Süsse Solarenergie aus Israel

Israel ist das Land von Milch und Honig, aber so wörtlich genommen wie die Firma Tigi Solar hat das bisher kaum jemand: Die Firma, die 2007 gegründet wurde, hat ein Produkt entwickelt, das den Solarmarkt in kalten Ländern revolutionieren dürfte – den sogenannten honeycomb collector, einen Solarkollektor, der von der Struktur der Honigwabe inspiriert ist.

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honeycomb collecotor (Foto: MFA)

 

Der Kollektor ist insbesondere für kalte Regionen geeignet, was ihm etwa in Europa einen entscheidenden Vorteil gegenüber Kollektoren einbringt, wie sie zum Beispiel auf israelischen Mietshäusern üblich sind.

Denn die konventionellen Sonnenkollektoren verlieren einen Großteil der Wärme, die sie speichern könnten, wieder, während die Honigwabenstruktur des honeycomb collectors die Wärme optimal speichert und so auch zur Heizung geeignet ist.

„Wir können bessere Arbeit leisten als die meisten anderen Kollektoren“, so Zvika Klier, Sohn des Firmengründers Shimon Klier. „Insgesamt kostet unsere Lösung weniger als die Alternativen.“

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Auf der Intersolar 2012 (Foto: MFA)

 

Tigi Solar trifft gerade in Europa auf großes Interesse: Die Firma aus Petach Tikva wurde auf der Intersolar 2012 in München mit dem Intersolar AWARD ausgezeichnet.

Zur Website von Tigi Solar: http://bit.ly/WStigi

 

(Außenministerium des Staates Israel, 12.02.13)

 

 

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Bildung in Israel

Dass auch in Israel Kinder in die Schule gehen und junge Erwachsene studieren und sich weiterbilden, dürfte niemanden überraschen. Doch wie ist eigentlich das Schulsystem in Israel aufgebaut? Und was studieren all die vielen Studierenden, die Israel zu dem Land mit den zweitmeisten Akademikern in der OECD machen?

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Themenüberblick:

  • Bildung in Israel
  • Schulsystem
  • Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern Hochschulbildung

 

Schulsystem

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Die allgemeine Schulpflicht gilt in Israel im Alter von fünf bis sechzehn Jahren, Kinder zwischen 0 und 17 Jahren stellten Ende 2010 mit 2,52 Millionen etwa ein Drittel der Einwohner des Staates Israel.

Mit fünf Jahren besuchen israelische Kinder den Gan Chova, eine Art Vorschule, deren Besuch im Jahr vor dem Schulbeginn verpflichtend ist. Mit sechs Jahren werden sie eingeschult.

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Das Schulsystem untergliedert sich im Wesentlichen in vier verschiedene Züge:

– Staatliche Schulen, die von den meisten Schülern besucht werden.

– Staatlich-religiöse Schulen, die jüdische Studien, jüdische Kultur und Tradition besonders in den Vordergrund rücken.

– Arabische und drusische Schulen mit der Unterrichtssprache Arabisch, die besonderes Gewicht auf arabische oder drusische Geschichte, Religion und Kultur legen.

– Private Schulen, die unter der Schirmherrschaft verschiedener religiöser und internationaler Gruppen geführt werden. Bei ihnen trägt der Staat etwa 75% der Kosten. Den größten Anteil an den privaten Schulen haben ultraorthodoxe Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich in religiösen Fächern und lediglich in sehr beschränktem Maße in weltlichen Fächern unterrichtet werden. Darüber hinaus zählen aber auch Demokratische und Internationale Schulen, sowie etwa koedukative Schulen, an denen arabische und jüdische Kinder gemeinsam in beiden Sprachen unterrichtet werden, zu dieser Kategorie.

Der Anteil der Kinder, die die verschiedenen Schulzüge besuchen, verschiebt sich in den vergangen Jahren entscheidend: Im Schuljahr 1999/00 besuchten noch 20% der jüdischen Grundschüler eine Schule, die unter ultra-orthodoxer Oberaufsicht stand, im Schuljahr 2009/10 waren es bereits 28%. In den weiterführenden Schulen waren es 1999/00 noch 15% gewesen, 2009/10 lag der Anteil bereits bei 20% aller jüdischen Schüler.

Anders als in Deutschland existiert kein dreigliedriges Schulsystem, die Kinder und Jugendlichen besuchen gemeinsam eine allgemeinbildende Gesamtschule, die sie mit der zwölften Klasse zur Bagrut, dem Abitur, führt. Der größte Teil der Schülerinnen und Schüler besucht 12 Jahre die Schule (2010 waren es 92%, im Gegensatz zu 2003 noch 89%, OECD-Durchschnitt 84%), ein kleinerer Teil verlässt sie bereits nach der 10. Klasse.

Je nach Bevölkerungsgruppe bestehen beim Abitur jedoch große Unterschiede: Die Prozentzahl der christlichen Schüler, die jährlich das Abitur ablegen, liegt mit 63% noch über der der jüdischen Schüler (58%) und deutlich über der der muslimischen Schüler (50%).

 

 

Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern

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Hochbegabte Kinder, die zu den drei Prozent der besten Schüler ihrer Schulklasse gehören und entsprechende Qualifikationsprüfungen bestanden haben, nehmen an Begabtenförderprogrammen teil, die von Zusatzkursen außerhalb des normalen Lehrplanes bis zu speziellen ganztägigen Hochbegabtenschulen reichen.

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Der Hochbegabtenunterricht ist dem Niveau seiner Schüler angepasst und beschränkt sich nicht nur darauf, Kenntnisse zu vermitteln, sondern leitet die Schüler auch an, Gelerntes auf andere Wissensbereiche anzuwenden. Die Schüler lernen selbständig zu forschen und zu arbeiten.

Körperlich, geistig oder lernbehinderte Kinder werden je nach ihren Fähigkeiten und der Schwere ihrer Behinderung in ein entsprechendes Schulsystem eingegliedert, um dort ihre Fähigkeiten entfalten zu können und eine optimale Integration in das soziale und berufliche Leben der Gesellschaft, in der sie leben, zu erfahren.

Einige Kinder werden in speziellen Sonderschuleinrichtungen betreut, während andere reguläre Schulen besuchen, wo sie entweder speziellen Klassen für Behinderte zugeteilt oder zusammen mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden und zusätzlich zum normalen Unterricht Förderunterricht erhalten.

Die Verantwortung für das Wohl und die Förderung der Kinder liegt bei Psychologen, Sozialarbeitern, Behindertenpädagogen und medizinischem Personal sowie bei der Familie des Kindes und verschiedenen unabhängigen Hilfsorganisationen und -gruppen.

 

 

Hochschulbildung

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Der Grundstein für die erste israelische Universität, das Technion in Haifa, wurde bereits 1912 gelegt – 36 Jahre vor Staatsgründung.

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1925 besucht Albert Einstein das Technion

Seitdem zeichnen sich die israelischen Universitäten nicht nur durch exzellente Lehre sondern auch Forschung aus: Israel mag bei den PISA-Vergleichsstudien nicht gerade ganz oben dabei gewesen sein, doch hat das Land bereits 10 Nobelpreisträger hervorgebracht – und das in fünf so verschiedenen Kategorien wie Chemie, Frieden, Literatur und Wirtschaft.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist das Angebot der Hochschulbildung in Israel deutlich gestiegen. Gab es im Studienjahr 1989/90 noch 21 Institutionen, die akademische Grade anboten und an denen 88.800 Studierende eingeschrieben waren, so gab es in Israel im Studienjahr 2011/12 70 Institutionen (darunter 7 Universitäten) mit 306.600 Studierenden (einschließlich 47.900 an der Fernuniversität Ha-Universita ha-ptucha).

In dieser Zeit wuchs die Zahl der Studierenden jährlich durchschnittlich um 5,8%.

Von den 258.700 Studierenden, die im Schuljahr 2011/12 an den Universitäten, akademischen Colleges und Lehrerseminaren in Israel eingeschrieben waren, studierten 75% in einem Bachelor-Studiengang. 20,4% waren für einen Master eingeschrieben und 4,1% für ein Doktorat.

Ein Hochschulstudium ist in Israel nach wie vor hauptsächlich eine Angelegenheit der öffentlichen Hochschulen: Lediglich 14,1% studieren an privaten Institutionen. Im OECD-Durchschnitt sind es 15,5%, in Deutschland etwa 5%.

Im akademischen Jahr 2011/12 ist die Zahl der Erstsemester im Bachelor-Studium an den Universitäten stabil geblieben, in den Colleges jedoch signifikant gestiegen.

Die meisten Bachelor-Studenten gab es in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Master-Studierende waren in der Mehrheit in den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben; Doktoranden zumeist in naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik.

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Die Hebräische Universität Jerusalem

Die Mehrheit aller Studierenden, sowohl in den Bachelor-, als auch in den Master- und den Dissertationsstudiengängen, sind Frauen: Beim Bachelor waren es im vergangenen Studienjahr 56,1%, beim Master 59,8%, und bei den Doktoraten war es immerhin noch eine dünne Mehrheit von 52,4%.

Die Studiengänge Medizin, Architektur und Städtebau waren im Studienjahr 2011/12 im Verhältnis zur Zahl der verfügbaren Plätze am beliebtesten: Hier herrschte das größte Missverhältnis zwischen Bewerbern und Studienplätzen.

Sechzig Prozent der Israelis im relevanten Alter waren in ihrem Leben einmal für ein Bachelor-Studium eingeschrieben – auch hier besteht ein großer Unterschied zwischen Frauen (66%) und Männern (53%). Israel liegt unter den OECD-Staaten auf Platz zwei, was den Anteil der Akademiker an der Bevölkerung betrifft. 56% Prozent der Israelis in der relevanten Altersgruppe haben demnach einen akademischen Abschluss, gegenüber 30% im OECD-Durchschnitt.

Vogelzug in Israel – ein Naturspektatkel

Israel – Naturparadies im Schatten des Nahost-Konflikts

Von Thomas Krumenacker*, Herbst 2012 (www.krumenacker.de)

Eine Gruppe Kraniche im ersten Sonnenlicht des Tages. Das Hula-Naturschutzgebiet in Nordisrael ist der bedeutenste Rastplatz für diese Vogelart im Nahen Osten. (Bild: Thomas Krumenacker)

Alljährlich im Herbst und im zeitigen Frühjahr  bekommen israelische Naturfreunde Post von ungewöhnlicher Stelle. „Das Zugvogelzentrum der Luftwaffe nimmt seine Arbeit wieder auf“,  mailt die Airforce an die auch in Israel wachsende Gemeinde der Ornithologen und Vogelbeobachter. „Wir würden uns freuen, wenn ihr uns über jede Konzentration von Vögeln auf dem Laufenden halten würdet (Pelikane, Störche, Kraniche)“, heißt es dann wieder in einer Rundmail. Und so tragen die meisten Mitglieder der israelischen Birding-community neben Fernglas, Teleskop und Fotoapparat in aller  Regel zwei Telefonnummern mit sich: Die zum Koordinator der „rare bird alerts“, um per SMS sofort andere Beobachter über gesichtete Seltenheiten alarmieren zu können – und die des Koordinationszentrums der Luftwaffe, das am internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv Tag und Nacht besetzt ist und für den militärischen wie zivilen Flugbetrieb alle Bewegungen über dem Himmel im Heiligen Land registriert: Zivile Flugzeuge, Militärjets – und Zugvögel. Kreuzt ein Schwarm Pelikane oder Kraniche die geplante Route von Flugzeugen, erhalten diese solange Startverbot, bis die Vögel außer Reichweite sind. Eine Win-Win-Situation: Die Vögel bleiben unbehelligt und eine Gefahr für Luftfahrt und Passagiere wird gebannt.

Weissstörche ziehen in grossen Trupps von oft mehr als 10.000 Vögeln und rasten an den wenigen Wasserflächen, die sie inmitten der Wüste finden. (Bild: TK)
 
 

Israel hütet einen der grössten Naturschätze der Menschheit

Diese international wohl einmalig enge Zusammenarbeit zwischen der Flugsicherheit und Naturfreunden hat einen handfesten Grund und offenbart eine Seite Israels, die im Schatten der einseitigen Wahrnehmung des Landes als vermeintlichem Zentrum des Nahost-Konflikts nur wenig bekannt ist: Israel hütet einen der größten Naturschätze der Menschheit. Das kleine Land von der Größe Hessens ist weltweit eine der wichtigsten Drehscheiben des Vogelzugs, eines alljährlichen Naturschauspiels, das die Menschheit seit biblischer Zeit fasziniert.

Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, versammeln sich im Luftraum über Israel nach Schätzungen rund 500 Millionen Vögel auf dem Weg in ihre afrikanischen Wintergebiete beziehungsweise zurück in die europäischen, russischen und zentralasiatischen Brutgebiete. Zehntausende von Weißstörchen aus Deutschland, Polen und anderen Ländern landen dann zur abendlichen Rast in den Feldern der Kibbbutze oder auch inmitten der Negev-Wüste und bieten Naturbeobachtern atemberaubende und faszinierende Einblicke in eines der letzten großen Geheimnisse der Natur. Am nächsten Morgen setzen sie den langen Weg dann nach einem spektakulären Massenstart fort. Auch am Himmel über Tel Aviv oder Jerusalem können zur richtigen Zeit große Schwärme von kreisenden Großvögeln beobachtet werden.

Der Grund für die einmalige Konzentration von Vögeln in Israel liegt in der geographischen Lage des Landes: An der Schnittstelle der Kontinente Europa, Asien und Afrikas gelegen, bildet Israel eine Art Landbrücke zwischen Europa und Afrika. Besonders schwere und große Vögel wie Störche, Adler, Pelikane oder Kraniche  vermeiden es, auf ihrer viele Tausende Kilometer langen Reise über größere offene Wasserflächen zu fliegen. Dort können sie bei Erschöpfung nicht landen, vor allem aber bildet sich über dem kalten Wasser keine Thermik. Diese über Land am Morgen durch Sonneneinstrahlung entstehenden warmen Aufwärtswinde helfen den Vögeln, sich energiesparend im Gleitflug tragen zu lassen. Kräfteraubender Aktivflug kann so auf ein Minimum reduziert werden. Zusätzlich liegt Israel auf seiner gesamten Länge von den Golan-Höhen im äußersten Norden, über das Jordan-Tal und das Tote Meer bis hin zum Ausläufer des Toten Meeres bei Eilat im äußersten Süden entlang des seit Millionen von Jahren wichtigsten Zugweges für Vögel aus Europa und Zentralasien nach Afrika, dem Syro-afrikanischen Grabenbruch, besser bekannt als Rift-Valley.

Viele Kraniche verbringen mehrere Wochen im Hula-Tal, um sich vor dem anstrengenden Weiterflug in das Winterquartier im südlichen Afrika zu stärken. Im Hintergrund der schneebedeckte Mount Hermon, Israels höchster Berg. (Bild: TK)

 

Allein über 100.000 der seltenen Schreiadler sammeln sich in Israel

Nicht nur für Vogelbeobachter, auch für Biologen, die den Vogelzug wissenschaftlich untersuchen und für Artenschützer, die seltene Vogelarten eingehender untersuchen, ist Israel daher von herausragender Bedeutung. Von einigen der bedrohtesten Vogelarten zieht nämlich der gesamte Weltbestand über Israel, eine einmalige Gelegenheit zu erfahren, wie sich die Populationen entwickeln und zu kontrollieren, ob Schutzmaßnahmen in den oft entlegenen Brutgebieten wirksam sind.

Ein solches Beispiel ist der Schreiadler, Deutschlands seltenste Adlerart. Nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern brüten hierzulande heute noch Schreiadler, insgesamt nur rund 100 Paare. Auch in den anderen Vorkommensgebieten geht ihre Zahl zurück. Keiner weiß aber genau, wie sehr. Über dem Himmel der nördlichen Täler Israels versammeln sich in einem kurzen Zeitraum zwischen Mitte September und Anfang Oktober dann auf dem Weg in das südafrikanische Winterquartier so gut wie alle Schreiadler der Erde. Warten in den angrenzenden arabischen Ländern allzuhäufig Jäger auf die Adler, sind es in Israel die Vogelkundler: In einer dichten Kette von Beobachtungsposten werden über die gesamte Breite des Landes auf einer Linie von Haifa am Mittelmeer bis zum Bet-Shean-Tal an der Grenze zu Jordanien von morgens bis abends die überhin ziehenden Vögel gezählt. Diese seit nun 30 Jahren unternommene Untersuchung ist eine der weltweit am längsten erhobenen systematischen Vogelzugzählungen und genießt in der wissenschaftlichen Fachwelt entsprechendes Gewicht. In diesem Herbst wurden knapp über 100.000 Schreiadler in Israel gezählt – eine Zahl, die Artenschützer vorsichtig optimistisch sein lässt, dass die Art sich wohl in einem vergleichsweise stabilen Zustand befindet.

Weitaus höhere Zahlen werden von anderen, auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannten, Vogelarten gezählt: So wird geschätzt, dass 70 Prozent aller Weißstörche der Erde Israel zweimal im Jahr überqueren, darunter auch der Großteil der in Deutschland brütenden Vögel.  Der Zug kleiner Singvögel wie Blaukehlchen, Mönchsgrasmücke oder Schafstelzen vollzieht sich überwiegend nachts und in sehr großer Höhe. Er wurde in Israel mittels Radar erforscht und siehe da: Eine ruhige Wüstennacht ist gar nicht so ruhig: Geschätzt mehrere Hundert Millionen Kleinvögel überqueren das Gebiet des Rift Valleys für den Menschen unsichtbar jedes Jahr. Auf einem nächtlichen Ausflug in die Wüste lassen manchmal die beständigen Kontaktrufe er in mehr als einem Kilometer Höhe ziehenden Vögel ahnen, was sich unsichtbar über dem Wanderer abspielt.

Der gesamte Weltbestand des vom Aussterben bedrohten Schreiadlers zieht innerhalb weniger Wochen durch Israel und bietet Forschern Gelegenheit, wertvolle Erkenntnisse zu ihrem Schutz zu sammeln. (Bild: TK)

 

Besondere Anforderungen an Naturschutz in Israel

Die herausragende Bedeutung Israels für den Vogelzug bürdet dem Land auch eine große Verantwortung auf und Naturschutz oder Naturzerstörung in Israel hat auch unmittelbare Folgen für in Deutschland und anderen Teilen Europas brütende Vogelarten wie den Weißstorch oder den Schreiadler.  Jedes vernichtete Öko-Systen beraubt nicht nur die einheimischen Arten ihres Lebensraums, auch Zugvögel verlieren  lebenswichtige Raststation, um die Reserven für den Flug über die Sahara mit tausenden Kilometern ohne Nahrung überstehen zu können. Zugleich bietet das alljährliche Spektakel auch viele Chancen. Die in der Society for the Protection of Nature (SPNI) zusammengeschlossene Israelische Ornithologenvereinigung kooperiert deshalb eng mit Partnerverbänden in anderen Ländern und veranstaltet seit einigen Jahren erfolgreich „Vogelzugfestivals“ in Eilat und im nördlichen Hula-Tal. Naturbegeisterte aus Europa, den USA und Israel treffen sich eine Woche lang zum Meinungsaustausch, werden von den besten Vogelkennern des Landes bei Tagesausflügen zu den besten Vogelrastplätzen begleitet und erhalten bei Vorträgen einen Einblick in den Stand der Vogelforschung. Längst haben sich die Vogeltouristen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor etwa im nordisraelischen Hula-Tal entwickelt. Damit erhalten auch die Bemühungen der israelischen Ornithologen etwa um den Schutz der verbliebenen Feuchtgebiete am Fuße der Golan-Höhen oder intakter Wüstenhabitate im Arava-Tal  einen anderen Stellenwert, hilft doch die Bewahrung der Natur auch beim Sichern der Einkommen der lokalen Kibbutze.

Eine Gruppe Rosapelikane hat sich zur Rast auf einem See im Hula-Tal niedergelassen. Zwischen Oktober und November können im Himmel über Israel Gruppen mit vielen Tausend dieser schwersten europäischen Zugvögel beobachtet werden. (Bild: TK)

 

Schleiereulen als Friedenstauben

Auch bei der regionalen Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg spielen Vögel in der Region mittlerweile eine wichtige Rolle. Im Bet-Shean-Tal, zwanzig Minuten südlich des Sees Genezareth, haben die israelischen Ornithologen Landwirte aus Jordanien, Israel und den Palästinensergebieten zusammengebracht, um ein ökologisches Problem gemeinsam anzugehen: die beständige Intensivierung der Landwirtschaft und den massenhaften Verbrauch von Chemikalien. Dutzende Tonnen von Chemikalien, allen voran zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen, werden jährlich in dem für die Landwirtschaft auf allen Seiten gleichermaßen wichtigen Jordantal versprüht. Immerhin machen Wissenschaftler die Nager für den Ausfall von bis zu 35 Prozent der Ernte etwa beim Weizen verantwortlich. Das Gift macht aber nicht nur den lästigen Nagern den Garaus: Schädlingsbekämpfungsmittel verseuchen auch die Böden und das Grundwasser – und sie töten einheimische wie Zugvögel. Auf Initiative der israelischen Ornithologen wurde eine nachhaltige Lösung gefunden, die zudem die Farmer aus den drei benachbarten Gebieten an einen Tisch gebracht hat. Statt Chemie auszubringen, wurden massenhaft Nistkästen für Schleiereulen angebracht – manche sogar aus recycleten Munitionsboxen der Armee. Der Gedanke: Ein Paar der gut taubengroßen Schleiereulen verzehrt pro Jahr 2000 bis 3000 Mäuse. Begrenzt wurde die Zahl der Nager-Jäger eigentlich nur durch das geringe Angebot an Brutplätzen. Also wurden künstlichen Nestboxen aufgestellt. Was mit 20 Kästen vor 25 Jahren begann, ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Programme der biologischen Schädlingsbekämpfung weltweit und überdies zu einem Vorzeigeprojekt regionaler Zusammenarbeit in einem der Brennpunkte der Weltpolitik. Tausende Paare Schleiereulen brüten auf allen Seiten der Grenze und helfen viele Tonnen Chemikalien einzusparen.

*Der Autor: Thomas Krumenacker, 47, ist Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin und Naturfotograf. Er beteiligt sich seit vielen Jahren an Naturschutzprojekten in Israel.2009 wurde er mit dem Umweltpreis der Israelischen Naturschutzverbände ausgezeichnet. Mehr von ihm auf seinem Blog: www.krumenacker.de 

Dieser Beitrag erschien zuerst am 29.10.12 in „Zwischenzeilen“ von der Gesellschaft Israel-Schweiz.

Weissstörche über dem wiederhergestellten Jordan-Fluss im Hula-Tal fotografiert aus einem Ultraleichtflugzeug. Im Hintergrund der Agmon (See) des Hula-Tals, eines der erfolgreichsten Projekte zur Wiederherstellung zerstörter Natur im Nahen Osten. (Bild: TK)

 

Erst mit dem anbrechenden Abend unterbrechen die Störche ihren Zug, um möglichst viel vom Tag für die lange Reise nutzen zu können. (Bild: TK)
 

Kraniche brechen an einem frühen April-Morgen im Hula-Naturschutzgebiet auf, um den langen Flug nach Europa anzutreten. Im Hintergrund der Mount Hermon. (Bild: TK)

 

 

 

Archäologische Fundgrube Israel

Mit täglich 30 aktiven Grabungen in Israel ist es nicht verwunderlich, dass ständig bedeutende Entdeckungen zutage gefördert werden.

(Bild: Unterirdisches Reservoir in Ramla aus dem 18. Jahrhundert. Sämtliche Bilder vom Ministry of Tourism)

Auf der Suche nach biblischen Beweisen graben Archäologen seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Grabungen wurden aber vor allem seit der Staatsgründung 1948 in grossem Masse vorangetrieben. Nur schon im Dezember 2011 wurde beispielsweise  in der Nähe der Klagemauer ein seltenes zweitausend Jahre altes Tonsiegel gefunden, eines der wichtigsten Artefakte aus der zweiten Tempelperiode. Die israelische Antiquitätenbehörde (IAA) fand in derselben Zeit auch die Überreste eines byzantinischen Badehauses, als ein neues Wasserversorgungssystem in den judäischen Küstenhügeln gelegt wurde.

Diese Funde machen oft Schlagzeilen: Ende 2011 publizierten Forscher der Universität Tel Aviv den Fund menschlicher Zähne in einer Höhle bei Tel Aviv, welche auf den afrikanischen Homo Sapiens vor 200‘000 Jahren zu datieren sind und somit zur Forschung über die menschliche Evolution beitragen. Andere Funde in einem jüdischen Dorf von 135 AD.  waren 264 identische Goldmünzen des letzten byzantinischen Eroberers, der in Jerusalem herrschte, sowie ein römisches Legionslager aus dem 2. Jahrhundert, ein Dorf aus dem 12. Jahrhundert und byzantinische Klöster. 2009 fanden israelische Archäologen in Migdal die älteste Darstellung der Menorah, eine Schnitzerei von vor 2000 Jahren.

Jon Seligman, Leiter der IAA kann nur lachen, wenn er die wichtigsten Funde der letzten 64 Jahre nennen soll: „Die Archäologie in diesem Land wurde revolutioniert in den über 60 Jahren des Staates“, sagt er. Eine komplette Liste von Ausgrabungsstätten umfasst 70 Orte, die nach Abschluss der Arbeiten oft zu Nationalpärken wurden. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Masada: die beeindruckende Festung von Herodes dem Grossen mit Blick aufs Tote Meer (eines der wichtigsten Touristenziele Israels aufgrund der dramatischen Rolle in der Geschichte der jüdischen Widerstands gegen das römische Imperium)
  • Megiddo: eine zentrale Schüsselkreuzung, wo sich schon im 3. Jahrtausend AC eine stark befestigte Stadt von Mauern umgeben befand.
  • Beit Guvrin-Maresha: mit den Jahrtausenden alten, wertvollen Gruben, Gräber, Lagerräumen, industriellen Anlagen, Verstecken und Taubenschlägen.
  • Ashkelon: der älteste und grösste Hafen in Israel, der ein blühendes Handelszentrum darstellte während der Römerzeit.
  • Davidstadt: der Nukleus des antiken Jerusalem, die westliche und südliche Mauern, die den Tempelberg umgaben.

Die IAA überwacht etwa 300 jährliche Grabungen und ist für ca. 95% der archäologischen Arbeiten in Israel zuständig. Sie bieten auch einen fünfmonatigen englischen Einführungskurs an.

Graben, Entdecken und Analysieren ist Teil eines sorgfältigen Prozesses. Seligman betont: „wir müssen nicht nur auf das achten, was wir ausgraben, sondern auch das, was wir nicht tun. Wir machen nur das notwendige Minimum, denn Ausgraben ist ein destruktiver Prozess und wir müssen an das denken, was wir den künftigen Generationen überlassen“. Normalerweise werde das Material an den Stätten im natürlichen Umfeld belassen. Ins Museum gebracht werden Dinge nur, wenn es keine Alternativen gebe.

 

Die grossartigsten Funde:

Tel Hatzor

Hatzor war ein Ausbildungsort für Schriftgelehrte. Archäologische Teams verbrachten 22 Sommer mit der Erforschung dieses UNESCO Weltkulturerbes in Nähe der libanesischen Grenze. Aufgrund der Ruinen von Palästen und Tempeln, dem Wassersystem und zahlreichen Keilschriftzeugnissen scheint die Beschreibung des Ortes als Leider aller kanaanäischen Königreiche durch Josua zutreffend zu sein.

Tel Dan

(Bild: Fragmente mit Steininschriften aus Tel Dan)

Drei aramäische Steininschriften zeugen vom Sieg des Königs von Aram über den König des Hauses David, wodurch die Fundstücke die frühesten ausserbiblischen Referenzen für die Monarchie Davids bilden. Andere dabei entdeckte Schätze waren Flintwerkzeuge, primitive Tonwaren, Steinwalle, metallene Gegenstände und Siegelabdrücke.

 

Tel Rehov

(Bild: Tel Rehov, wo frühe Imker Honig und Wachs herstellten)

Im Beit Shean Tal entdeckten Forscher 1007 eine zentrale Honigproduktionsanlage aus der Eisenzeit (biblische Zeit). Dies war besonders interessant, da man bisher davon ausging, dass die Bezeichnung des Landes „von Milch und Honig“ auf Dattelhonig Bezug nahm. Die Ausgrabungen belegten aber die Existenz von Bienenstöcken zu jener Zeit.

 

Mishmar David

Diese grosse Siedlung ist auf die frühe islamische bis zur Kreuzritterperiode datiert worden. Es fanden sich sowohl christliche als auch muslimische Symbole.

 

Ramla

(Bild: Bild: Unterirdisches Reservoir in Ramla aus dem 18. Jahrhundert. Ministry of Tourism)

Ramla ist die einzige von Arabern gegründete Stadt im alten Palästina, südöstlich von Tel Aviv auf Sanddünen. Viele Gebäude gingen verloren, aber die Weisse Moschee der Umayyaden-Zeit konnte rekonstruiert werden.

 

Herodion

Josephus Flavius schrieb, dass Herodes der Grosse in der Nähe seiner Paläste und Gärten im Herodion, einer der grössten königlichen Stätten der römisch-hellenistischen Zeit, begraben wurde. Die Entdeckung des Grabes von Herodes dem Grossen, welches während Jahrzehnten gesucht wurde, machte 2007 Schlagzeilen, obwohl es zum Teil zerstört war und die Leiche von Grabräubern gestohlen wurde.

Video: Tour durch Herodion

 

Yiftach-El

(Bild: Flintstein)

An dieser Stätte fand man Flintsteine aus der neolithischen Periode, was eine Seltenheit für diese Zeit darstellt, da es der Übergang von einer nomadischen zu einer sesshafteren landwirtschaftlichen Existenz war.

 

Tel Kabri

In Tel Kabri zwischen Akko und Nahariya wurde die früheste bekannte westliche Kunst des östlichen Mittelmeers gefunden. Der Fokus der Ausgrabungen lag auf einem Palast aus 1600 AC und förderte in den vergangenen 25 Jahren einen minoischen Boden und Wandfresken zu Tage.

Dieser Fund macht Angaben über internationalen Handel und kulturelle Verbindungen, da die minoische Kunst aus Kreta stammt, was einen direkten Link vermuten lässt.

 

Hilazon-Höhle

(Bild: Eingang zur tiefer gelegenen Hilazon-Höhle)

Die Leiche einer Hexe oder Zauberdoktors aus dem Epipaläolithikum (16‘000 bis 8‘300 AC) gab der Höhle den Spitznahmen „Schamanen- oder Hexenhöhle“. Die umliegenden Knochen und Gegenstände geben Einblick in die sozialen und kultischen Praktiken jener Epoche.

 

Te’omim Cave (Zwillingscave)

(Bild: Eingang zur Te’omim-Höhle, von Wikimedia)

Rebellen gegen die Römer versteckten sich in diesen natürlichen Höhlen östlich von Beit Shemesh. Kürzlich entdeckten Archäologen da Artefakte aus der Zeit des Bar Kochba-Aufstandes.

Zwillingshöhle wird es genannt aufgrund einer Legende, dass eine unfruchtbare Frau im 19. Jahrhundert von dem von der Decke tropfenden Wasser trank und daraufhin Zwillinge zur Welt brachte.

 

Khirbet Qeiyafa

(Bild: Blick von der Khirbet-Festung, von Joav Dothan)

Die strategische Festung wird von einer 700m langen Steinmauer aus Steinen bis zu acht Tonnen umgeben. Hier, der Hauptstrasse von Philistia nach Jerusalem, brachte David Goliath zu Fall. Die Ausgrabungen geben Beweise für Davids Herrschaft.

 

Tel es-Safi

(Bild: Belagerungssystem von Tel es-Safi)

Dieser Ort ist auch als Gath bekannt, der Heimatstadt von Goliath, wo seit 1996 gegraben wird und u.a. das älteste bekannte Belagerungssystem der Welt, die früheste Metallproduktionsstätte und ein grosser steinerner Alter der Philister entdeckt wurde. Letzterer hat die exakt gleichen Dimensionen wie derjenige der Israeliten in der Wüste, ausser dass er zwei statt vier Hörner hatte.

 

Ramat Rachel

(Bild: antiker Taubenschlag in Ramat Rachel)

2010 entdeckte man hier ein altes Wasserreservoir. Ramat Rachel war erstmals besiedelt in den Tagen der judäischen Monarchie während des 8. Und 7. Jahrhunderts AC. Es war ein Zuhause für Perser, Griechen, Römer, Byzantiner und frühe islamische Siedler. Danach war es verlassen für etwa 100 Jahre.

 

Khirbet Wadi Hamam

(Bild: Bänke in der Synagoge von Khirbet Wadi Hamam)

Dieses Dorf liegt westlich des See Genezareths und erbrachte den Schlüssel zur Datierung mancher Synagogen aus jener Gegend. Die meisten Dörfer in Galiläa hatten eigene jüdische Gebetshäuser oft mit aufwändigen Mosaikböden. Derjenige in Khirbet Wadi Hamam ist besonders gut erhalten.

(Quelle: Aussenministerum, 15.12.11 von Avigayil Kadesh)

Hundertjahrfeier des Technions

Hundert Jahre nach der Grundsteinlegung für das Technion feiert dieses weltberühmte Wissenschafts- und Technologieinstitut seine Leistungen.

„Israel kann den Überlebenskampf nur gewinnen, wenn es sich Expertenwissen in der Technologie aneignet“, sagte der grosse Wissenschaftler Albert Einstein 1932. Er kam ins jüdische Heimatland, um in seiner Funktion als erster Präsident der Technion-Gesellschaft eine Palme zu pflanzen.

Im folgenden Jahr öffnete das, was heute als Technion – Israel Institute of Technology bekannt ist, seine Tore für 17 Studenten – 16 Männer und eine Frau.

Doch die harte Arbeit von Einstein und manchen anderen bis zur Gründung der ersten modernen Universität forderte jahrelange Planung. Das „Technikum“ war als eine Alternative für die jüdische Jugend in Europa gedacht, der Möglichkeiten für technische Studien in ihren Herkunftsländern verwehrt waren. Der Traum der Gründung und Führung einer Basis für eine jüdische Industrie begann sich am 11. April 1912 bei der Grundsteinlegung zu erfüllen.

Bild: Das ursprüngliche Technion im Bau (frühe 20er Jahre)

Nun ist das Technion, eines der besten Technologieinstitute der Welt, in den letzten Monaten seiner Hundertjahrfeier. Es war ein herausragendes Jahr für das Institut. Prof. Dan Shechtman gewann als drittes Mitglied der Technion-Fakultät einen Nobelpreis und das Technion wurde aus vielen Bewerbern ausgewählt, um in Kooperation mit der Cornell University ein Institut für angewandte Wissenschaft und Engineering in New York zu gründen.

(Bild: Nobelpreisträger Prof. Dan Shechtman auf dem Gelände des Technions)

Den Startschuss für die ganzjährige Feier war ein vom Technion produzierter Kurzfilm, der dessen Ursprünge und wichtigsten Errungenschaften hervorhob, sagte Danny Shapiro, der Öffentlichkeitsverantwortliche der Universität.

Es würde einige abendfüllende Filme brauchen, um den Einfluss des Instituts auf das Leben in Israel und darüber hinaus darzustellen. Die über 93‘000 Absolventen des Technions stellen mindestens 70% der Hightech Führungskräfte Israels dar. Unter diesen jüdischen, christlichen, muslimischen und drusischen Männern und Frauen gibt es jene, die eine Menge „Nova“ in der Welt erfunden haben.

Nur einige davon: Mikroprozessoren der Wireless Technologie, pillenförmige Kameras für Magen/Darm, die weltweit grösste entgegengesetzte Osmose-Entsalzungsanlage, eine nanotech-„Nase“ um Krankheiten auszuscheiden, und das ReWalk „Exoskeleton“, welches an den unteren Gliedmassen gelähmten Leuten erlaubt, wieder zu laufen.

Im letzten Juli wurde Prof. Gideon Grader, Direktor des Grand Technion Engery Program von einem internationalen Komitee ernannt als Gründungsdirektor des I-CORE (Israeli Centers of Research Excellence) für alternative Energien. Diese Initiative umfasst 27 Forscher des Technions, des Weizmann Instituts für Wissenschaft und der Ben-Gurion Universität des Negev um als israelisches Konsortium für solarbasierte Kraftstoffe zu fungieren.

Globale Bedeutung

Alumnis des Technion spielten eine zentrale Rolle bei der Schaffung der industriellen Infrastruktur Israels und waren Bahn brechend für technologiebasierte Unternehmen – welche heute die höchste Konzentration von Hightech Start-Ups ausserhalb des Silicon Valley bilden. Google, Yahoo!, Intel und IBM etablierten alle Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Haifa, um am Technion ausgebildete Wissenschaftler anzuwerben.

Bei der Eröffnung bot das Technion nur zwei Studienrichtungen an: ziviles Ingenieurswesen und Architektur. Heute können ca. 12‘800 Studenten zwischen 55 BA-Fächern und 80 Masterprogrammen wählen, welche in 18 akademische Departments aufgeteilt sind. Es gibt auch 52 Forschungszentren. Die 90 Gebäude des Instituts sind über den malerischen Berg Karmel verteilt.  

Es ist schwierig, den Einfluss der Universität in den verschiedenen Wissenschafts- und Ingenieursbereichen zu messen. Aber die Prof. em. Shlomo Maital und Prof. Amnon Frenkel versuchten es in ihrem neuen Buch „Technion Nation: Technion’s Contribution to Israel and to Humanity“ (erscheint Juni 2012).

Maital schätzt, dass die Gegenleistung für die 1 Mia. Dollar, die 2010 in die BA-Ausbildung investiert wurde, zwischen 1.76 bis 3 Mia. Dollar jährlich beträgt, wenn jene Absolventen in den Arbeitsmarkt eintreten und innovativen Ideen implementieren.

Das Buch dokumentiert auch zentrale Erfolgsgeschichten des Technions, selbstverständlich auch jene der Nobelpreisträger (Chemie) von 2004, Avram Hershko und Aaron Ciechanover, sowie des Preisträgers Shechtman 2011.

Diese drei Männer wurden auf einer Briefmarke verewigt, die am 31. Januar von der israelischen Postgesellschaft eingeführt wurde, um  den Meilenstein des Technions zu markieren. Die Briefmarke wurde von Naama Tumarkin, der Direktorin der Israel Technion Society entworfen und zeigt die Fassade des ursprünglichen Gebäudes, welches von Alexander Baerwald, einem jüdisch-deutschen Architekten und Cellisten, der in einem Streichquartett mit Einstein spielte. Über dem Gebäude hält eine Hand einen Nano-Fallschirm, einen differenzierten luftübertragenen Toxin-Detektor, der vom Technion entwickelt wurde, dessen Struktur und Bewegung auf den Löwenzahnsamen basieren.

Die Gala zur Einführung der Briefmarke im Haifa Auditorium, an der viele VIPS anwesend waren, beinhaltete auch eine Vorstellung des Shalom Zielony Technion Chors und Orchesters.

„Viele Leute sind überrascht herauszufinden, dass wir ein Philharmonie-Orchester und -Chor der Studenten haben“, sagt Shapiro. „Sie geben ein Konzert am Ende jedes Semesters, welches sehr populär ist“.

Andere Aktivitäten während dem Jubiläumsjahr beinhalteten einen kreativen Ingenieurswettbewerb für Studenten, Touren und Präsentationen für Besucher über Erfindungen des Technions, welche kommerzialisiert wurden.

Internationale, multikulturelle Anziehungskraft

Die Jubiläumsanlässe beschränkten sich nicht nur auf die Technion
Alumnis und Unterstützer. Shapiro zufolge feierten auch alle 17 Technion Society Fundraising Organisationen weltweit mit ihren Aktivitäten mit, was den weitreichenden Einfluss der Innovationen des Technions und der akademischen Beziehungen mit über 100 Institutionen in 30 Ländern hervorhob.

Im letzten September wurden fünf internationale Blogger nach Israel gebracht, um einen nahen Blick auf das Institut zu werfen. Begleitet von Studenten erhielten sie einen vertieften Geschmack von dem, was auf dem Campus in Haifa abläuft, und liessen ihre Leser daran teilhaben.

Das Technion öffnet seine Tore immer mehr für ein breitere globale Beteiligung. „Vor einigen Jahren lancierten wir eine International School of Engineering“, sagt Shapiro. Ausschliesslich in Englisch studierend erlangten Studenten aus vielen verschiedenen Ländern einen BA in zivilem und ökologischem Ingenieurswesen.

„Wie alle Universitäten zielen wir darauf, immer internationaler zu werden und ermutigen Doktoranden hierherzukommen“, sagt Shapiro. „Die Partnerschaft mit Cornell ist Teil dieser Internationalisierung. Israelische Hochschulen haben viel zu bieten und der Tech-Campus in New York ist ein Weg, wie Israel zur Weltwirtschaft beitragen kann“.

Doch den Grossteil der Ressourcen investieren sie lokal, beginnend auf der Grassroots-Ebene. Shapiro bemerkt, dass das Technion verschiedene Programme entwickelt hat, welche benachteiligten und Minderheiten zugehörenden Studenten hilft, Lücken bei der Bildung und im Sozialen zu überwinden. Beispielsweise das zehnjährige Landa Equal Opportunities Project, welches viele israelischen Araber für die soziale und akademische Integration am Technion vorbereitet hat, durch voruniversitäre Zurüstung, intensives Mentoring und Tutoring.

Das Institut führt auch verschiedene gemeinsame, regionale Forschungsprojekte mit arabischen Gemeinden  in den Bereichen Medizin, Umwelt und Wasser.

Beispielweise beendete das Wasserforschungsinstitut des Technions kürzlich ein mehrjähriges Forschungsprojekt zur Behandlung von Abwasser und Maximierung dessen Qualität und Nützlichkeit für die Landwirtschaft.

„Diese Art von Forschung versucht allen Völkern der Region zu helfen, das stark beschränkte Wasservorkommen besser zu nutzen und dabei ökonomisches Wachstum, Lebensqualität und die Umwelt zu fördern“, sagt Shapiro.

Einen wackligen Start überwinden

Heute ist klar, dass das Technion den Hoffnungen Einsteins gerecht werden konnte. Aber, der spätere Erfolg  war damals schwer zu erträumen.

Eines der ersten Probleme war die Entscheidung über die Sprache der Lehre. Deutsch war eine naheliegende Wahl, da es die Wissenschaftssprache war und das moderne Hebräisch war erst an einem Comeback. Aber die Befürworter des Hebräischen gewannen schlussendlich. Das war „einer der bestimmenden Momente in der Kristallisierung der israelischen kulturellen Identität“ (gemäss einer Ausstellung 2011 „War of the Languages“).

In den 1930ern waren die Finanzen so knapp, dass die Angestellten dafür stimmten, lieber temporär ohne Bezahlung zu arbeiten, als die Schule zu schliessen. Während jenen Jahren vor der Staatsgründung und vor allem während dem Unabhängigkeitskrieg war das Technion ein aktives Zentrum für den jüdischen Untergrund und eine Quelle für technologische Verteidigungslösungen. Zahlreiche Wissenschaftler, die aus den von den Nazis regierten Ländern flohen, fanden einen Platz im Institut.

Nach Ende des Kriegs begann das Technion zu boomen aufgrund der Entwicklungsbedürfnisse des neuen Israels. Es gab einen grösseren Campus und erweiterte sein Kursangebot während der 50er dramatisch für eine schnell wachsende Studentenschaft, inklusive eine medizinische Ausbildung.

Während den 70ern begann der Ruf des Instituts hunderte Studierende aus Entwicklungsländern in Afrika und Asien anzuziehen. Die Einwanderung aus der ehemaligen Sovjetunion in den 90ern brachte nochmals etwa 1000 Studierende mehr. Neue Gebäude wurden angefügt, inkl. das Henry and Marilyn Taub and Family Science and Technology Center, welches sich rühmen kann, die grösste Computerwissenschaftsfakultät des Westens zu besitzen. 1998 entwarfen, bauten und lancierten Studenten des Technions einen Mikrosatelliten. Nur fünf andere Universitäten haben je eine solche Leistung erbracht.

Über die Jahre hinweg haben diverse Fakultätsmitglieder anderen Ländern technologische Unterstützung angeboten – unter dem Patronat der Mashav Agency for International Development Cooperation des Aussenministeriums und UN-Organisationen.

“Es ist eine berauschende Erfahrung, wenn so viele Qualitäten, Fähigkeiten und Ideen zusammen konzentriert sind“, nannte es Peretz Lavie, Präsident des Technions, im letzten Sommer. „Ob es die Fähigkeit ist, Ideen zu strukturieren, der Mut zu träumen, die Sensibilität künftigen Bedürfnissen gegenüber, die Technion-Familie ist lebendig mit Talenten, was eine veritable Ressource für Israels und unsere geteilte Zukunft ist“.

(Original: Avigayil Kadesh, Aussenministerium Israel, 26.3.12)

Krebs am Blutbild erkennen – neues Testverfahren aus Israel

Forscher des Soroka Medical Centers und der Ben Gurion-Universität haben einen Bluttest entwickelt, der mittels einer einfachen Methode verschiedene Krebstypen erkennen soll. In einer ersten Versuchsrunde mit 200 Probanden haben die Forscher über das Blutbild die Krebsarten von 90 Prozent der getesteten Krebspatienten ermitteln können.

Der Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, Prof. Joseph Kapelushnik, erklärte, die Studie stecke noch in einer frühen Testphase.  „Ziel ist, eine effiziente, billige und einfache Methode zu entwickeln, um so viele Krebsarten wie möglich erkennen zu können“, so Kapelushnik.  

Zur Erkennung der Krebszellen  benutzen Prof. Kapelushnik und sein Team Infrarot-Lichtstrahlen. Das zu testende Blut wird in ein spezielles Gerät gefüllt und mit Infrarotlicht durchleuchtet. Daraufhin können die Forscher einschätzen, ob der Patient Krebs hat oder nicht. Zurzeit fokussieren sich die Forscher auf häufig auftretende Krebsarten wie Lungen- und Gebärmutterkrebs, erzielen aber auch erste Erfolge bei der Erkennung anderer Arten.

„Wir konnten mit 90-prozentiger Genauigkeit die Krebsarten auseinanderhalten. Der Test fand aber mit einer relativ kleinen Gruppe an Patienten statt und wir brauchen noch Tausende von Testpersonen bevor wir sagen können, dass die neue Methode tatsächlich funktioniert. Vorläufig sind wir jedoch optimistisch und freuen uns über das gute Ergebnis“, so Kapelushnik.

(Ynet, 02.03.12)

So können sogar Blinde „sehen“

Jerusalem, 7. Februar 2012 – Wissenschaftler der Hebräischen Universität in Jerusalem haben bei von Geburt an blinden  Menschen den visuellen Cortex stimuliert, indem sie sensorische Ersatz- Apparate (SSD) verwendeten. So wird es den blinden Menschen möglich, Dinge zu „sehen“ und sogar zu beschreiben.

SSD sind nicht-invasive sensorische Hilfsapparate, die blinden Menschen via ihre vorhandenen Sinne visuelle Informationen übermitteln.

Die erstaunlichen Ergebnisse aus Dr. Amedi’s Labor  wurden kürzlich in der Revue Cerebral Cortex veröffentlicht. Abgesehen von den spektakulären klinischen Möglichkeiten, die sich so  eröffnen, bietet diese  Art von funktionaler Kernresonanztomografie ausserdem eine einmalige Gelegenheit, die Organisation eines visuellen Cortex zu erforschen, der über keine visuelle Erfahrung verfügt,  indem man das Gehirn von Menschen studiert, die von Geburt an blind sind.

Die Forschungen wurden im Labor von  Dr. Amir Amedi, im Edmond and Lily Safra Center für Neurowissenschaften und im Institut für Medizinische Forschung Israel-Kanada an der Hebräischen Universität durchgeführt.

Bild von Dr. Amedi mit dem entwickelten SSD-Gerät

Dr. Amedi trägt das SSD-Gerät

(Pressemitteilung der Hebräischen Universität Jerusalem, 7.2.12)