schüler (58%) und deutlich über der der muslimischen Schüler (50%).

 

 

Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern

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Hochbegabte Kinder, die zu den drei Prozent der besten Schüler ihrer Schulklasse gehören und entsprechende Qualifikationsprüfungen bestanden haben, nehmen an Begabtenförderprogrammen teil, die von Zusatzkursen außerhalb des normalen Lehrplanes bis zu speziellen ganztägigen Hochbegabtenschulen reichen.

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Der Hochbegabtenunterricht ist dem Niveau seiner Schüler angepasst und beschränkt sich nicht nur darauf, Kenntnisse zu vermitteln, sondern leitet die Schüler auch an, Gelerntes auf andere Wissensbereiche anzuwenden. Die Schüler lernen selbständig zu forschen und zu arbeiten.

Körperlich, geistig oder lernbehinderte Kinder werden je nach ihren Fähigkeiten und der Schwere ihrer Behinderung in ein entsprechendes Schulsystem eingegliedert, um dort ihre Fähigkeiten entfalten zu können und eine optimale Integration in das soziale und berufliche Leben der Gesellschaft, in der sie leben, zu erfahren.

Einige Kinder werden in speziellen Sonderschuleinrichtungen betreut, während andere reguläre Schulen besuchen, wo sie entweder speziellen Klassen für Behinderte zugeteilt oder zusammen mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden und zusätzlich zum normalen Unterricht Förderunterricht erhalten.

Die Verantwortung für das Wohl und die Förderung der Kinder liegt bei Psychologen, Sozialarbeitern, Behindertenpädagogen und medizinischem Personal sowie bei der Familie des Kindes und verschiedenen unabhängigen Hilfsorganisationen und -gruppen.

 

 

Hochschulbildung

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Der Grundstein für die erste israelische Universität, das Technion in Haifa, wurde bereits 1912 gelegt – 36 Jahre vor Staatsgründung.

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1925 besucht Albert Einstein das Technion

Seitdem zeichnen sich die israelischen Universitäten nicht nur durch exzellente Lehre sondern auch Forschung aus: Israel mag bei den PISA-Vergleichsstudien nicht gerade ganz oben dabei gewesen sein, doch hat das Land bereits 10 Nobelpreisträger hervorgebracht – und das in fünf so verschiedenen Kategorien wie Chemie, Frieden, Literatur und Wirtschaft.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist das Angebot der Hochschulbildung in Israel deutlich gestiegen. Gab es im Studienjahr 1989/90 noch 21 Institutionen, die akademische Grade anboten und an denen 88.800 Studierende eingeschrieben waren, so gab es in Israel im Studienjahr 2011/12 70 Institutionen (darunter 7 Universitäten) mit 306.600 Studierenden (einschließlich 47.900 an der Fernuniversität Ha-Universita ha-ptucha).

In dieser Zeit wuchs die Zahl der Studierenden jährlich durchschnittlich um 5,8%.

Von den 258.700 Studierenden, die im Schuljahr 2011/12 an den Universitäten, akademischen Colleges und Lehrerseminaren in Israel eingeschrieben waren, studierten 75% in einem Bachelor-Studiengang. 20,4% waren für einen Master eingeschrieben und 4,1% für ein Doktorat.

Ein Hochschulstudium ist in Israel nach wie vor hauptsächlich eine Angelegenheit der öffentlichen Hochschulen: Lediglich 14,1% studieren an privaten Institutionen. Im OECD-Durchschnitt sind es 15,5%, in Deutschland etwa 5%.

Im akademischen Jahr 2011/12 ist die Zahl der Erstsemester im Bachelor-Studium an den Universitäten stabil geblieben, in den Colleges jedoch signifikant gestiegen.

Die meisten Bachelor-Studenten gab es in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Master-Studierende waren in der Mehrheit in den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben; Doktoranden zumeist in naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik.

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Die Hebräische Universität Jerusalem

Die Mehrheit aller Studierenden, sowohl in den Bachelor-, als auch in den Master- und den Dissertationsstudiengängen, sind Frauen: Beim Bachelor waren es im vergangenen Studienjahr 56,1%, beim Master 59,8%, und bei den Doktoraten war es immerhin noch eine dünne Mehrheit von 52,4%.

Die Studiengänge Medizin, Architektur und Städtebau waren im Studienjahr 2011/12 im Verhältnis zur Zahl der verfügbaren Plätze am beliebtesten: Hier herrschte das größte Missverhältnis zwischen Bewerbern und Studienplätzen.

Sechzig Prozent der Israelis im relevanten Alter waren in ihrem Leben einmal für ein Bachelor-Studium eingeschrieben – auch hier besteht ein großer Unterschied zwischen Frauen (66%) und Männern (53%). Israel liegt unter den OECD-Staaten auf Platz zwei, was den Anteil der Akademiker an der Bevölkerung betrifft. 56% Prozent der Israelis in der relevanten Altersgruppe haben demnach einen akademischen Abschluss, gegenüber 30% im OECD-Durchschnitt.

Die Lügen der Hamas

In den letzten Tagen verbreiteten Social Media zahlreiche Photos, die angeblich palästinensische Opfer der jüngsten israelischen Militäroperation zeigen. Wie die folgenden Bilder veranschaulichen, handelte es sich bei einigen davon jedoch um altes Bildmaterial.

Ein weiterer Aspekt ist, dass einige der Palästinenser vermutlich auch durch die Raketen der Hamas verletzt oder getötet wurden, denn längst nicht alle gingen auf israelischem Gebiet nieder. Rechnen Sie selbst:

Interviews mit Botschafter Caspi zur aktuellen Lage

 

Am vergangenen Wochenende gab der Botschafter Israels in Bern, Yigal B. Caspi, zwei Interviews in der Schweizer Presse, in denen er die Sicht Israels zur aktuellen Lage dort darlegt. Er kommentiert dabei auch den Besuch von Mahmoud Abbas in Bern und die Entscheidung der Schweiz hinsichtlich UN-Abstimmung Ende November.

 

In der Sonntagszeitung am 18.11.2012

 

«Es gibt keinen anderen Weg als militärische Gewalt»

Yigal B. Caspi, Israels Botschafter in der Schweiz, über die Eskalation im Konflikt mit der Hamas

Führt Israel einen neuen Krieg in Gaza?

Wir erleben eine gefährliche Eskalation. Israel kann nicht hinnehmen, dass täglich Raketen auf unser Gebiet gefeuert werden. Die Menschen leben in ständiger Angst. Der Beschuss muss aufhören, dafür werden wir alles tun.

Kann Israel die Raketen mit militärischen Mitteln stoppen?

Es gibt keinen anderen Weg. Diese Terrororganisationen lernen nur durch Gewalt. Wir reden vom Friedensprozess, von Koexistenz. Aber solange die Hamas Israel als Staat nicht anerkennt, sich weigert, der Gewalt als politischem Mittel abzuschwören und sämtliche Abkommen zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Israel zu respektieren, sind Verhandlungen unmöglich.

Israel bereitet eine Bodenoffensive vor.

Wir hoffen nicht, dass es so weit kommt. Der Gazastreifen ist dicht besiedelt, die Hamas versteckt sich hinter Zivilisten. Wir wollen nicht, dass es auf beiden Seiten viele Tote gibt. Wir wollen, dass es schnell vorbei ist.

Vergangene Woche warb Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas bei Bundesrat Didier Burkhalter für die Aufwertung des Status der Palästinenser in der UNO. Was erwarten Sie von der Schweiz?

Wir halten nichts von dem Weg über die UNO. Eine solche unilaterale Massnahme bedeutet eine Verletzung des Interimsabkommens von 1995 zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Wir hoffen, dass die Schweiz sich davon leiten lässt, was den Frieden fördert: direkte Verhandlungen.

(© SonntagsZeitung; 18.11.2012; Seite 10, Katia Murmann)

 

 

Auf Französisch in 24 heures / Tribune de Genève

Opération «Pilier de défense»

«Le Hamas ne nous laisse pas le choix, il faut arrêter ces tirs de roquettes»

Andrés Allemand

Interview du nouvel ambassadeur d’Israël à Berne, qui défend l’offensive contre Gaza

 

L’ambassadeur Yigal Caspi est en poste à Berne depuis le 16 juillet. Direct et décomplexé, il n’a pas pour habitude de mâcher ses mots. En pleine offensive contre la bande de Gaza, le diplomate explique les raisons de son pays. Interview sans gants.

 

Jusqu’à quand cette attaque? Quel est l’objectif militaire?

L’objectif est simple: détruire le plus possible de sites de lancement de roquettes Qassam. Sans doute pas tous. D’ailleurs, certains sont sûrement mobiles. Par la même occasion, nous avons démontré l’efficacité de notre «Dôme de fer»(ndlr: système d’interception des missiles). Malgré la trajectoire irrégulière des Qassam, nos ordinateurs peuvent calculer le point d’impact en Israël. Si c’est en zone habitée, on tente de les détruire avant. Bref, la mission, c’est d’arrêter les tirs de roquettes. Il y en a eu sept cent cinquante cette année, septante rien que le week-end dernier! C’est inacceptable pour la population israélienne. Les parents n’osent plus envoyer leurs enfants à l’école. Aucun pays au monde n’accepterait ça. Régulièrement, nous devons intervenir. Le Hamas ne nous laisse pas le choix. Et il y a malheureusement des victimes: vingt et un Palestiniens et trois Israéliens sont déjà morts.

Faut-il craindre une nouvelle hécatombe, comme il y a quatre ans?

Nous essayons de frapper les objectifs avec précision, mais quand même: ce sont toujours vingt-quatre morts de trop. Sans parler des blessés et des dégâts matériels. Franchement, nous ne comprenons pas à quoi servent toutes ces attaques palestiniennes. Il y a quelques jours l’émir du Qatar est allé à Gaza promettre des fonds pour la reconstruction. Résultat: le Hamas provoque une guerre avec Israël. Alors, bien sûr, on nous dit que c’est en fait le djihad islamique qui lance ces roquettes. Alors quoi? Le Hamas a pris le contrôle de la bande de Gaza ou pas?

Pourquoi avoir déclenché cette opération «Pilier de défense» alors que les Palestiniens étaient prêts pour une trêve?

Notre gouvernement les a piégés. Nous avons convaincu les groupes palestiniens qu’Israël allait arrêter de réagir aux tirs de roquettes. C’est ce qui a permis l’attaque surprise contre le chef militaire du Hamas. C’est comme ça qu’on fait la guerre. Cela permet de raccourcir les opérations.

Pourquoi avoir déclenché ces hostilités juste maintenant?

Ce n’est pas comme si Israël avait simplement décidé d’attaquer! Il y a eu cette offensive palestinienne il y a dix jours…

Rien à voir avec la tournée du président Abbas pour faire reconnaître ce mois à l’ONU l’Etat palestinien?

Rien à voir. Le Hamas et l’Autorité palestiniennes sont deux entités distinctes.

La Suisse ne compte pas voter contre l’Etat palestinien. Comment réagissez-vous?

Nous sommes en dialogue. J’ai été heureux d’entendre M.  Burkhalter dire que l’important, pour la Suisse, c’est de favoriser le processus de paix. Nous essayons de convaincre les Occidentaux que le timing est mauvais pour un vote. Laissons passer les élections israéliennes de janvier.

Israël dit qu’il est prématuré de reconnaître à l’ONU un Etat palestinien. Cette offensive n’appuie-t-elle pas ce discours?

Non, ça ne change rien. Les Palestiniens peuvent de toute manière compter sur plus de 120 voix favorables à l’ONU. Nous essayons de convaincre les pays occidentaux de ne pas soutenir cette démarche. La plupart estiment qu’Israël a un droit à l’autodéfense, donc cette offensive ne les fera pas changer d’avis si le nombre de victimes civiles reste réduit.

Pourquoi serait-il grave qu’un Etat palestinien soit reconnu?

A quoi ça rime? L’Autorité palestinienne veut-elle la négociation ou la bagarre? Si les Palestiniens obtiennent le statut d’Etat observateur à l’ONU, ils pourront devenir membres d’agences onusiennes et de la Cour pénale internationale. Nous craignons des batailles juridiques contre Israël. Au lieu de s’asseoir à la table des négociations. On nous dit que c’est impossible à cause des implantations juives en Cisjordanie, mais notre premier ministre(ndlr: Benjamin Netanyahou)a gelé les implantations pendant dix mois et ils ont refusé de négocier. Ça n’a pas de sens.

Le gel de la colonisation n’a jamais concerné Jérusalem-Est, point ultrasensible. Pourquoi?

Jérusalem ne sera jamais divisée. C’est notre position officielle. Là-dessus, il y a un consensus national. Aucun gouvernement israélien ne peut y toucher. Mais dans le passé, il y a déjà eu des pourparlers sans poser de telles exigences. On sait bien qu’il n’y aura pas de solution sans sacrifices. Quand nous avons décidé d’évacuer les implantations juives de la bande de Gaza, nous l’avons fait. Qu’avons-nous récolté? Des roquettes! C’est pour ça que la gauche israélienne a presque disparu: les partenaires palestiniens ne sont pas crédibles. Le peuple élit les politiciens qui assurent sa sécurité. En Israël comme partout.

Donc Benjamin Netanyahou va cartonner aux élections de janvier?

J’ai lu comme vous des articles accusant le gouvernement d’avoir lancé l’offensive à Gaza pour des raisons électoralistes. Mais je ne suis pas convaincu. Ce serait un pari très risqué. Cela dépend toujours de l’issue.

N’avez-vous pas pris le risque de ressouder les Palestiniens derrière le Hamas?

A chaque fois, ils font corps. C’est normal. Mais ça ne dure pas.

Et l’Egypte? Ne poussez-vous pas le pouvoir à se radicaliser?

Nous jugeons l’Egypte par ses actions, pas par les discours de certains. Les Frères musulmans ont des liens avec le Hamas, mais le président Morsi n’a pas remis en question les accords avec Israël. Dans le passé, l’Egypte a joué un rôle important de médiation. Le premier ministre était ce vendredi à Gaza, je ne sais pas ce qu’il a dit aux leaders du Hamas. Mais, en réalité, ce qui nous inquiète, c’est plutôt les djihadistes internationaux qui circulent dans le Sinaï, hors de contrôle du Caire, qui a bien d’autres chats à fouetter.

(© 24 heures; 17.11.2012; Seite 6vc6, André Allemand)

Die andere Seite des Gazastreifens

Gaza – wie man es sonst nirgendwo zu sehen bekommt

Diese Bildern aus dem Gazasterifen stehen in starkem Kontrast zu der landläufig bekannten Beschreibung eines „grossen Konzentrationslagers“, wo die IDF verantwortlich seien für die tagtäglichen Schwierigkeiten. Doch dies ist nicht die ganze Geschichte, denn der Gazastreifen wird von Hamas, einer Terrorgruppe, die sich der Zerstörung Israels verschworen hat, regiert. Die Raketen, die ständig auf Südisrael abgefeuert werden, machen es verständlich, dass Importgüter zuerst von Israel überprüft werden müssen.

Aber es gibt noch mehr, dass der Darstellung des „grossen Konzentrationslagers“ widerspricht. In manchen Sektoren, blüht die Wirtschaft. Täglich bringt die IDF tausende Tonnen Güter und Gas nach Gaza, die dann internationalen humanitären Organisationen wie der UNRWA oder dem Roten Kreuz zukommen.

Dies ein paar Bilder, wie man sie in den Nachrichten nie zu sehen bekommt:

Palästinensischer Laden im neuen al-Andulusia Einkaufszentrum in Gaza, August 2011 (Bild: Hatem Moussa, AP)


Ein Hotel in Gaza (Bild: Mohammed Asad)


Die öffentliche Zentralbibliothek in Gaza (Bild: Laura Goldman)

Eine andere verbreitete Ansicht lautet, dass manche Dinge nicht importiert werden können. Dies ist falsch. Alles kann eingeführt werden, sogar Dinge, die sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können (z.B. gewisse Düngmittel, die auch zum Bau von Raketen gebraucht werden können). Die Policy stimmt mit dem Wassenaar Abkommen überein. Diese „dual-use“ Güter werden einzig einer besonderen Sicherheitskontrolle unterzogen, damit sichergestellt werden kann, dass sie in die richtigen Hände gelangen.

Ein Bericht der Washington Post schrieb 2010 über Gaza: „Lebensmittelläden sind gefüllt mit allem von frischen israelischen Jogurt und Humus bis zu Cocoa Puffs, die von Ägypten eingeschmuggelt werden. Apotheken sehen so gut beliefert aus wie typische Rite Aids in den USA“.

Mehr zum Thema findet sich auf diesen Beispielphotos aus dem Gazastreifen.

(Quelle: IDF Blog, 6.7.12. Originalversion Englisch)

Israelische App krempelt das Taxi-Gewerbe um – bald weltweit

Get-Taxi, eine App für Smarthpones, hat in den letzten zwölf Monaten erfolgreich das Tel Aviver Taxigewerbe in Aufruhr versetzt und will jetzt mit frischem Investoren-Geld andere Grossstädte weltweit erobern. In Tel Aviv hat die neue virtuelle Taxizentrale zu Spitzenzeiten am Abend, wenn viele junge Kunden unterwegs sind, bereits bis zu 30% Marktanteil. Die alteingesessenen Taxi-Zentralen wollen nun mit einer eigenen App nachziehen.

Get-Taxi erlaubt den Taxiruf per Knopfdruck. Die App weist dem Fahrgast ein freies Taxi in der Nähe zu und zeigt ihm sodann die Position des Fahrzeugs und sogar die Bewertung früherer Fahrgäste an. Die personalintensive Arbeit der bisherigen Taxizentralen entfällt. Für die Taxis ist der Anschluss an diese neue ‚Zentrale’ denn auch um rund 60 Prozent günstiger als die Gebühren herkömmlicher Zentralen.

2000 Fahrer in 15 Städten weltweit nutzen gemäss Firmenangaben bereits die Get Taxi App, darunter Taxis in Metropolen wie Moskau und London – und jetzt soll der gigantische Taxi-Markt von New York dazukommen. Dabei hat Get-Taxi aber mit harter Konkurrenz zu kämpfen. In mancher Stadt wurden ähnliche Taxi-Apps entwickelt, die sich jetzt auch um den Weltmarkt bemühen. Der Verdrängungskampf

läuft. Denn es ist absehbar, dass sich auch dieser Markt in einer globalisierten, vernetzten Welt auf einige wenige Produkte fokussieren wird.

Weitere Informationen:

Kampf der Taxi-Zentralen in Tel Aviv (englisch), Haaretz.com, 13.06.12

http://www.haaretz.com/business/fare-fight-tel-aviv-s-taxi-dispatchers-wage-war-on-popular-smartphone-app-1.436067

Taxi-App Konkurrenzkampf in New York (englisch), Crainsnewyork.com, 06.06.12

http://www.crainsnewyork.com/article/20120606/TRANSPORTATION/120609918

MyTaxi-App in Zürich, TagesAnzeiger, 16.02.12

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/App-will-Zuercher-Taximarktaufmischen/story/31577964

 

(Quelle: Samuel Suter, „Zwischenzeilen“ – Gesellschaft Israel-Schweiz, 19.6.12 / Photo: Haaretz, Eran Lanun)

Opfer von Toulouse beigesetzt

Die Opfer des Anschlages an einer jüdischen Schule in Toulouse sind heute in Jerusalem beigesetzt worden. Tausende nahmen am Morgen an der Beerdigungszeremonie teil. Auch zahlreiche Persönlichkeiten aus der Politik waren anwesend.

Der Vorsitzende der Knesset, Reuven Rivlin, erklärte: “In Toulouse und Jerusalem, in New York und in Buenos Aires stehen heute Juden aller Herkunftsländer und aller Strömungen zusammen und empfinden tiefen Schmerz. Wieder stehen wir vor kleinen blutenden Leichnamen, vor kleinen Gräbern, vor Mördern, die ohne Unterschied und Erbarmen töten. Es geschieht in Itamar, in Sderot, im Beit Chabad in Mumbai, in Argentinien und in der Yeshiva ‘Merkaz ha-Rav‘ in Jerusalem. Dieses Mal geschah es in der Schule ‘Otzar Thora‘ in Toulouse. Doch wir werden nicht zulassen, dass sie uns besiegen. […] Der Staat Israel muss sicherstellen, dass überall auf der Welt jüdisches Leben möglich ist.”

Bei der Trauerfeier anwesend waren auch der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat, Informations- und Diasporaminister Yuli Edelstein, Innenminister Eli Yishai und der sephardische Oberrabbiner Shlomo Amar.

(Ynet, 21.03.12)

(Ayalon mit Juppe vor einem der Särge am Flughafen Ben Gurion (Foto: Gideon Markovitch)

Zuvor hatte Vize-Außenminister Danny Ayalon die Leichname der Opfer, ihre Familienangehörigen und den französischen Außenminister Alain Juppé am Flughafen empfangen.

Ayalon erklärte den Familien gegenüber: “Heute betrauert ganz Israel den Tod unschuldiger Kinder und eines hingebungsvollen Vaters.”

Ayalon und Juppé nahmen an der Kaddish-Rezitation beim Ausladen der Särge aus dem Flugzeug teil.

(Außenministerium des Staates Israel, 21.03.12)

Ministerpräsident Netanyahu traf ebenfalls mit Außenminister Juppe zusammen und brachte seine Erschütterung über das Attentat zum Ausdruck. Er betonte, man müsse klar unterscheiden zwischen Terrorismus als gezieltem Angriff auf das Leben von Menschen und Militäraktionen gegen Terroristen, bei denen zivile Opfer vermieden werden sollen. Über diesen zentralen Unterschied müsse mehr Klarheit herrschen, betonte Netanyahu.