Bildung in Israel

Dass auch in Israel Kinder in die Schule gehen und junge Erwachsene studieren und sich weiterbilden, dürfte niemanden überraschen. Doch wie ist eigentlich das Schulsystem in Israel aufgebaut? Und was studieren all die vielen Studierenden, die Israel zu dem Land mit den zweitmeisten Akademikern in der OECD machen?

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Themenüberblick:

  • Bildung in Israel
  • Schulsystem
  • Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern Hochschulbildung

 

Schulsystem

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Die allgemeine Schulpflicht gilt in Israel im Alter von fünf bis sechzehn Jahren, Kinder zwischen 0 und 17 Jahren stellten Ende 2010 mit 2,52 Millionen etwa ein Drittel der Einwohner des Staates Israel.

Mit fünf Jahren besuchen israelische Kinder den Gan Chova, eine Art Vorschule, deren Besuch im Jahr vor dem Schulbeginn verpflichtend ist. Mit sechs Jahren werden sie eingeschult.

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Das Schulsystem untergliedert sich im Wesentlichen in vier verschiedene Züge:

– Staatliche Schulen, die von den meisten Schülern besucht werden.

– Staatlich-religiöse Schulen, die jüdische Studien, jüdische Kultur und Tradition besonders in den Vordergrund rücken.

– Arabische und drusische Schulen mit der Unterrichtssprache Arabisch, die besonderes Gewicht auf arabische oder drusische Geschichte, Religion und Kultur legen.

– Private Schulen, die unter der Schirmherrschaft verschiedener religiöser und internationaler Gruppen geführt werden. Bei ihnen trägt der Staat etwa 75% der Kosten. Den größten Anteil an den privaten Schulen haben ultraorthodoxe Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler hauptsächlich in religiösen Fächern und lediglich in sehr beschränktem Maße in weltlichen Fächern unterrichtet werden. Darüber hinaus zählen aber auch Demokratische und Internationale Schulen, sowie etwa koedukative Schulen, an denen arabische und jüdische Kinder gemeinsam in beiden Sprachen unterrichtet werden, zu dieser Kategorie.

Der Anteil der Kinder, die die verschiedenen Schulzüge besuchen, verschiebt sich in den vergangen Jahren entscheidend: Im Schuljahr 1999/00 besuchten noch 20% der jüdischen Grundschüler eine Schule, die unter ultra-orthodoxer Oberaufsicht stand, im Schuljahr 2009/10 waren es bereits 28%. In den weiterführenden Schulen waren es 1999/00 noch 15% gewesen, 2009/10 lag der Anteil bereits bei 20% aller jüdischen Schüler.

Anders als in Deutschland existiert kein dreigliedriges Schulsystem, die Kinder und Jugendlichen besuchen gemeinsam eine allgemeinbildende Gesamtschule, die sie mit der zwölften Klasse zur Bagrut, dem Abitur, führt. Der größte Teil der Schülerinnen und Schüler besucht 12 Jahre die Schule (2010 waren es 92%, im Gegensatz zu 2003 noch 89%, OECD-Durchschnitt 84%), ein kleinerer Teil verlässt sie bereits nach der 10. Klasse.

Je nach Bevölkerungsgruppe bestehen beim Abitur jedoch große Unterschiede: Die Prozentzahl der christlichen Schüler, die jährlich das Abitur ablegen, liegt mit 63% noch über der der jüdischen Schüler (58%) und deutlich über der der muslimischen Schüler (50%).

 

 

Erziehung von überdurchschnittlich begabten und von behinderten Kindern

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Hochbegabte Kinder, die zu den drei Prozent der besten Schüler ihrer Schulklasse gehören und entsprechende Qualifikationsprüfungen bestanden haben, nehmen an Begabtenförderprogrammen teil, die von Zusatzkursen außerhalb des normalen Lehrplanes bis zu speziellen ganztägigen Hochbegabtenschulen reichen.

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Der Hochbegabtenunterricht ist dem Niveau seiner Schüler angepasst und beschränkt sich nicht nur darauf, Kenntnisse zu vermitteln, sondern leitet die Schüler auch an, Gelerntes auf andere Wissensbereiche anzuwenden. Die Schüler lernen selbständig zu forschen und zu arbeiten.

Körperlich, geistig oder lernbehinderte Kinder werden je nach ihren Fähigkeiten und der Schwere ihrer Behinderung in ein entsprechendes Schulsystem eingegliedert, um dort ihre Fähigkeiten entfalten zu können und eine optimale Integration in das soziale und berufliche Leben der Gesellschaft, in der sie leben, zu erfahren.

Einige Kinder werden in speziellen Sonderschuleinrichtungen betreut, während andere reguläre Schulen besuchen, wo sie entweder speziellen Klassen für Behinderte zugeteilt oder zusammen mit nichtbehinderten Kindern unterrichtet werden und zusätzlich zum normalen Unterricht Förderunterricht erhalten.

Die Verantwortung für das Wohl und die Förderung der Kinder liegt bei Psychologen, Sozialarbeitern, Behindertenpädagogen und medizinischem Personal sowie bei der Familie des Kindes und verschiedenen unabhängigen Hilfsorganisationen und -gruppen.

 

 

Hochschulbildung

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Der Grundstein für die erste israelische Universität, das Technion in Haifa, wurde bereits 1912 gelegt – 36 Jahre vor Staatsgründung.

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1925 besucht Albert Einstein das Technion

Seitdem zeichnen sich die israelischen Universitäten nicht nur durch exzellente Lehre sondern auch Forschung aus: Israel mag bei den PISA-Vergleichsstudien nicht gerade ganz oben dabei gewesen sein, doch hat das Land bereits 10 Nobelpreisträger hervorgebracht – und das in fünf so verschiedenen Kategorien wie Chemie, Frieden, Literatur und Wirtschaft.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist das Angebot der Hochschulbildung in Israel deutlich gestiegen. Gab es im Studienjahr 1989/90 noch 21 Institutionen, die akademische Grade anboten und an denen 88.800 Studierende eingeschrieben waren, so gab es in Israel im Studienjahr 2011/12 70 Institutionen (darunter 7 Universitäten) mit 306.600 Studierenden (einschließlich 47.900 an der Fernuniversität Ha-Universita ha-ptucha).

In dieser Zeit wuchs die Zahl der Studierenden jährlich durchschnittlich um 5,8%.

Von den 258.700 Studierenden, die im Schuljahr 2011/12 an den Universitäten, akademischen Colleges und Lehrerseminaren in Israel eingeschrieben waren, studierten 75% in einem Bachelor-Studiengang. 20,4% waren für einen Master eingeschrieben und 4,1% für ein Doktorat.

Ein Hochschulstudium ist in Israel nach wie vor hauptsächlich eine Angelegenheit der öffentlichen Hochschulen: Lediglich 14,1% studieren an privaten Institutionen. Im OECD-Durchschnitt sind es 15,5%, in Deutschland etwa 5%.

Im akademischen Jahr 2011/12 ist die Zahl der Erstsemester im Bachelor-Studium an den Universitäten stabil geblieben, in den Colleges jedoch signifikant gestiegen.

Die meisten Bachelor-Studenten gab es in den Geistes- und Sozialwissenschaften, Master-Studierende waren in der Mehrheit in den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften eingeschrieben; Doktoranden zumeist in naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik.

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Die Hebräische Universität Jerusalem

Die Mehrheit aller Studierenden, sowohl in den Bachelor-, als auch in den Master- und den Dissertationsstudiengängen, sind Frauen: Beim Bachelor waren es im vergangenen Studienjahr 56,1%, beim Master 59,8%, und bei den Doktoraten war es immerhin noch eine dünne Mehrheit von 52,4%.

Die Studiengänge Medizin, Architektur und Städtebau waren im Studienjahr 2011/12 im Verhältnis zur Zahl der verfügbaren Plätze am beliebtesten: Hier herrschte das größte Missverhältnis zwischen Bewerbern und Studienplätzen.

Sechzig Prozent der Israelis im relevanten Alter waren in ihrem Leben einmal für ein Bachelor-Studium eingeschrieben – auch hier besteht ein großer Unterschied zwischen Frauen (66%) und Männern (53%). Israel liegt unter den OECD-Staaten auf Platz zwei, was den Anteil der Akademiker an der Bevölkerung betrifft. 56% Prozent der Israelis in der relevanten Altersgruppe haben demnach einen akademischen Abschluss, gegenüber 30% im OECD-Durchschnitt.

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Mizrachim und Ashkenasim in Israel

Lange Jahre wurde die jüdische israelische Gesellschaft vor allem mit zwei Gruppen beschrieben: Ashkenasim, die aus Europa und Amerika stammenden Juden, einerseits und Mizrachim, die nordafrikanischen und nahöstlichen, andererseits.

Dass diese Einteilung, bei der die Mizrachim auch als „das zweite Israel“ beschrieben werden, nicht mehr der heutigen Realität entspricht und vielleicht auch nie entsprochen hat, davon zeugen schon die vielen Neueinwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion oder auch Äthiopien, die das Bild der Gesellschaft in den letzten zwanzig Jahren entscheidend verändert haben. Ebenso spricht gegen die Relevanz des Themas, dass heute bereits 70 Prozent der jüdischen Israelis im Land geboren sind und auch bei der Partnerwahl die ethnische Zugehörigkeit eine immer kleinere Rolle spielt.

Und doch scheint das Thema nicht ganz vom Tisch, lässt es immer wieder die Emotionen hochschlagen…

 

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Geschichte

Vor der ersten zionistischen Einwanderungswelle 1882 waren orientalische Juden in Palästina in der Mehrheit, sie stellten etwa 60 Prozent der jüdischen Bevölkerung.

Bei Staatsgründung 1948 hatte sich das Blatt gewendet, und durch Einwanderung stammten nun bereits 77% der Bevölkerung aus Europa und Amerika. Zwischen 1882 und 1948 hatten orientalische Einwanderer (vor allem aus dem Yemen und Aden) lediglich 10% der Einwanderer ausgemacht. Dies änderte sich jedoch schnell: zwischen 1948 und 1951 kamen 49% aller Olim aus Nordafrika und Asien, 1952/53 waren es 70% und zwischen 1954 und 1975 stellten Juden aus Afrika (die Mehrheit von ihnen aus Marokko) 63% aller Immigranten.

Die Beziehungen zwischen Ashkenasim und Mizrachim (die damals noch häufig als Sfaradim bezeichnet wurden) waren von Beginn an problematisch. Der Zionismus war in Europa entstanden, und die Ashkenasim hatten die Schlüsselstellen im entstehenden Staat bereits vor seiner Gründung besetzt.

Hinzu kam die Dominanz des Säkularen unter den Ashkenasim, während viele Mizrachim ein traditionelles, wenn auch nicht orthodoxes Religionsverständnis mitbrachten.

Übergangslager, sog. Ma´abara, 1950

In der Wahrnehmung vieler Mizrachim wurde die aschkenasische Elite von der Arbeitspartei verkörpert, die seit Staatsgründung und bis 1977 ununterbrochen den Ministerpräsidenten stellte. Sie wurde von vielen Mizrachim für alles verantwortlich gemacht, was ihrer Meinung nach bei der Einwanderung falsch gelaufen war: von der Desinfektion mit DDT bei der Ankunft und die Unterbringung in den Übergangslagern (Ma´abarot), über die anschließende Übersiedlung in die sogenannten „Entwicklungsstädte“, die in der Regel in der Peripherie lagen, bis hin zu den hohen Kriminalitätsraten unter den jugendlichen Mizrachim.

1977 brachten daher vor allem mizrachische Wähler die politische Wende: Mit Menachem Begin wurde erstmals ein Kandidat der zum Likud-Block gehörenden Partei Cherut Ministerpräsident.

 

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Zahlen

Der israelische Zensus erfasst die Frage zur ethnischen Zugehörigkeit der jüdischen Staatsbürger nur über eine Generation: Wer in zweiter Generation in Israel geboren ist, dessen Ursprungsland ist „Israel“ und er verliert in der Statistik eine etwaige ashkenasische und mizrachische Herkunft.

Streng paritätisch besetzt: Die Moderatoren der Comedy-Sendung / Matzav ha-Umma (Die Lage der Nation), Ashkenasim links, Sfaradim rechts

73% der jüdischen Staatsbürger waren 2011 in Israel geboren, bei 40,4% galt das auch bereits für ihren Vater. 27% der jüdischen Israelis sind eingewandert – 3,3% aus Asien, 5,3% aus Afrika und 18,4% aus Europa und Amerika. Was die Vätergeneration der in Israel Geborenen betrifft, wurden 8,4% in Asien geboren, 9,8% in Afrika und 14,4% in Europa und Amerika.

Noch vor vierzig Jahren, 1972, sah das Bild vollkommen anders aus: Damals waren lediglich 47,3% der israelischen Juden im Land geboren, nur 8,4% konnten dies auch über ihre Väter sagen. Von den 52,7% der jüdischen Israelis, die eingewandert waren, kamen 11,8% aus Asien, 13% aus Afrika und 27,9% aus Europa und Amerika. Die Väter der in erster Generation in Israel Geborenen kamen 1972 zu 12,6% aus Asien, 10% aus Afrika und zu 16,3% aus Europa und Amerika.

 

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Wirtschaft und Studium

Die wirtschaftliche Situation von Ashkenasim und Mizrachim in Israel heute untersucht eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Momi Dahan aus diesem Jahr.

Die Studie ergab, dass 47% der zu den wohlhabendsten zehn Prozent zählenden Israelis Ashkenasim sind, das heißt, entweder selbst in Europa oder Amerika geboren wurden oder ihr Vater dort geboren wurde. Der Anteil jener, die nach dieser Definition Ashkenasim sind, beträgt allerdings nur 25% der israelischen Bevölkerung. Mizrachim, also Israelis, die entweder selbst oder deren Vater in Asien oder Afrika geboren sind, machen dagegen lediglich 26% der oberen zehn Prozent aus – ihr Anteil ist damit proportional zu dem in der Bevölkerung.

Immer noch mehr ashkenasische als mizrachische Studierende: Hebräische Universität Jerusalem

Geht es um die wirtschaftlich am schwächsten gestellten zehn Prozent der Bevölkerung, sind sowohl Ashkenasim als auch Misrachim proportionalzu ihrem Bevölkerungsanteil unterrepräsentiert, lediglich sechs Prozent sind Ashkenasim und mit 12% immerhin noch doppelt so viele Mizrachim. Mizrachim haben außerdem im Durchschnitt insgesamt auch heute noch ein um 20% niedrigeres Pro-Kopf-Einkommen als Ashkenasim.

Der Anteil der an Hochschulen studierenden Mizrachim betrug 2005 12,5% und war damit immer noch deutlich niedriger als der Anteil der Ashkenasim, der 20,2% betrug. Dahan, der Autor der Studie, interpretiert dies dennoch als Erfolg, da Mitte der 1960er Jahre der Anteil der Mizrachim lediglich bei 1,6% gelegen hatte. „Der Graben schließt sich“, so Dahans eindeutige Interpretation.

„Als 1979 der Anteil der Mizrachim in der Bevölkerung noch 45% betrug (vor den großen Einwanderungswellen aus der ehemaligen Sowjetunion), stellten die Mizrachim lediglich 18% der oberen zehn Prozent. 1999 war ihr Anteil in der Bevölkerung 32% und der in den oberen zehn Prozent bereits 23%. Heute entspricht er ihrem Anteil an der Bevölkerung.“

 

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Gemeinsam

Nicht jede oder jeder in Israel kann sich so selbstverständlich einer ethnischen Gruppe zuordnen, wie es die Ausführungen von Dahan nahelegen. Ehen zwischen Ashkenasim und Mizrachim sind häufig und werden immer häufiger. Dafür spricht auch, dass die letzte Untersuchung zu diesem Thema beinahe zwanzig Jahre alt ist.

2006 untersuchten zwei Wissenschaftlerinnen die Häufigkeit interethnischer Ehen in Israel, konnten jedoch lediglich auf Zahlenmaterial bis 1995 zurückgreifen.

Ashkenasim oder Mizrachim? Israelis!

Demnach lag die Häufigkeit von Ehen zwischen Mizrachim und Ashkenasim zwischen 1957 und 1961 bei 14% und war bis Anfang der 1990er Jahre auf 28% gestiegen. Einer Vorgängerstudie zufolge neigen im Land geborene Israelis eher dazu, Menschen aus einer anderen ethnischen Gruppe zu heiraten als solche, die im Ausland geboren sind.

Außerdem stellte in den früheren Jahren die Ehe mit einem ashkenasischen Partner für einen Mizrachi häufig noch eine Art gesellschaftlichen Aufstieg dar, wenn der sozio-ökonomische Aufstieg bereits gelungen war: Mizrachim, die wirtschaftlich erfolgreich waren, heirateten häufig Ashkenasim, die ihnen wirtschaftlich oder von der Ausbildung her unterlegen waren. Später allerdings heirateten Mizrachim und Ashkenasim eher innerhalb ihres eigenen sozio-ökonomischen Status‘. Grundsätzlich sind interethnische Ehen unter Akademikern stärker verbreitet als unter Nicht-Akademikern.

 

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Der Fall Shlomo Maoz

Dass das Thema Mizrachim und Ashkenasim noch immer für Emotionen sorgt, bewies zuletzt der Fall Shlomo Maoz: Maoz, Chefvolkswirt von Excellence Investments, hatte im Januar dieses Jahres in einem Vortrag am Sapir-College schwere Vorwürfe gegen die vermeintliche „ashkenasische Elite“ laut werden lassen und unter anderem erklärt, Bank Leumi, die traditionsreichste israelische Bank, sei „eine Bank von Weißen. Nur Weiße können dort eine Stelle bekommen“. Des Weiteren stellte er eine These auf, nach der die Kibbuzim und Moshavim „Land gestohlen“ hätten.

Maoz während seines Vortrages

Maoz‘ Vortrag führte dazu, dass sein Arbeitgeber Excellence ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entband.

In den folgenden Wochen entbrannte in den Feuilletons und in den Diskussionsforen der Nachrichtenseiten eine Debatte über ashkenasische Hegemonie, mizrachische Befindlichkeiten und die Überflüssigkeit oder Notwendigkeit der Frage nach ethnischer Herkunft.

Die Soziologin Eva Illouz legte in einem mehrteiligen Gastbeitrag für Haaretz dar, wie sie erst in Israel gemerkt habe, dass sie einer diskriminierten Minderheit angehöre. Sie sei in Marokko geboren und in Frankreich aufgewachsen, und die Tatsache, dass sie Misrachit sei, habe für sie nie eine Rolle gespielt – bis man ihr in Israel erklärt habe, sie sei eben keine „echte Mizrachit“. Von ashkenasischer Seite habe es geheißen, sie interessiere sich schließlich für Proust, Rilke und Schubert. Ein mizrachischer Bekannter dagegen habe ihr vorgehalten, nur wer die Geschichte der Erniedrigung in sich trage, wie sie die Einwanderer nach Israel durchgemacht hätten, könne sich wirklich als Mizrachi bezeichnen.

Darauf reagierte Itamar Handelman Smith ebenfalls in einem Gastbeitrag, in dem er erklärte, abgesehen von den israelischen Arabern seien die Ashkenasim die diskriminierte Minderheit in Israel. Ein „ashkenasisches Establishment“, wie es unter anderem von Illouz angenommen werde, existiere nicht und habe auch nie existiert. Die Institutionen in Israel und im britischen Mandatsgebiet Palästina seien nicht ashkenasisch gewesen, im Gegenteil hätten die Angehörigen des Yishuv sehr schnell jede Verbindung nach Europa verloren. Dies habe sich unter anderem in der strikten Ablehnung des Jiddischen als Sprache ausgedrückt, eine Ablehnung, die für Ladino und Arabisch, die Sprachen der orientalischen Juden nicht gegolten hätte.

Einer der letzten Artikel zum Thema stammt im April von Uri Misgav. Er erklärt: „In Israel 2012 ist eine ethnische Debatte anachronistisch, was die Gegenwart betrifft und beinahe vollkommen irrelevant, was die Zukunft betrifft. […] Wie lange noch? Früher einmal ging es darum, wo man herkam, bevor man nach Israel eingewandert war. Dann lautete die Frage, wo die Eltern geboren waren. Heute gehören die meisten Israelis bereits zur Generation der Enkel und Urenkel.“

 

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Auf der Collage oben:

Tommy Lapid, Ikone der ashkenasischen säkularen Gesellschaft; Shlomo Maoz, ehemaliger Chefvolkswirt von Excellence Investments; Moshe Levy, geboren in Jerusalem und Sohn irakischer Einwanderer, erster mizrachischer Generalstabschef; Rabbi Ovadia Yosef, ehemaliger sfaradischer Oberrabiner und spiritueller Führer der Schass-Partei; der Moderator Dudu Topaz, der sich 1981 abfällig über orientalische Likud-Wähler äußerte („ha-Tschachtschachim shel ha-Likud“); Henriette Dahane-Kalev, Mitbegründerin der sozialen Bewegung Ha-Keshet ha-demokratit ha-misrachit; Ministerpräsidentin Golda Meir, die viele Mizrachim gegen sich aufbrachte, als sie die Aktivisten der „Schwarzen Panther“ nach einem Treffen als „nicht nett“ bezeichnete; Amnon Dankner, der 1983 in dem Artikel „Ich habe keine Schwester“ erklärte, er betrachte Mizrachim nicht länger als seine Brüder und Schwestern; Yitzchak Navon, fünfter Präsident Israels, geboren in Jerusalem als Sohn sfaradischer Juden; Menachem Begin, geboren in Russland, erster Ministerpräsident des Likud-Blocks, gewählt mit mehrheitlich mizrachischen Stimmen; David Levy, Außenminister, geboren in Marokko; Benjamin Ben Eliezer, Verteidigungsminister, geboren im Irak

Stolz auf Olympia

Trotz allem: Israel kann auf seine Olympia-Bilanz stolz sein

Von Arie Livnat, Haaretz, 13.08.12

Der Berg war in Wirklichkeit ein Maulwurfshügel. Und damit meine ich nicht, die übertriebenen Erwartungen an die israelische Delegation vor den Olympischen Spielen in London, sondern unser aller Reaktion – die der Fans, der Journalisten und der Offiziellen – auf halber Strecke. Wir haben die führenden Politiker medial geopfert, und Sportministerin Limor Livnat hat sofort eine Untersuchungskommission ein- und die Förderung für Rio 2016 ausgesetzt. Wir haben alle wichtigen Sportfunktionäre zum Rücktritt aufgefordert – doch hätten wir nur ein paar Tage gewartet, hätte alles schon gar nicht mehr sehr schlimm ausgesehen.

Es stimmt, beim Thema Medaillen gibt es nichts zu beschönigen. Die Surferin Lee Korsitz und der Turner Alex Shatilov haben nicht geliefert. Das war enttäuschend, und ihre Verbände sollten herausfinden, woran es gelegen hat. Shatilov war ohnehin kein Kandidat für die Goldmedaille – Bronze wäre völlig ausreichend gewesen.

[…] In den wichtigsten olympischen Disziplinen – der Leichtathletik – sind wir nicht existent. Doch das wussten wir, bevor die Spiele begonnen haben.

Doch trotz der ausbleibenden Medaillen – war London wirklich so eine Niederlage? Da wären zum Beispiel die Schwimmwettbewerbe. Zum zweiten Mal überhaupt war ein Schwimmer in einem Finale dabei, ein anderer wurde zweimal Zehnter, und zum ersten Mal nahm eine Schwimmerin an einem Halbfinale teil.

Natürlich – im Vergleich zu anderen Ländern klingt das nach nicht viel. Doch für ein kleines Land, das keine Unsummen für die Sportförderung ausgibt, ist es ein absolut respektables Ergebnis. Und beim Turnen hatten wir gleich vier Finalisten. Außerdem erreichten Andy Ram und Yoni Erlich beim Tennis das Viertelfinale […]

Bevor wir alle uns also jetzt über unser Scheitern beschweren: Wir haben es in London in acht Finals geschafft. Das ist nur eins weniger als unser Rekord in Sydney. Es stimmt, unsere Sportfunktionäre konnten nicht stolz auf die Sportler sein, Limor Livnat konnte nicht gratulieren und auch Bibis Netanyahus Job bestand eher darin zu trösten als zu gratulieren. Wären das doch unsere größten Probleme. Wir waren dort und haben ein anständiges Ergebnis erzielt.

(Haaretz 13.8.12)

Matkot: allgegenwärtig an israelischen Stränden

Wer schon einmal in Israel an einem Strand war, musste wohl oder übel auch schon den Matkot-Spielern ausweichen, die allgegenwärtig die Szene direkt am Meer beherrschen. Für die einen ist es eine Art inoffizieller Nationalsportart und für die anderen ein Grund, um zum Krieg gegen das ständige tic-tic-toc aufzurufen.

Der monotone Klang dieses Spiels, einer Mischung aus Tennis, Squash und Pingpong, ist überall an den Stränden zu hören. Obwohl es auch in anderen Ländern gespielt wird, erreicht es doch nirgendwo diese Begeisterung und Ernsthaftigkeit wie in Israel. Oded Chen, einer der Spieler, nennt es gar eine Sucht. Stolz sind sie auf die Geschwindigkeit, die sie erreichen. Zur Steigerung der Herausforderung bauen die Profis stets neue Variationen ein  – beispielsweise das Spiel mit zwei Bällen.

In Neve Tzedek wurde 2003 ein Matkot-Museum gegründet. 2005 etablierten israelische Spiele internationale Meisterschaftsspiele. Motti Peles und Gili Ezrach gewannen die Weltmeisterschaft in Bat Yam und jene in Netanya mehrere Jahre hintereinander.  Ziel einiger Spieler ist es, das Spiel an die Olympiade zu bringen.

Andere hingegen ärgern sich masslos über das allgegenwärtige Matkot, das das Strandbild prägt und einen normalen Spaziergang entlang des Meeres zu einem Abenteuer macht, das ihrer Meinung nach fast schon eine Helmpflicht erfordern würde. Die beiden Tel Aviver Filmer Tom Shinan und Liran Goldberg haben eine vehemente – letztlich aber erfolglose – Kampagne gestartet „Matkot – the End“ (schauen Sie sich den Film unten an).

Sport in Israel

Auf der Collage sind zu sehen: Das Logo des Verbandes Beitar; der olympische Goldmedaillengewinner Gal Friedman; das Logo des Verbandes Ha-Po’el; das Denkmal für die ermordeten Sportler von München 1972 in Tel Aviv; Shmuel Rosenthal (rechts) mit Teamkollege Günter Netzer; Plakat für die Maccabiade 1932; die Tennisspielerin Shahar Peer; die Basketballer Tal Brody und Miki Berkovich mit dem Europacup 1977; das Logo von Maccabi; Jonatan Kopelev nach seinem Sieg bei den Schwimm-EM 2012; das Logo des israelischen Fußballverbandes; die israelische Olympiamannschaft 2012 mit Präsident Shimon Peres

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Der Sommer ist traditionell die Zeit der großen Sportereignisse: Gerade ist die Fußball-EM zu Ende gegangen, da befinden wir uns auch schon mitten in den Olympischen Spielen. Anlass genug, den israelischen Sport einmal genauer unter die Lupe zu nehmen…

 

 

Die Themen:

  • Die großen Sportbewegungen
  • Ewig populär: Fußball und Basketball
  • Weitere Sportarten
  • Die Katastrophe: München 1972

 

 

Die großen Sportbewegungen

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Der israelische Sport ist sehr viel älter als der Staat Israel und eng mit der Geschichte der politischen Bewegungen innerhalb des Zionismus verknüpft. Denn die meisten israelischen Sportvereine, sowohl im Breiten- als auch im Profisport, gehören einem Verband an, der wiederum zumindest vom Ursprung her Unterorganisation einer politischen Bewegung ist.

Die drei größten Sportverbände in Israel sind Ha-Po´el, Maccabi und Beitar.

Ha-Po´el („Der Arbeiter“) ist heute der größte israelische Sportverband. Er wurde als Teil der allgemeinen Arbeitergewerkschaft in Eretz Israel (Histadrut ha-Ovdim ha-klalit be-Eretz Israel) gegründet. Ziel der Vereinigung ist bis heute „die Pflege der Körperkultur und des Sportes unter den Arbeitern“.

Im April 1924 gründete eine Gruppe von Arbeitern in Haifa eine Fußballmannschaft mit dem Namen Ha-Po´el. Zwei Jahre später, im Mai 1926, wurde der landesweite Verband gegründet. Das Logo des Verbands zeigt einen  Sportler in Rot in einem stilisierten Hammer und Sichel. Das Motto der Bewegung lautete: „Sport la-alafim u-le-alufim“ (etwa: Sport für die Massen und Meister).

1927 schloss sich die Bewegung der Internationale an, dem internationalen Verband der Arbeitersportvereine. Sportvereine, die sich als sozialistisch definierten, schlossen sich im folgenden eher Ha-Po´el an als Maccabi, der als „bürgerlich“ galt.

Fan-Tatoo „Ha-Po´el Tel Aviv, Liebe meines Lebens“

In den 1930er Jahren konnte der Verband ein bedeutendes Wachstum verzeichnen, mehrere Dutzend Vereine schlossen sich ihm an, und er vertrat bald über 10.000 Mitglieder.

Neun der elf Ermordeten des Olympia-Massakers von München 1972 waren Mitglieder von Ha-Po´el.

Der bekannteste Verein von Ha-Po‘el ist heute der Fußballverein von Ha-Po´el Tel Aviv. Ha-Po´el hat heute knapp 1.000 Jugendmannschaften und mehr als 300 Erwachsenenmannschaften als Mitglieder.

Maccabi ist der älteste Sportverband in Israel. Gegründet wurde er bereits 1912, hervorgegangen ist er jedoch aus dem schon 1906 gegründeten ersten jüdischen Sportverein in Eretz Israel, „Rishon le-Zion“ Yaffo, der sich die zionistischen Sportverbände in Europa zum Vorbild nahm. Die zionistischen europäischen Sportvereine wiederum waren von der deutschen Turnbewegung und der Idee eines „Muskeljudentums“ von Max Nordau inspiriert.

Die Maccabi-Bewegung ist nach den Makkabäern genannt, die für ein wehrhaftes Judentum standen, das sich nicht von anderen Völkern unterdrücken lässt.

Maccabi war bis zur Gründung von Ha-Po´el die einzige Sportbewegung in Eretz Israel und hat sich so um die Institutionalisierung des Sportes verdient gemacht. So hat sie etwa das Israelische Olympia-Komitee begründet.

Für echte Fans: Deo im Maccabi-Look

Seit 1932 richtet Maccabi außerdem die Maccabiade aus – ein alle vier Jahre stattfindendes Sportereignis, an dem jüdische Sportler aus der ganzen Welt teilnehmen.

Der Sportverband Beitar (die Abkürzung steht für Brit ha-No´ar ha-ivri al shem Joseph Trumpeldor, Hebräischer Jugendbund Joseph Trumpeldor) ist ein Unterverband der Beitar-Bewegung, die vor der Staatsgründung als revisionistische Bewegung gegründet wurde.

Der bekannteste ihr angehörende Club ist der Fußballverein Beitar Jerusalem.

 

 

Ewig populär: Fußball und Basketball

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Der beliebteste Sport in Israel ist traditionell der Fußball. Der Fußballverband des damaligen britischen Mandatsgebiets Palästina, der spätere Israelische Fußballnationalverband, wurde bereits 1928 gegründet und trat ein Jahr später der FIFA bei.

Israel hat immer wieder sehr gute Spieler hervorgebracht, so spielen etwa zurzeit drei Israelis in der Deutschen Bundesliga. Der erste Israeli im deutschen Profifußball war Shmuel Rosenthal, der 1972/73 für Borussia Mönchengladbach spielte.

International sind die Erfolge des israelischen Fußballs jedoch eher bescheiden zu nennen: Zwar gewann die Nationalmannschaft 1964 die Asien-Meisterschaft im eigenen Land, der letzte große Erfolg war jedoch die WM-Qualifikation 1970. Zurzeit liegt Israel in der Nationenwertung auf Platz 82 der Weltrangliste, hinter dem Irak und vor Bolivien. 2008 stand das Land einige Zeit auf Platz 15, dem höchsten Rang, den es in seiner Geschichte erreicht hat.

Bis 1974 war Israel seiner geographischen Lage entsprechend Mitglied in der Asian Football Confederation (AFC), wurde jedoch auf Druck der arabischen Staaten schließlich ausgeschlossen. Die Ostblock-Staaten verhinderten eine Aufnahme Israels in die UEFA, so dass das Land bis 1991 in der Ozeanien-Gruppe spielte.

Seit 1977 hat Israel eine Frauenfußballnationalmannschaft, seit 1999 auch eine Frauenliga.

Internationale Turniere werden in Israel traditionell mit großer Begeisterung und Anteilnahme verfolgt – auch, wenn die eigene Nationalmannschaft nicht dabei ist.

Wesentlich größere Erfolge als im Fußball kann Israel im Basketball verzeichnen. Der größte Erfolg der Nationalmannschaft ist der zweite Platz in der Europa-Meisterschaft 1979. Die Stärke des israelischen Basketballs liegt jedoch auf der Vereinsebene. So gewann der israelische Rekordmeister Maccabi Tel Aviv zwischen 1977 und 2005 fünf Mal den Europa-Cup; das Frauen-Team von Elitzur Ramle gewann 2011 den Eurocup der Frauen.

Nationalmannschaft von 1960

Omri Caspi wurde 2009 der erste israelische Spieler in der US-amerikanischen NBA.

 

 

Weitere Sportarten

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Israel hat bei den Olympischen Spielen bisher insgesamt sieben Medaillen gewonnen – eine Gold-, eine Silber- und fünf Bronzemedaillen.

Gold ging dabei an Gal Friedman im Windsurfen bei der Olympiade in Athen 2004. Er hatte bereits 1996 in Atlanta Bronze für Israel geholt. Silber gewann Yael Arad im Judo in Barcelona 1992. Bei derselben Olympiade gewann ebenfalls im Judo Oren Smadja Bronze, der dritte Olympionike, der eine Medaille in dem Sport erhielt, war Arik Zeevi in Athen 2004. In Sydney gewann 2000 Michael Kolganov die einze Medaille für Israel im Einer-Kajak. Die letzte Bronze-Medaille für Israel hat Shahar Tzuberi in Bejing 2008 geholt.

Einmarsch der israelischen Olympioniken London 2012

Informationen über die israelischen Olympioniken für London 2012 finden Sie hier: http://www.mfa.gov.il/MFA/IsraelExperience/Israel_Olympic_hopes_July_2012.htm

Wir drücken weiter die Daumen!

In den letzten Jahren machen israelische Tennisspieler von sich reden: Shahar Peer, die bisher erfolgreichste israelische Tennisspielerin aller Zeiten, stand im Januar 2011 auf Platz 11 der Weltrangliste. Ebenfalls international sehr erfolgreich sind Dudi Sela, Andy Ram und Yoni Erlich.

Erfolge konnten immer wieder auch israelische Schwimmer verzeichnen, zuletzt gewann Jonatan Kopelev Gold im Rückenschwimmen auf 50m bei den Europameisterschaften im Mai 2012.

 

 

Die Katastrophe: München 1972

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Der israelische Sport wird auf ewig mit einem Ereignis verbunden bleiben – dem Olympia-Massaker von München 1972, bei dem elf Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft ermordet wurden.

Am frühen Morgen des fünften September 1972 ermordeten bewaffnete Terroristen der palästinensischen Organisation „Schwarzer September“ zwei Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft und nahmen neun weitere als Geiseln. Sie forderten die Freilassung 200 arabischer Terroristen, die in Israel im Gefängnis saßen und freies Geleit für sich selbst und die Geiseln aus Deutschland heraus.

Der tunesische Botschafter und Vertreter der Arabischen Liga versuchten, die deutschen Behörden bei den Verhandlungen mit den Terroristen zu unterstützen. Israel war nicht bereit, auf die Bedingungen der Geiselnehmer einzugehen. Das Angebot zweier Olympia-Funktionäre, sowie des Polizeipräsidenten, des bayerischen und des Bundesinnenministers, sich als Ersatzgeiseln zur Verfügung zu stellen, blieb erfolglos.

Nach mehr als 12 Stunden im Olympischen Dorf stimmten die Terroristen zu, das Dorf zu verlassen und wurden gemeinsam mit den Geiseln in einem Hubschrauber zum Fliegerhorst Fürstenfeldbruck gebracht. Der Plan der deutschen Polizeibehörden war es, zum Schein auf den Erpressungsversuch einzugehen und die Geiselnehmer am Flugplatz zu überwältigen. Die Aktion schlug jedoch vollkommen fehl. Am Ende waren alle neun Geiseln (und die beiden bereits zuvor getöteten) tot, außerdem fünf der acht palästinensischen Terroristen und ein bayerischer Polizeiobermeister.

Obwohl die Welt mit Entsetzen auf das Massaker reagierte, wurden die Olympischen Spiele bereits 24 Stunden nach Beendigung der Geiselnahme fortgesetzt. Für die israelischen Olympioniken wurde eine Gedenkfeier abgehalten. Die überlebenden Teammitglieder kehrten unverzüglich nach Hause zurück; fünf Sportler aus anderen Ländern schlossen sich ihnen aus Solidarität an.

Yael Arad, die erste Israelin, die jemals bei Olympischen Spielen eine Medaille gewann, widmete ihre Silbermedaille 1992 bei den Spielen in Barcelona den ermordeten Geiseln von München.

Der stellvertretende Außenminister Danny Ayalon versuchte in einer Kampagne im Vorfeld der diesjährigen Spiele das IOC dazu zu bewegen, angesichts des 40. Jahrestages des Massakers bei der Eröffnungsfeier in London eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen. Diese Bitte wurde abgelehnt.

Israel als Hauptstadt des Eiskonsums

 

Wie Israel21c berichtet, essen Israelis sogar mehr Eis als Italiener. Mit 10 Litern pro Jahr, liegen sie mehr als 4 Liter über dem Schweizer Durchschnitt. Der Phantasie der Geschmacksrichtung sind dabei keine Grenzen gesetzt und es wird wie wild experimentiert. Beispielsweise ein 10-Gewürze-Eis, das an Chai Latte erinnert, Cheesecake-Eis oder auch Hummuseis aus Kichererbsen mit Olivenöl und Pinienkernen garniert.

Ob es ein typisch israelisches Eis gibt, wird nicht geklärt. Fein, kühl und vielfältig ist es allemal.  Itay Rogozinsky, inhaber der Vaniglia in Tel Aviv, sagt, es sei wichtig ein Eis zu produzieren, dass den lokalen Gegebenheiten und Leuten entspricht. „Ich liebe es mit zahlreichen Zutaten aus aller Welt zu arbeiten, aber trotzdem einen israelischen Stil zu formen und erfinden, weil wir hier sind“.

(Quelle: http://israel21c.org/travel/hummus-ice-cream-anyone/)

Auszeichnung der UNO für E-Government

Laut einer Studie der Vereinten Nationen gehört Israel zu den 20 führenden Ländern weltweit hinsichtlich des Angebots von Verwaltungsleistungen im Internet. Israel machte dabei im Vergleich zu 2010 zehn Plätze gut und liegt nun auf Rang 16, noch vor Ländern wie Deutschland und Japan. Die Studie wird seit 2003 alle zwei Jahre durchgeführt.

E-Government-Portal der israelischen Regierung

„Israel hat sich im E-Government weiterentwickelt und ist jetzt eines der führenden Länder im westasiatischen Raum. Die Internetseite der Verwaltung ist gut organisiert.“

Israel steht der Studie zufolge außerdem an vierter Stelle bei der aktiven Nutzung der Online-Verwaltungsangebote der Regierung durch die Bürger.

 

(Quelle: Israel Ha-yom, 26.06.12)