Vogelzug in Israel – ein Naturspektatkel

Israel – Naturparadies im Schatten des Nahost-Konflikts

Von Thomas Krumenacker*, Herbst 2012 (www.krumenacker.de)

Eine Gruppe Kraniche im ersten Sonnenlicht des Tages. Das Hula-Naturschutzgebiet in Nordisrael ist der bedeutenste Rastplatz für diese Vogelart im Nahen Osten. (Bild: Thomas Krumenacker)

Alljährlich im Herbst und im zeitigen Frühjahr  bekommen israelische Naturfreunde Post von ungewöhnlicher Stelle. „Das Zugvogelzentrum der Luftwaffe nimmt seine Arbeit wieder auf“,  mailt die Airforce an die auch in Israel wachsende Gemeinde der Ornithologen und Vogelbeobachter. „Wir würden uns freuen, wenn ihr uns über jede Konzentration von Vögeln auf dem Laufenden halten würdet (Pelikane, Störche, Kraniche)“, heißt es dann wieder in einer Rundmail. Und so tragen die meisten Mitglieder der israelischen Birding-community neben Fernglas, Teleskop und Fotoapparat in aller  Regel zwei Telefonnummern mit sich: Die zum Koordinator der „rare bird alerts“, um per SMS sofort andere Beobachter über gesichtete Seltenheiten alarmieren zu können – und die des Koordinationszentrums der Luftwaffe, das am internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv Tag und Nacht besetzt ist und für den militärischen wie zivilen Flugbetrieb alle Bewegungen über dem Himmel im Heiligen Land registriert: Zivile Flugzeuge, Militärjets – und Zugvögel. Kreuzt ein Schwarm Pelikane oder Kraniche die geplante Route von Flugzeugen, erhalten diese solange Startverbot, bis die Vögel außer Reichweite sind. Eine Win-Win-Situation: Die Vögel bleiben unbehelligt und eine Gefahr für Luftfahrt und Passagiere wird gebannt.

Weissstörche ziehen in grossen Trupps von oft mehr als 10.000 Vögeln und rasten an den wenigen Wasserflächen, die sie inmitten der Wüste finden. (Bild: TK)
 
 

Israel hütet einen der grössten Naturschätze der Menschheit

Diese international wohl einmalig enge Zusammenarbeit zwischen der Flugsicherheit und Naturfreunden hat einen handfesten Grund und offenbart eine Seite Israels, die im Schatten der einseitigen Wahrnehmung des Landes als vermeintlichem Zentrum des Nahost-Konflikts nur wenig bekannt ist: Israel hütet einen der größten Naturschätze der Menschheit. Das kleine Land von der Größe Hessens ist weltweit eine der wichtigsten Drehscheiben des Vogelzugs, eines alljährlichen Naturschauspiels, das die Menschheit seit biblischer Zeit fasziniert.

Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, versammeln sich im Luftraum über Israel nach Schätzungen rund 500 Millionen Vögel auf dem Weg in ihre afrikanischen Wintergebiete beziehungsweise zurück in die europäischen, russischen und zentralasiatischen Brutgebiete. Zehntausende von Weißstörchen aus Deutschland, Polen und anderen Ländern landen dann zur abendlichen Rast in den Feldern der Kibbbutze oder auch inmitten der Negev-Wüste und bieten Naturbeobachtern atemberaubende und faszinierende Einblicke in eines der letzten großen Geheimnisse der Natur. Am nächsten Morgen setzen sie den langen Weg dann nach einem spektakulären Massenstart fort. Auch am Himmel über Tel Aviv oder Jerusalem können zur richtigen Zeit große Schwärme von kreisenden Großvögeln beobachtet werden.

Der Grund für die einmalige Konzentration von Vögeln in Israel liegt in der geographischen Lage des Landes: An der Schnittstelle der Kontinente Europa, Asien und Afrikas gelegen, bildet Israel eine Art Landbrücke zwischen Europa und Afrika. Besonders schwere und große Vögel wie Störche, Adler, Pelikane oder Kraniche  vermeiden es, auf ihrer viele Tausende Kilometer langen Reise über größere offene Wasserflächen zu fliegen. Dort können sie bei Erschöpfung nicht landen, vor allem aber bildet sich über dem kalten Wasser keine Thermik. Diese über Land am Morgen durch Sonneneinstrahlung entstehenden warmen Aufwärtswinde helfen den Vögeln, sich energiesparend im Gleitflug tragen zu lassen. Kräfteraubender Aktivflug kann so auf ein Minimum reduziert werden. Zusätzlich liegt Israel auf seiner gesamten Länge von den Golan-Höhen im äußersten Norden, über das Jordan-Tal und das Tote Meer bis hin zum Ausläufer des Toten Meeres bei Eilat im äußersten Süden entlang des seit Millionen von Jahren wichtigsten Zugweges für Vögel aus Europa und Zentralasien nach Afrika, dem Syro-afrikanischen Grabenbruch, besser bekannt als Rift-Valley.

Viele Kraniche verbringen mehrere Wochen im Hula-Tal, um sich vor dem anstrengenden Weiterflug in das Winterquartier im südlichen Afrika zu stärken. Im Hintergrund der schneebedeckte Mount Hermon, Israels höchster Berg. (Bild: TK)

 

Allein über 100.000 der seltenen Schreiadler sammeln sich in Israel

Nicht nur für Vogelbeobachter, auch für Biologen, die den Vogelzug wissenschaftlich untersuchen und für Artenschützer, die seltene Vogelarten eingehender untersuchen, ist Israel daher von herausragender Bedeutung. Von einigen der bedrohtesten Vogelarten zieht nämlich der gesamte Weltbestand über Israel, eine einmalige Gelegenheit zu erfahren, wie sich die Populationen entwickeln und zu kontrollieren, ob Schutzmaßnahmen in den oft entlegenen Brutgebieten wirksam sind.

Ein solches Beispiel ist der Schreiadler, Deutschlands seltenste Adlerart. Nur in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern brüten hierzulande heute noch Schreiadler, insgesamt nur rund 100 Paare. Auch in den anderen Vorkommensgebieten geht ihre Zahl zurück. Keiner weiß aber genau, wie sehr. Über dem Himmel der nördlichen Täler Israels versammeln sich in einem kurzen Zeitraum zwischen Mitte September und Anfang Oktober dann auf dem Weg in das südafrikanische Winterquartier so gut wie alle Schreiadler der Erde. Warten in den angrenzenden arabischen Ländern allzuhäufig Jäger auf die Adler, sind es in Israel die Vogelkundler: In einer dichten Kette von Beobachtungsposten werden über die gesamte Breite des Landes auf einer Linie von Haifa am Mittelmeer bis zum Bet-Shean-Tal an der Grenze zu Jordanien von morgens bis abends die überhin ziehenden Vögel gezählt. Diese seit nun 30 Jahren unternommene Untersuchung ist eine der weltweit am längsten erhobenen systematischen Vogelzugzählungen und genießt in der wissenschaftlichen Fachwelt entsprechendes Gewicht. In diesem Herbst wurden knapp über 100.000 Schreiadler in Israel gezählt – eine Zahl, die Artenschützer vorsichtig optimistisch sein lässt, dass die Art sich wohl in einem vergleichsweise stabilen Zustand befindet.

Weitaus höhere Zahlen werden von anderen, auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannten, Vogelarten gezählt: So wird geschätzt, dass 70 Prozent aller Weißstörche der Erde Israel zweimal im Jahr überqueren, darunter auch der Großteil der in Deutschland brütenden Vögel.  Der Zug kleiner Singvögel wie Blaukehlchen, Mönchsgrasmücke oder Schafstelzen vollzieht sich überwiegend nachts und in sehr großer Höhe. Er wurde in Israel mittels Radar erforscht und siehe da: Eine ruhige Wüstennacht ist gar nicht so ruhig: Geschätzt mehrere Hundert Millionen Kleinvögel überqueren das Gebiet des Rift Valleys für den Menschen unsichtbar jedes Jahr. Auf einem nächtlichen Ausflug in die Wüste lassen manchmal die beständigen Kontaktrufe er in mehr als einem Kilometer Höhe ziehenden Vögel ahnen, was sich unsichtbar über dem Wanderer abspielt.

Der gesamte Weltbestand des vom Aussterben bedrohten Schreiadlers zieht innerhalb weniger Wochen durch Israel und bietet Forschern Gelegenheit, wertvolle Erkenntnisse zu ihrem Schutz zu sammeln. (Bild: TK)

 

Besondere Anforderungen an Naturschutz in Israel

Die herausragende Bedeutung Israels für den Vogelzug bürdet dem Land auch eine große Verantwortung auf und Naturschutz oder Naturzerstörung in Israel hat auch unmittelbare Folgen für in Deutschland und anderen Teilen Europas brütende Vogelarten wie den Weißstorch oder den Schreiadler.  Jedes vernichtete Öko-Systen beraubt nicht nur die einheimischen Arten ihres Lebensraums, auch Zugvögel verlieren  lebenswichtige Raststation, um die Reserven für den Flug über die Sahara mit tausenden Kilometern ohne Nahrung überstehen zu können. Zugleich bietet das alljährliche Spektakel auch viele Chancen. Die in der Society for the Protection of Nature (SPNI) zusammengeschlossene Israelische Ornithologenvereinigung kooperiert deshalb eng mit Partnerverbänden in anderen Ländern und veranstaltet seit einigen Jahren erfolgreich „Vogelzugfestivals“ in Eilat und im nördlichen Hula-Tal. Naturbegeisterte aus Europa, den USA und Israel treffen sich eine Woche lang zum Meinungsaustausch, werden von den besten Vogelkennern des Landes bei Tagesausflügen zu den besten Vogelrastplätzen begleitet und erhalten bei Vorträgen einen Einblick in den Stand der Vogelforschung. Längst haben sich die Vogeltouristen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor etwa im nordisraelischen Hula-Tal entwickelt. Damit erhalten auch die Bemühungen der israelischen Ornithologen etwa um den Schutz der verbliebenen Feuchtgebiete am Fuße der Golan-Höhen oder intakter Wüstenhabitate im Arava-Tal  einen anderen Stellenwert, hilft doch die Bewahrung der Natur auch beim Sichern der Einkommen der lokalen Kibbutze.

Eine Gruppe Rosapelikane hat sich zur Rast auf einem See im Hula-Tal niedergelassen. Zwischen Oktober und November können im Himmel über Israel Gruppen mit vielen Tausend dieser schwersten europäischen Zugvögel beobachtet werden. (Bild: TK)

 

Schleiereulen als Friedenstauben

Auch bei der regionalen Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg spielen Vögel in der Region mittlerweile eine wichtige Rolle. Im Bet-Shean-Tal, zwanzig Minuten südlich des Sees Genezareth, haben die israelischen Ornithologen Landwirte aus Jordanien, Israel und den Palästinensergebieten zusammengebracht, um ein ökologisches Problem gemeinsam anzugehen: die beständige Intensivierung der Landwirtschaft und den massenhaften Verbrauch von Chemikalien. Dutzende Tonnen von Chemikalien, allen voran zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen, werden jährlich in dem für die Landwirtschaft auf allen Seiten gleichermaßen wichtigen Jordantal versprüht. Immerhin machen Wissenschaftler die Nager für den Ausfall von bis zu 35 Prozent der Ernte etwa beim Weizen verantwortlich. Das Gift macht aber nicht nur den lästigen Nagern den Garaus: Schädlingsbekämpfungsmittel verseuchen auch die Böden und das Grundwasser – und sie töten einheimische wie Zugvögel. Auf Initiative der israelischen Ornithologen wurde eine nachhaltige Lösung gefunden, die zudem die Farmer aus den drei benachbarten Gebieten an einen Tisch gebracht hat. Statt Chemie auszubringen, wurden massenhaft Nistkästen für Schleiereulen angebracht – manche sogar aus recycleten Munitionsboxen der Armee. Der Gedanke: Ein Paar der gut taubengroßen Schleiereulen verzehrt pro Jahr 2000 bis 3000 Mäuse. Begrenzt wurde die Zahl der Nager-Jäger eigentlich nur durch das geringe Angebot an Brutplätzen. Also wurden künstlichen Nestboxen aufgestellt. Was mit 20 Kästen vor 25 Jahren begann, ist mittlerweile eines der erfolgreichsten Programme der biologischen Schädlingsbekämpfung weltweit und überdies zu einem Vorzeigeprojekt regionaler Zusammenarbeit in einem der Brennpunkte der Weltpolitik. Tausende Paare Schleiereulen brüten auf allen Seiten der Grenze und helfen viele Tonnen Chemikalien einzusparen.

*Der Autor: Thomas Krumenacker, 47, ist Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin und Naturfotograf. Er beteiligt sich seit vielen Jahren an Naturschutzprojekten in Israel.2009 wurde er mit dem Umweltpreis der Israelischen Naturschutzverbände ausgezeichnet. Mehr von ihm auf seinem Blog: www.krumenacker.de 

Dieser Beitrag erschien zuerst am 29.10.12 in „Zwischenzeilen“ von der Gesellschaft Israel-Schweiz.

Weissstörche über dem wiederhergestellten Jordan-Fluss im Hula-Tal fotografiert aus einem Ultraleichtflugzeug. Im Hintergrund der Agmon (See) des Hula-Tals, eines der erfolgreichsten Projekte zur Wiederherstellung zerstörter Natur im Nahen Osten. (Bild: TK)

 

Erst mit dem anbrechenden Abend unterbrechen die Störche ihren Zug, um möglichst viel vom Tag für die lange Reise nutzen zu können. (Bild: TK)
 

Kraniche brechen an einem frühen April-Morgen im Hula-Naturschutzgebiet auf, um den langen Flug nach Europa anzutreten. Im Hintergrund der Mount Hermon. (Bild: TK)

 

 

 

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Matkot: allgegenwärtig an israelischen Stränden

Wer schon einmal in Israel an einem Strand war, musste wohl oder übel auch schon den Matkot-Spielern ausweichen, die allgegenwärtig die Szene direkt am Meer beherrschen. Für die einen ist es eine Art inoffizieller Nationalsportart und für die anderen ein Grund, um zum Krieg gegen das ständige tic-tic-toc aufzurufen.

Der monotone Klang dieses Spiels, einer Mischung aus Tennis, Squash und Pingpong, ist überall an den Stränden zu hören. Obwohl es auch in anderen Ländern gespielt wird, erreicht es doch nirgendwo diese Begeisterung und Ernsthaftigkeit wie in Israel. Oded Chen, einer der Spieler, nennt es gar eine Sucht. Stolz sind sie auf die Geschwindigkeit, die sie erreichen. Zur Steigerung der Herausforderung bauen die Profis stets neue Variationen ein  – beispielsweise das Spiel mit zwei Bällen.

In Neve Tzedek wurde 2003 ein Matkot-Museum gegründet. 2005 etablierten israelische Spiele internationale Meisterschaftsspiele. Motti Peles und Gili Ezrach gewannen die Weltmeisterschaft in Bat Yam und jene in Netanya mehrere Jahre hintereinander.  Ziel einiger Spieler ist es, das Spiel an die Olympiade zu bringen.

Andere hingegen ärgern sich masslos über das allgegenwärtige Matkot, das das Strandbild prägt und einen normalen Spaziergang entlang des Meeres zu einem Abenteuer macht, das ihrer Meinung nach fast schon eine Helmpflicht erfordern würde. Die beiden Tel Aviver Filmer Tom Shinan und Liran Goldberg haben eine vehemente – letztlich aber erfolglose – Kampagne gestartet „Matkot – the End“ (schauen Sie sich den Film unten an).

Die Tore Jerusalems

Die Tore Jerusalems, von Wayne Stiles, der sich nie erholt hat von seinen Reisen im Heiligen Land. Zu seinem Blog: www.waynestiles.com

Es gibt heute acht Tore in Jerusalem, aber die Bibel verspricht für die Zukunft zwölf.

Die Mauern und Tore Jerusalems wurden durch die Jahrhunderte hindurch ausgebaut und verkleinert ähnlich dem Atmen eines Lebewesens.

Die Mauern der Altstadt von Jerusalem sind so angelegt, dass wir durch diese Tore eintreten müssen – genau wie es die Menschen vor tausenden Jahren taten.

Tore waren mehr als bloss Durchgänge. Sie dienten als Orte für persönliche Geschäfte, zivile Angelegenheiten (vgl. Ruth 4.1). Tore erhielten ihre Namen oft von entfernten Städten, die in jener Richtung lagen, wie beispielsweise Jaffa, Damaskus und Shechem.

Die heutigen Tore Jerusalem datieren mehrheitlich aus der Zeit, als Suleiman der Prächtige die Mauern um 1537 wieder aufbaute. Wenn man im Gegenuhrzeigersinn um die Mauer geht, sind es folgende Tore:

 

Das Jaffator

Da das Jaffator in Richtung Hebron, wo Abraham begraben ist, zeigt, nennen Araber Bab el-Khalil – „Tor eines Freundes“. Dieses Tor bietet einfachen Zugang zum Museum der Zitadelle und zum Spaziergang auf den Stadtmauern (Rampart’s walk). General Allenby betrat Jerusalem 1917 auf eindrückliche Weise durch das Jaffator.

Das Zionstor

Gleich südlich vom Zionstor liegt der moderne „Berg Zion“. Der arabische Name des Tors Bab Nabi Daud – „Tor des Propheten Davids“ – kommt daher, dass Davids Grab vermutlich auf dem Berg Zion liegt. Es ist eine Fehlbezeichnung in jeglicher Hinsicht, das biblische Zion (sowie auch das Grab Davids) liegen östlich dieser modernen Bezeichnung. Das Tor hat eine pockennarbige Fassade, stumme Narben der heftigen Kämpfe für das jüdische Viertel 1948.

Das Dungtor

Der unübliche Name stammt von einem Tor, das in der Zeit Nehemias in der südlichen Mauer der Stadt lag (Neh. 2.13). Der Targum identifiziert das Dung-Dort als das „Scherbentor“ von Jeremia 19.2. In der Antike lag die Müllhalde der Stadt nahe dem Hinnomtal und das Scherbentor diente als Ausgang, durch den die Bürger ihren Abfall hinausbrachten.

Das Goldene Tor

Das seit über 1000 Jahren zugemauerte Tor wird manchmal verwechselt mit dem „Schönen Tor“ des zweiten Tempels (Apg. 3.10). Der muslimischen Tradition zufolge wird ein Eroberer oder der Messias durch dieses Tor eintreten. Die Bibel sagt voraus, dass die Herrlichkeit des Herrn den Tempel durch das „östliche Tor“ betreten wird (Hes. 43.4), aber wer weiss, ob es sich auf dieses bezieht. Ungeachtet dessen; kein zugemauertes Tor wir den Messias abschrecken.
Das Stephanstor

Christen bezeichneten dieses Tor mit dem Namen Stephanus zu Ehren seines Märtyrertums ausserhalb der Stadt (Apg. 7.58-60). Die Byzantiner definierten den Platz seines Todes jedoch ausserhalb eines nördlichen Tors. Ein anderer Name – das „Löwentor“ rührt von den Steinreliefs zweier Löwen (oder Panthern / Jaguaren), die das Tor flankieren.

Das Herodestor

Dieses Tor, das manchmal auch „Blumentor“ genannt, oder Bab ez-Zahar genannt wird, erhielt den Namen von Herodes im 16. oder 17. Jahrhundert, weil Pilger fälschlicherweise annahmen, ein nahegelegenes Haus der Mameluken wäre der Palast von Herodes Antipas gewesen. In dieser Gegend durchbrachen die Kreuzritter die Mauer, um die Stadt 1099 einzunehmen.

Das Damaskustor

Ein schönes Beispiel ottomanischer Architektur macht es zum schönsten der Tore Jerusalems. Ausgrabungen unterhalb des Tors enthüllten ein dreibogiges von Hadrian gebautes Portal, das die nördliche Ausdehnung der Cardo-Strasse aus dem zweiten Jahrhundert darstellt. Ausserhalb des Tors bietet ein arabischer Markt frische Früchte und Gemüse an. Die Juden nennen es das „Shechem-Tor“ und die Araber beziehen sich darauf als „Tor der Säule“.

Das Neue Tor

Die Antiquität der Stadtmauern wird etwas beeinträchtigt durch das „Neue Tor“, das 1887 als Mittel für den bequemsten nordwestlichen Zugang zur Altstadt geöffnet wurde. Ich logierte vor Jahren für eine Woche im christlichen Viertel und war dankbar für den leichten Zugang zu den Strassen der Stadt durch das Neue Tor.

Die Zukunft der Tore Jerusalems

Die acht Tore Jerusalems bestehen seit Jahrhunderten. Aber der Prophet Hesekiel prophezeite den Tag, an dem es insgesamt 12 Tore Jerusalem sein würden – eines für jeden Stamm Israels (Hes. 48.31-34).

Hesekiel erwähnte auch, dass wenn der Messias in Jerusalem regieren wird, werde die Stadt einen zusätzlichen Namen erhalten „Der Herr ist dort“.

(Quelle: Übersetzung mit der freundlichen Genehmigung von Wayne Styles, zuerst erschienen in Jerusalem Post, 18.6.12: http://www.jpost.com/Travel/AroundIsrael/Article.aspx?id=274293&R=R77 )

Wayne Stiles hat sich nie erholt von seinen Reisen im Heiligen Land. Lesen Sie seinen Blog: www.waynestiles.com)

(Photos: Courtesy of www.BiblePlaces.com, ausser Bild: Dungtor und Graphik unten by Wikimedia Commons)

Archäologische Fundgrube Israel

Mit täglich 30 aktiven Grabungen in Israel ist es nicht verwunderlich, dass ständig bedeutende Entdeckungen zutage gefördert werden.

(Bild: Unterirdisches Reservoir in Ramla aus dem 18. Jahrhundert. Sämtliche Bilder vom Ministry of Tourism)

Auf der Suche nach biblischen Beweisen graben Archäologen seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Grabungen wurden aber vor allem seit der Staatsgründung 1948 in grossem Masse vorangetrieben. Nur schon im Dezember 2011 wurde beispielsweise  in der Nähe der Klagemauer ein seltenes zweitausend Jahre altes Tonsiegel gefunden, eines der wichtigsten Artefakte aus der zweiten Tempelperiode. Die israelische Antiquitätenbehörde (IAA) fand in derselben Zeit auch die Überreste eines byzantinischen Badehauses, als ein neues Wasserversorgungssystem in den judäischen Küstenhügeln gelegt wurde.

Diese Funde machen oft Schlagzeilen: Ende 2011 publizierten Forscher der Universität Tel Aviv den Fund menschlicher Zähne in einer Höhle bei Tel Aviv, welche auf den afrikanischen Homo Sapiens vor 200‘000 Jahren zu datieren sind und somit zur Forschung über die menschliche Evolution beitragen. Andere Funde in einem jüdischen Dorf von 135 AD.  waren 264 identische Goldmünzen des letzten byzantinischen Eroberers, der in Jerusalem herrschte, sowie ein römisches Legionslager aus dem 2. Jahrhundert, ein Dorf aus dem 12. Jahrhundert und byzantinische Klöster. 2009 fanden israelische Archäologen in Migdal die älteste Darstellung der Menorah, eine Schnitzerei von vor 2000 Jahren.

Jon Seligman, Leiter der IAA kann nur lachen, wenn er die wichtigsten Funde der letzten 64 Jahre nennen soll: „Die Archäologie in diesem Land wurde revolutioniert in den über 60 Jahren des Staates“, sagt er. Eine komplette Liste von Ausgrabungsstätten umfasst 70 Orte, die nach Abschluss der Arbeiten oft zu Nationalpärken wurden. Die wichtigsten sind die folgenden:

  • Masada: die beeindruckende Festung von Herodes dem Grossen mit Blick aufs Tote Meer (eines der wichtigsten Touristenziele Israels aufgrund der dramatischen Rolle in der Geschichte der jüdischen Widerstands gegen das römische Imperium)
  • Megiddo: eine zentrale Schüsselkreuzung, wo sich schon im 3. Jahrtausend AC eine stark befestigte Stadt von Mauern umgeben befand.
  • Beit Guvrin-Maresha: mit den Jahrtausenden alten, wertvollen Gruben, Gräber, Lagerräumen, industriellen Anlagen, Verstecken und Taubenschlägen.
  • Ashkelon: der älteste und grösste Hafen in Israel, der ein blühendes Handelszentrum darstellte während der Römerzeit.
  • Davidstadt: der Nukleus des antiken Jerusalem, die westliche und südliche Mauern, die den Tempelberg umgaben.

Die IAA überwacht etwa 300 jährliche Grabungen und ist für ca. 95% der archäologischen Arbeiten in Israel zuständig. Sie bieten auch einen fünfmonatigen englischen Einführungskurs an.

Graben, Entdecken und Analysieren ist Teil eines sorgfältigen Prozesses. Seligman betont: „wir müssen nicht nur auf das achten, was wir ausgraben, sondern auch das, was wir nicht tun. Wir machen nur das notwendige Minimum, denn Ausgraben ist ein destruktiver Prozess und wir müssen an das denken, was wir den künftigen Generationen überlassen“. Normalerweise werde das Material an den Stätten im natürlichen Umfeld belassen. Ins Museum gebracht werden Dinge nur, wenn es keine Alternativen gebe.

 

Die grossartigsten Funde:

Tel Hatzor

Hatzor war ein Ausbildungsort für Schriftgelehrte. Archäologische Teams verbrachten 22 Sommer mit der Erforschung dieses UNESCO Weltkulturerbes in Nähe der libanesischen Grenze. Aufgrund der Ruinen von Palästen und Tempeln, dem Wassersystem und zahlreichen Keilschriftzeugnissen scheint die Beschreibung des Ortes als Leider aller kanaanäischen Königreiche durch Josua zutreffend zu sein.

Tel Dan

(Bild: Fragmente mit Steininschriften aus Tel Dan)

Drei aramäische Steininschriften zeugen vom Sieg des Königs von Aram über den König des Hauses David, wodurch die Fundstücke die frühesten ausserbiblischen Referenzen für die Monarchie Davids bilden. Andere dabei entdeckte Schätze waren Flintwerkzeuge, primitive Tonwaren, Steinwalle, metallene Gegenstände und Siegelabdrücke.

 

Tel Rehov

(Bild: Tel Rehov, wo frühe Imker Honig und Wachs herstellten)

Im Beit Shean Tal entdeckten Forscher 1007 eine zentrale Honigproduktionsanlage aus der Eisenzeit (biblische Zeit). Dies war besonders interessant, da man bisher davon ausging, dass die Bezeichnung des Landes „von Milch und Honig“ auf Dattelhonig Bezug nahm. Die Ausgrabungen belegten aber die Existenz von Bienenstöcken zu jener Zeit.

 

Mishmar David

Diese grosse Siedlung ist auf die frühe islamische bis zur Kreuzritterperiode datiert worden. Es fanden sich sowohl christliche als auch muslimische Symbole.

 

Ramla

(Bild: Bild: Unterirdisches Reservoir in Ramla aus dem 18. Jahrhundert. Ministry of Tourism)

Ramla ist die einzige von Arabern gegründete Stadt im alten Palästina, südöstlich von Tel Aviv auf Sanddünen. Viele Gebäude gingen verloren, aber die Weisse Moschee der Umayyaden-Zeit konnte rekonstruiert werden.

 

Herodion

Josephus Flavius schrieb, dass Herodes der Grosse in der Nähe seiner Paläste und Gärten im Herodion, einer der grössten königlichen Stätten der römisch-hellenistischen Zeit, begraben wurde. Die Entdeckung des Grabes von Herodes dem Grossen, welches während Jahrzehnten gesucht wurde, machte 2007 Schlagzeilen, obwohl es zum Teil zerstört war und die Leiche von Grabräubern gestohlen wurde.

Video: Tour durch Herodion

 

Yiftach-El

(Bild: Flintstein)

An dieser Stätte fand man Flintsteine aus der neolithischen Periode, was eine Seltenheit für diese Zeit darstellt, da es der Übergang von einer nomadischen zu einer sesshafteren landwirtschaftlichen Existenz war.

 

Tel Kabri

In Tel Kabri zwischen Akko und Nahariya wurde die früheste bekannte westliche Kunst des östlichen Mittelmeers gefunden. Der Fokus der Ausgrabungen lag auf einem Palast aus 1600 AC und förderte in den vergangenen 25 Jahren einen minoischen Boden und Wandfresken zu Tage.

Dieser Fund macht Angaben über internationalen Handel und kulturelle Verbindungen, da die minoische Kunst aus Kreta stammt, was einen direkten Link vermuten lässt.

 

Hilazon-Höhle

(Bild: Eingang zur tiefer gelegenen Hilazon-Höhle)

Die Leiche einer Hexe oder Zauberdoktors aus dem Epipaläolithikum (16‘000 bis 8‘300 AC) gab der Höhle den Spitznahmen „Schamanen- oder Hexenhöhle“. Die umliegenden Knochen und Gegenstände geben Einblick in die sozialen und kultischen Praktiken jener Epoche.

 

Te’omim Cave (Zwillingscave)

(Bild: Eingang zur Te’omim-Höhle, von Wikimedia)

Rebellen gegen die Römer versteckten sich in diesen natürlichen Höhlen östlich von Beit Shemesh. Kürzlich entdeckten Archäologen da Artefakte aus der Zeit des Bar Kochba-Aufstandes.

Zwillingshöhle wird es genannt aufgrund einer Legende, dass eine unfruchtbare Frau im 19. Jahrhundert von dem von der Decke tropfenden Wasser trank und daraufhin Zwillinge zur Welt brachte.

 

Khirbet Qeiyafa

(Bild: Blick von der Khirbet-Festung, von Joav Dothan)

Die strategische Festung wird von einer 700m langen Steinmauer aus Steinen bis zu acht Tonnen umgeben. Hier, der Hauptstrasse von Philistia nach Jerusalem, brachte David Goliath zu Fall. Die Ausgrabungen geben Beweise für Davids Herrschaft.

 

Tel es-Safi

(Bild: Belagerungssystem von Tel es-Safi)

Dieser Ort ist auch als Gath bekannt, der Heimatstadt von Goliath, wo seit 1996 gegraben wird und u.a. das älteste bekannte Belagerungssystem der Welt, die früheste Metallproduktionsstätte und ein grosser steinerner Alter der Philister entdeckt wurde. Letzterer hat die exakt gleichen Dimensionen wie derjenige der Israeliten in der Wüste, ausser dass er zwei statt vier Hörner hatte.

 

Ramat Rachel

(Bild: antiker Taubenschlag in Ramat Rachel)

2010 entdeckte man hier ein altes Wasserreservoir. Ramat Rachel war erstmals besiedelt in den Tagen der judäischen Monarchie während des 8. Und 7. Jahrhunderts AC. Es war ein Zuhause für Perser, Griechen, Römer, Byzantiner und frühe islamische Siedler. Danach war es verlassen für etwa 100 Jahre.

 

Khirbet Wadi Hamam

(Bild: Bänke in der Synagoge von Khirbet Wadi Hamam)

Dieses Dorf liegt westlich des See Genezareths und erbrachte den Schlüssel zur Datierung mancher Synagogen aus jener Gegend. Die meisten Dörfer in Galiläa hatten eigene jüdische Gebetshäuser oft mit aufwändigen Mosaikböden. Derjenige in Khirbet Wadi Hamam ist besonders gut erhalten.

(Quelle: Aussenministerum, 15.12.11 von Avigayil Kadesh)

Bike & Hike im Negev

Bike & Hike im Negev

Quelle: Bikeboard.at

Zwei Bikeboarder fuhren in die Wüste und fanden das Glück. Auf dem Exodus Trail durch das Land der Krater. Ein Reisebericht in Überlänge.

   

Stop surfing, guys

„Stop surfing, guys“, sagt Ziv. Mahnend blickt er auf unsere Smartphones und Laptops, eine riesige Bratreine mit dampfender Lasagne in der Hand. Um seine Schulter hat er ein Handtuch geworfen. Der Selbstverständlichkeit nach, mit der es dort bleibt, begleitet es ihn wohl regelmäßig vom ersten Zwiebelschneiden bis zum Abräumen der Essensreste.
Der Hausherr der Desert Lodge war nur wenige Augenblicke in der Küche, um den Hauptgang zu holen. Ganz Workoholic, haben wir die kurze Unterbrechung des Abendessens für einen schuldbewussten Blick in unsere Mailboxen genutzt. „Schluss jetzt. Ihr müsst abschalten“, brummt der 52-Jährige in den Kragen seines einfachen T-Shirts und bereut in diesem Moment sichtlich, einen offenen W-Lan-Zugang in seinem Aufenthaltsraum eingerichtet zu haben.Auf dem langen, hölzernen Tisch reihen sich bereits unzählige Teller und Schüsseln aneinander: knackfrische Oliven, cremiges Humus, würziger Krautsalat, süße Tomaten, aromatische Falafel, duftendes Fladenbrot, scharfe Kartoffelsuppe, … Irgendwo zwischen Joghurt-Dip, Tahine-Paste und Ziegen-Frischkäse findet aber auch die Lasagne noch Platz.
„Bete`avon“ nickt Ziv in die Runde, nachdem er seine etwas steifen Knochen mit leisem Ächzen auf die niedrige Sitzbank gefaltet hat. „Le’chájim!“ antworten Samuel und Baruch fast synchron, und heben ihre Gläser. Tiefrot leuchtet der hier im Haus gereifte Wein im Schein der rustikalen Deckenlampen. „Auf eine gute Zeit!“
 
     
 
Das ist Israel. Richtiger: Das also ist der Negev. Denn der Brennpunkt des Nahost-Konflikts und sein immer schon unumstrittenster Teil, die Wüstenregion im Süden des Landes, haben relativ wenig miteinander gemein. Offiziell sind sie eins, tatsächlich handelt es sich um zwei verschiedene Welten. Oder, wie unser Guide Ziv Sherzer es im offensichtlich geübten Umgang mit potenziell besorgten Touristen ausdrückte, während wir von der pulsierenden Metropole Tel Aviv ins verschlafene Mitzpe Ramon fuhren: „If there are missiles in Gaza, we don’t feel it.“

Kurz vor dem Zentrum des Bergarbeiter-Städtchens wies uns ein Holzschild mit der Aufschrift „Desert Lodge. Eco Vacation“ den Weg. Straßenseitig unterscheidet sich Ziv Spectors Anwesen kaum von den Häusern und Hütten der „unrecognized cities“ (illegal errichtete Siedlungen sesshaft gewordener Nomaden) um die Hauptstadt des Negev, Be‘er Sheva: geduckte Dächer, ein rostiges Gatter und Hauswände, die mit ihrem improvisiert wirkenden Materialmix nicht den Eindruck machen, als seien sie für die Ewigkeit gebaut. Aber wer sich die Unverfälschtheit der Wüstennomaden auf seine Fahnen heftet, hat genau das auch nicht im Sinn.
Hofseitig tun sich den Besuchern der Desert Lodge dafür Himmel und Erde gleichzeitig auf. Eine große, mit Steinen gepflasterte Terrasse zieht sich über die gesamte Grundstücksbreite. Unmittelbar davor bricht der Boden ab und gibt den Blick frei in einen Kessel gigantischen Ausmaßes. Tief unten windet sich eine Straße durch Stein und Geröll. Allenthalben verstellen ihr kleine Hügel oder ausgewachsene Berge den Weg. Links und rechts stürzen Felswände zu Boden, die zerfurchter und schroffer nicht sein könnten. Es ist, als ob wir von einer Oase der Ruhe und Stille aus direkt in die Eingeweide unseres Planeten schauen würden. Nach hinten verlieren sich die unzähligen Rot-, Gelb- und Braunschattierungen der Wüste in einem einheitlichen Grau-Blau: das südöstliche Gegenstück zu der Wand, an der wir selbst gerade stehen, und dahinter Jordaniens Berge.
Unsere Unterkunft liegt direkt an der steilen Nordwestkante des Machtesch Ramon (Krater von Ramon). Das ca. 40 km lange und 12 km breite Becken ist der größte von drei Kratern im Negev. Der Leiter der 1989 gegründeten Desert Shade Group nützte unsere Sprachlosigkeit für einen Ratschlag. „Start looking, smelling, feeling, guys“, sagte Ziv.

 

    

Über die Entstehung des Machtesch Ramon gibt es unterschiedliche Theorien. Manche glauben an Erdsenkungen über gewaltigen Hohlräumen vor 70 Millionen Jahren. Andere, wie unser Guide Ziv Sherzer, studierter Hydrogeologe, macht das Zusammenspiel von tektonischen Plattenbewegungen und damit einhergehenden Gebirgsauffaltungen, Erosion durch Wind und Wetter sowie hier früher fließenden Gewässern verantwortlich. Sicher ist: Der Krater ist nicht vulkanischen Ursprungs, beinhaltet aber auch Formationen, die dies nahelegen könnten: spitze Kegel, schwarze Basaltsäulen, kreisrunde Einbuchtungen.
Ein bisschen fassungslos und ganz schön überwältigt stolpern wir an diesem ersten Nachmittag entlang des Israel Trails und weiterer markierter Wanderwege durch die faszinierende Steinwüste.
Der Machtesch Ramon ist ein Naturreservat. Dementsprechend dürfen hier die Jeep-Straßen und Pfade nicht verlassen werden, ist wildes Campieren nicht gestattet, hat man das Gebiet vor Einbruch der Dunkelheit zu verlassen. Für Interessierte wurde in Sichtweite der Desert Lodge ein Besucherzentrum eingerichtet, das einen Überblick über Flora, Fauna und Geologie des Kraters vermittelt. Wir haben mit Guide Ziv unsere allwissende Informationsquelle praktischerweise stets dabei.Gegen Ende unserer ersten Wanderung erreichen wir Chan Saharonim, die Überreste einer Jahrtausende alten Karawanserei. Sie liegt an der einzigen Quelle des Machtesch Ramon. Von Wasser ist nun, am Ende der Trockenzeit, nichts zu sehen. Aber ein paar Grasbüschel, Schilfhalme und Sträucher gruppieren sich um eine Senke im Boden. Daneben markiert ein rund 40 x 40 m großes Steingeviert die Überbleibsel eines von Menschenhand errichteten Gebäudes. Alle 30, 35 Kilometer, also dem ungefähren Tagesmarsch einer Kamelkarawane entsprechend, flankierten zur Zeit der Nabatäer solche befestigten und bewachten Raststationen die hier entlang führende Spice Route, erzählt Ziv. Sie boten den Reisenden, die auf diesem wichtigen Handelsweg Gewürze und Waren vom Persischen Golf nach Gaza brachten, Schutz vor Überfällen.

Schon nach unserem ersten Tag in der Wüste Negev schwirrt uns der Kopf vor Eindrücken, Informationen, Geschichten aus längst vergangenen und hier doch auf Schritt und Tritt präsenten Tagen. Dabei fängt das Abenteuer mit Tag zwei erst so richtig an.
Für den Initiator unserer Reise, Baruch Roth, insofern, als ihm die erste Mountainbike-Tour seines Lebens bevorsteht. „Ich kann doch nicht verkaufen, was ich nicht kenne“, erklärt der zum Studium nach Deutschland ausgewanderte und dort hängengebliebene Israeli, warum er sich mit 64 Jahren noch einer solchen Herausforderung stellt. Im normalen Leben ist der gelernte Architekt vor allem Organisator von Kulturreisen. Begeisterter Alltagsradler, steht er nach einem Jahr der Verhandlungen und Abstimmungen nun vor der Realisierung eines lang gehegten Traums: Bike & Hike-Aktivurlaub in der Wüste Negev anzubieten.

Unter dem Namen „Exodus Trail“ hat die Desert Shade Group derlei Kombi-Touren schon länger im Programm. Wir befinden uns mit Baruchs Kooperationspartnern also in den Händen echter Profis. In Anspielung an Moses Auszug aus Ägypten und der anschließenden 40-jährigen Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste möchten Ziv & Co. dort entlang führen, „wo alles begann“. Wer dahinter eine als Reiseangebot getarnte Gehirnwäsche religiöser Fanatiker vermutet, irrt gewaltig. Unsere Begleiter sind säkulare bzw. traditionelle Juden, muslimische Beduinen, politische Freigeister. Ihnen geht es darum, ihre Faszination für den Negev zu teilen, Verständnis für die Kreativität und Leistungen seiner früheren und jetzigen Bewohner zu wecken und etwas von der Kraft und Ruhe zu vermitteln, die dieser Steinwüste innewohnt.

 

    

Keep riding, guys

„Keep riding, guys“, sagt Ziv. Gerade hat er unsere für die Nacht im Beduinenzelt gepackten Koffer übernommen, die er uns nachbringen wird. Sie sind prall gefüllt und schwer.
Die Tour beginnt vor der Bibliothek der Negev-Hochschule Midreshet Sde Boker. Dort hat Staatsgründer David Ben Gurion seine letzte Ruhestätte gefunden. Jener Mann, der am 14. Mai 1948 den unabhängigen Staat Israel proklamierte und sich nur einen Tag später im Krieg mit sämtlichen arabischen Nachbarländern sah, ist das berühmteste Mitglied des nahegelegenen Kibbuz Sde Boker. Zeitlebens pflegte der erste Ministerpräsident den Kontakt zu seiner Heimatregion. Sein kleines Wohnhaus kann mit originaler Einrichtung besichtigt werden. Noch mehr aber lohnt der Blick von der Terrasse seines Grabes über die Canyon-artigen Schluchten des Wadi Zin.
Über eine schmale, kurvige Straße fahren wir hinab in das mächtige Tal und weiter auf Jeep-Tracks, bis ein Fahrverbotsschild uns den Wechsel auf zwei Beine gebietet. Immer näher rücken die zuvor weit auseinander liegenden Felswände, bis sie allmählich eine Schlucht bilden. Gleichzeitig wird die Vegetation üppiger, und plötzlich stehen wir vor einer beinahe kreisrunden, mit Wasser gefüllten Wanne aus Stein – die Quelle Ein Akev. Meterhoch ragen rundherum Kalktürme in die Luft. Von ihnen in den Teich zu springen ist (zumindest im Sommer) ungefähr so verlockend wie verboten – und wahrscheinlich gerade deshalb ein beliebtes Freizeitvergnügen der Israelis am arbeitsfreien Shabbath.Mittlerweile hat die Sonne an Kraft gewonnen und wir wandern in dünnen Langarm-Shirts weiter durch eine immer bizarrer geformte Felslandschaft. Gerade als uns die Vokabel ausgehen, um die Mischung aus tiefblauem Himmel, kreidebleichen Kalkfelsen und grünen Sumpfpflanzen in immer neuen Worten zu bewundern, zweigt unser Weg nach Westen ab, hantelt sich geradewegs die Felswände empor und entlässt uns in die endlosen Weiten des kargen Hügellandes um Avdat. Spektakuläre Gesteinsformationen sucht man hier vergeblich. Aber auch die vermeintliche Ödnis dieses Hochlandes entwickelt bei längerer Betrachtung ihren Reiz. Farbnuancen, Miniatur-Windhosen, Licht-Schatten-Wechsel …
Die im 3. Jh. v. Chr. erbaute Ruinenstadt der Nabatäer bekommen wir, von ihrem respekteinflößenden Profil am Rande eines zerklüfteten Bergplateaus abgesehen, nicht zu Gesicht. Dafür erwartet uns am Fuß der 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Siedlung eine andere Überraschung: Samuel steht nicht nur mit dem Anhänger bereit, um uns wieder auf Räder zu setzen. Er hat außerdem ein ausgewachsenes Picknick vorbereitet.
Aus seinem zum wüstentauglichen Mobile Home umgebauten Defender hat der Allrad-Spezialist alles gezaubert, was eines hungrigen Nomaden Herz begehrt – und noch ein bisschen mehr. Denn zu den bereits vom Vorabend bekannten Köstlichkeiten gesellen sich Nüsschen, Kekse, Kuchen und sogar Kaffee, zubereitet auf türkische Art. Unser zufriedenes Schmatzen bereitet dem erfahrenen 4×4-Expeditionsleiter sichtliche Freude: Ein beruhigter Ausdruck legt sich über sein Gesicht. Spätestens jetzt können wir uns sicher sein: Mit diesem Mann als Backup-Guide würden wir selbst am Ende der Welt noch pünktlich am vereinbarten Treffpunkt abgeholt und wären jederzeit sain et sauf.
     
 
 
Die seit unserer Ankunft über Tel Aviv wütende Regenfront ist bedrohlich nahe herangerückt, also drückt Ziv, kaum aufgesessen, ordentlich aufs Tempo. „Think like a camel, ride like a nomad“, hat sich der Weltenbummler zum Motto gemacht. Und tatsächlich findet der weitgereiste Israeli deutsch-marokkanischer Herkunft mit traumwandlerischer Sicherheit seinen Weg, wo unsereins nur loses Geröll und spitze Steine sieht.
Eigentlich befinden wir uns hier auf markierten MTB-Wegen, für die es sogar eine eigene Karte und Schilder gibt. Ziv selbst hat viele der Wegweiser in die harte Erde gerammt. Allerdings machen sich Beduinenkinder einen Sport daraus, die Holzschilder zu verbrennen, weshalb nicht Ortskundigen die Orientierung mehr als schwer fallen dürfte. Aber nicht nur deshalb ist unser Guide einmal mehr Goldes wert. Der dunklen Wolkenwand zum Trotz garniert er auch diese Fahrt mit mehreren Zwischenstopps. Unter anderem führt er uns in das Innere einer gigantischen, tausende Jahre alten Zisterne und erklärt uns das dahinterliegende System der Wasserreinigung und -speicherung, zeigt uns Felsmalereien, die bis in die Jungsteinzeit zurückdatieren und erzählt Geschichten von möglichen Wirkungsstätten Moses, die einzig den Haken haben, dass moderne Methoden der Altersbestimmung ein Missing Link von 1.000 Jahren festgestellt haben.
Als krönender Abschluss folgt der „Widow Trail“. Von der Desert Shade Group gebaut, mäandert er lenkerbreit in sanften Kurven die Hügel hinab. Ausnahmsweise liegen kaum Steine im Weg, auf überraschend griffigem Sand rollen wir sanft dem Talboden entgegen, im Rücken einzelne Sonnenstrahlen, die kurz vor der Dämmerung doch noch durch die Wolken gebrochen sind.
 
 
     
 
 
    
 
 
 

 

Keep listening, guys

„Keep listening, guys“, sagt Ziv. Soeben hat er uns vom Endpunkt unserer Tour zu einem nahegelegenen Ableger der israelischen Espressobar-Kette Aroma geshuttelt. Auf dem Weg dorthin musste er als Prellbock für all das Gesehene und Gehörte herhalten. Wir wärmen uns auf, befreien grob die Hände und das Gesicht von Staub und Schweiß, trinken einen Schluck heißen Kaffees und fragen, dem ob der Dunkelheit zum Aufbruch drängenden Ziv zum Trotz, kurz unsere E-Mails ab. Immerhin ist für die nächsten 20 Stunden kein Handy-Empfang zu erwarten. Dann geht’s mit Sack und Pack, Rädern und Jeep in die Beduinen-Siedlung Aricha.
Ärmlich und ein wenig trostlos muten deren in einer Senke gruppierten Behausungen an. Wellblech, Holzpfosten, Plastikflaschen – als Baumaterial scheint alles gedient zu haben, was gerade herumgelegen war. Eine große Schar Ziegen und vier Kamele hinter robusten Zäunen beobachten misstrauisch unsere Ankunft, schüchtern lugen auch neugierige Kindernasen ums Eck. Wir werden in ein aus Plastikplanen, Ziegenhäuten und Teppichen erbautes Zelt gebeten. Bis auf eine bereits aktive Feuerstelle, ein kleines Tischchen mit Blechkanne und Gläsern sowie unzählige bunte Matten ist der riesige Raum leer. Unsere Koffer und Trolleys wirken deplatziert. „Welcome to my mother’s house“, begrüßt uns ein hochgewachsener Mann mit weißem Turban, labbrigem Kapuzenpulli und abgenützten Turnschuhen.
Bis auf seine recht westlich anmutenden Kleidung geht Salman als Prototyp eines Beduinen durch – oder dessen, was sich ein Österreicher eben unter einem mit seinen Tieren umherziehenden Araber vorstellt: dunkle, quicklebendige Augen, nicht allzu viele Worte, aber jede Menge Lebensweisheit in jeder Geste, jedem Blick. Mit ruhiger Stimme führt uns der Halbnomade in die Geschichte seiner Familie, seine Lebensweise und seine Gebräuche ein. Er erzählt vom Gebot der Gastfreundschaft, die selbst Angehörigen verfeindeter Stämme gebührt, von den Problemen mit den Nationalpark-Rangern, die ihm mit ihren Durchgriffsrechten den Zutritt zu seit Generationen benütztem Weideland verwehren, von der Nutzung der ausschließlich Heilkräuter fressenden Kamele als Lastentiere und Apotheke (Beduinenkinder etwa werden mit zwölf Monaten von Mutter- auf Kamelmilch umgestellt) und vom guten Auskommen, das ihm seine Ziegen mit ihrer Milch, ihrer Haut, ihrem Fleisch und ihrem Fell gewähren.
 
 
 Früher einmal verdiente Salman gutes Geld mit der Organisation von Incentives für Superreiche mitten im Negev. Heute beschränkt er sich auf gelegentliche Gruppenabende wie diesen für seinen Freund Ziv. „Wieviel Geld kannst du schon ausgeben?“ fragt der Beduine und greift sich mit einer Geste des Unverständnisses an den Kopf. „Drei warme Mahlzeiten täglich und das, was die Kinder für die Schule brauchen.“

Lange noch sitzen wir an diesem Abend um das Lagerfeuer, gesättigt von köstlichem Huhn mit Gemüse und Reis, gepusht von süßem Schwarztee mit Koffein. Die Israelis diskutieren über Gott und die Welt, die Freilassung des Soldaten Gilad Schalit, die (Un-)Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf den Iran, die Schwierigkeit ihres aus aller Herren Länder zusammengewürfelten Volkes, einen Nationalbegriff zu definieren. Die Tatsache, dass im Negev von den täglichen Scharmützeln des Nahost-Konflikts wenig zu bemerken ist (mit einer Ausnahme: Gerne nützen, wie wir am letzten Tag bemerken werden, die F16-Bomber der israelischen Armee das menschenleere Gebiet zum Trainieren. Und manchmal kommt ihnen dabei auch ein Überschall-Knall aus, der die Lampen von Zivs Decke holt), bedeutet nicht, dass seine Bewohner sich in Realitätsverweigerung ergehen.
Der labile Status quo ist selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens, alleine schon deshalb, weil jeder Staatsbürger drei Jahre Militärdienst (Frauen: zwei) zu absolvieren hat. Auch der steigende Einfluss der Ultra-Ortodoxen, der Siedlungsbau in den besetzten Gebieten, der Umgang mit den beschränkten Trinkwasser-Ressourcen oder die verheerenden Auswirkungen der zweiten Intifada auf den gerade erst angelaufenen Tourismus liefern Stoff für Diskussionen. Gelernten Österreichern wie Erwin und mir offenbaren derlei unmittelbare Landeskunde-Einheiten eklatante Wissenslücken und machen uns deutlich, dass die hierzulande übliche Skepsis und Besorgnis bei Ausgabe des Urlaubszieles Israel vor allem auf Ahnungslosigkeit basiert.

 

   

Keep walking, guys

„Keep walking, guys“, sagt Ziv. Die Nacht im Zelt war überraschenderweise nicht kälter als jene in den ungeheizten Hütten seiner Lodge. Nach einem reichhaltigen Frühstück, einer erfrischenden Katzenwäsche unter der Wasserleitung und einem „shit in the bush“ (den es in der kargen Senke überhaupt einmal zu finden gilt) entlässt uns der Drahtzieher des Wüstentrips erneut in die Obhut von Salman, Samuel und Ziv.
Zu Fuß führt uns der Beduine tiefer in das Land seiner Vorfahren. Negev kommt vom hebräischen Nagev und bedeutet >getrocknet<. Bereits am Vortag hatte uns Ziv immer wieder auf niedrige Steinmauern, halbverfallene Terrassen und eben die Zisternen bei Avedat als beeindruckendstes Relikt ihres ausgeklügelten Bewässerungssystems aufmerksam gemacht. Nun zeigt uns Salman, dass im Prinzip jeder Hügel, jede Furche mit Resten davon übersät ist. Mittels Aquädukten, Sammelbecken, kleiner Staumauern oder kilometerlanger Begrenzungswälle leiteten diese „very wise people“ die wenigen Niederschläge auf ihre Felder.
Staunend beobachten wir anschließend, dass Salman selbst nicht weniger versiert im Umgang mit dem Nichts scheint. Aus etwas Wasser und Mehl knetet der Beduine einen Teig, entfacht ein Feuer aus dem umliegenden Gestrüpp und bäckt in dessen heißer Asche den Teig zu delikatem Fladenbrot, während daneben Tee aus nebenbei gesammelten Kräutern aufkocht.
 
 
     
Dermaßen gestärkt, sind wir gerüstet für die nächste Radtour. Durch die mächtigen Trockentäler des Nachal Aricha und Nachal Chawa führt unsere Route zurück zum Machtesch Ramon, und dann direkt am Kraterrand entlang nach Hause.
Mit den Mountainbikes bewegen wir uns mehrheitlich auf alten Kamelpfaden. Das hat den Vorteil, dass sich die Steigungen in Grenzen halten, weil die Wüstenschiffe nur geringe Höhenunterschiede pro Tritt absolvierten. Technisch einfacher werden die Trails dadurch aber nur bedingt. Es ist ein ständiges Manövrieren vorbei an Felsbrocken, Balancieren über schmale Grate, Hoppeln über kleine Stufen und Rutschen über loses Gestein.
Allerdings wählt Ziv diese Routen nur, weil er weiß, dass wir die Herausforderung suchen. Es ginge jederzeit auch einfacher, kürzer, relaxter, versichert unser Guide. Vorrangig meint er damit den Verbleib auf Jeep-Trails. Dort sind hängende Kurven, gelegentliche Sandgruben und tiefe Schlaglöcher das Salz in der Suppe, und manchmal klettern wir auf diesen autobreiten Pisten auch kerzengerade einen Hügel empor. Dann dauert es in dem Land, wo Milch und Honig fließen, nur kurz, bis auch der Schweiß in kleinen Bächen rinnt. Tatsächlich hat auf diesen leichteren Varianten aber selbst ein (allerdings extrem begabter) Anfänger wie Baruch seinen Spaß.
 
     
 
Eine Frage, die Ziv aufgrund der vielen Möglichkeiten, abzukürzen oder zu verlängern, nie beantworten kann oder will, ist jene nach der Dauer einer Tour. „Es dauert, so lange es dauert“, erwidert er dann ausweichend. Menschen, die ihre Tage gerne exakt planen und sich in Sicherheit wiegen, wenn sie konkretes Zahlwerk im Hinterkopf haben, irritiert er damit anfangs gewaltig. Mit der Zeit jedoch lernen wir, dem 37-Jährigen zu vertrauen. Es dauert, so lange es dauert. So lange es Spaß macht, so lange das Wasser reicht, so lange wir Kraft haben. Wie er und Samuel es allerdings schaffen, sich trotz dieser Unbestimmtheit jedesmal auf die Minute genau zu verabreden, bleibt uns ein Rätsel.
Ausgepowert, aber glücklich, erreichen wir nach vier Stunden knackiger Fahrt wieder die Desert Lodge. Deren einfache Gemeinschaftsduschen erscheinen nach zwei Tagen ohne Sanitäranlagen wie ein Wellness-Tempel im Paradies. Dass der Tacho nur lasche 40 Kilometer und 500 Höhenmeter ausspuckt, tragen wir mit Fassung. Herz und Hirn haben dafür mit einem umso größeren Datenwulst zu tun.
 
 
Einen weiteren Tag verbringen wir am und im Krater Ramon, wandern und biken entlang der Spice Route, bewegen uns auf den Spuren von Nomaden, Kamelen und Co. und verlieren uns im sanften bis dramatischen Auf und Ab des Landes, wo alles begann. Bevor wir hierher kamen, hatten wir keine Ahnung, was uns erwarten würde. `Biken in Israel, geht das überhaupt?´ wurden wir gefragt, und wussten die Antwort selbst nicht so genau. Jetzt ahnen, nein, wissen wir, dass wir wiederkommen werden. In diese Wüste mit ihren offenen und verborgenen Reichtümern, ihrer Weite, Stille und Farbenpracht. Und zu diesen Menschen, die uns so völlig eingenommen haben, mit ihrer Offenheit, ihrem Wissen, ihrer Wärme und Gelassenheit.Letzter Abend. Wir sitzen erneut im Aufenthaltsraum der Desert Lodge zusammen. Ziv kommt aus der Küche, das obligate Handtuch um die Schulter, eine riesige Stielpfanne in der Hand. Darin süßlicher Reis und gegrillte Barramundis. Wie ziemlich alles, was der exzellente Koch serviert, stammt auch der an sich australische Fisch aus dem Negev, wird gezüchtet in Salzwasserbecken etwas nördlich der Stadt Abrahams, Be‘er Sheva.
Ziv blickt sich um. Einige plaudern, schauen durch die Fotos der vergangenen Tage, alle anderen Computer sind aus. Die Handys liegen irgendwo. „Bete`avon“, sagt unser Gastgeber. Ein zufriedenes Lächeln umspielt seinen Mund.
 
    
 
 

Bonus Track: Jerusalem

    

Als Kontrastprogramm und Überbrückung für einen verschobenen Flug organisierten Baruch und Ziv uns kurzfristig einen Tag in Jerusalem. Ist ein Aufenthalt in der Heiligen Stadt an sich schon faszinierend, gerät sie vollends zur lange nachwirkenden Horizonterweiterung, wenn sich ein historisch und religionswissenschaftlich bewanderter Mensch wie Samuel Dimant spontan als Reiseführer zur Verfügung stellt.Die Eindrücke aus diesem Schmelztiegel der Religionen, Völker und Weltsichten werden hier aus Platzgründen nur mit einem Best-of von Erwins Bildern erzählt. Von Seiten der Redakteuse nur so viel: Jerusalem ist betörend und verstörend zugleich. Mit seinem undurchschaubaren Labyrinth aus Bazaren, Kirchen, Imbissbuden, Katakomben, seinem Gemisch an fremdartigen Geräuschen und Gerüchen, seinem Aufeinanderprallen von schwarz gekleideten ultraorthodoxen Juden, Geschäfte machenden Arabern, bis an die Zähne bewaffneten Soldaten, seinen buchstäblich übereinander gestapelten Zeugnissen von Kunst, Kultur und Religion ist diese Stadt das beste Beispiel für die Erklärung des Wortes „Kontrast“.
 
     
 
 

Wüste Negev, Israel: Alle Infos

Lage: Israel liegt am östlichen Ende des Mittelmeeres und ist verhältnismäßig klein: Die größte Länge beträgt 420 km, die Breite 14 bis 116 km. Amtssprachen sind Hebräisch, Arabisch und Englisch. Die angrenzenden Staaten sind der Libanon im Norden, Ägypten im Süden, Jordanien und Syrien im Osten. Die Gegend ist auf Grund des Konfliktes zwischen Palästinensern und Israelis immer wieder in den Schlagzeilen. Doch ungeachtet der politisch labilen Situation ist Israel ein wunderschönes Land, das auf extrem engem Raum die unterschiedlichsten Landschaften vereint. Eine davon ist die im Süden gelegene Felswüste Negev, die 60 % der Staatsfläche einnimmt.

Klima: Israel liegt im Übergangsbereich vom Mittelmeer- zum Wüstenklima. Im bis zu 1.000 m hoch gelegenen Negev schwanken die Tages- und Nachttemperatur stärker als die Sommer- und Wintertemperatur. Hier regnet es nur wenige Tage im Jahr (November bis März), im Juli und August wird es zum Radfahren zu heiß. Während unseres Aufenthaltes sanken die Temperaturen nachts auf knapp über Null, unter tags erreichten sie 14 bis 22 Grad. Die beste Reisezeit ist September bis Mai, speziell Radfahrern empfiehlt sich Israels Süden also als klimatisch stabile Winter-Destination. Im März finden fünf UCI-kategorisierte XC-Rennen statt.

Anreise: Wer nach Israel fliegt, muss beim Check-in mit langwierigen Sicherheitskontrollen rechnen, besonders bei der größten israelischen Fluggesellschaft El-Al (aus eben diesem Grund wählen Einheimische aber bevorzugt diese Linie). Sich wie angegeben drei Stunden vor Abflug am Flughafen Ben Gurion, zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen, einzufinden, ist deshalb ratsam; beim Hinflug reichen 2 h. Uns haben neben dem großzügigen Platzangebot, dem leckeren Menü und dem durchwegs freundlichen Personal vor allem auch die Konditionen bei El Al überzeugt: Mit gut 300 Euro ist man ab Wien dabei, für Räder wird keine Extra-Gebühr berechnet, sie anzumelden genügt. Von München fliegt die Airline täglich außer Dienstag und Samstag, ab Wien täglich außer Freitag und Samstag, Flugzeit 3,5 h. Berlin, Frankfurt und Zürich sind weitere El-Al-Posten im deutschsprachigen Raum. www.elal.de

 

Ausrüstung: Wer nicht das eigene Bike mitnehmen will, kann eines mieten. Sowohl bei der Desert Shade Group als auch imShop Geofun erhält man einfache Alu-Hardtails mit V-Brakes und Flatpedals. Für den Einsatz in der Wüste reicht dieses Setup völlig, wer Glück und Zivs Größe hat, kommt aber vielleicht auch in den Genuss eines Upgrades aus dessen Privatbestand. Klickpedale müssen, wenn gewünscht, mitgebracht werden, aufgrund der mehrfachen Wechsel von Bike auf Hike sind allroundtaugliche Outdoor-Schuhe aber die bessere Variante. Haube und warme Kleidung sind spätestens nachts Pflicht, für die sportlichen Betätigungen ist von kurz/kurz bis lang/lang alles ratsam. Ein verlässlicher Windschutz sollte ebenfalls mit, Schlafsäcke können bei Bedarf auch ausgeliehen werden.

Kontakt: Bike & Hike in der Wüste Negev ist ein Kooperationsprojekt. Der Aktivurlaub ist samt Flug und fundierter Beratung buchbar über Baruch Roths Reiseagentur Flugcontact in Berlin und wird vor Ort betreut und organisiert von der Desert Sahde Group. Letztere wiederum setzt sich zusammen aus Ziv Spector und dessen Lodge,Samuel Dimant und dessen Allrad plus Rad-Anhänger, Ziv Sherzer (oder einem anderen Guide) und dessen Wissen über Land, Leute, Gepflogenheiten und Trails.
Eine ähnliche Unternehmung auf eigene Faust anzugehen, empfiehlt sich übrigens nicht. Einerseits könnten Wasser- und Verpflegungsmangel zu einem bösen Erwachen führen. Andererseits existieren militärische Sperrgebiete, deren Zugangsregelungen man kennen muss. Davon abgesehen, dass das Geleit versierter Wüstenfüchse, wie es die Desert Shade Group-Mitglieder sind, Türen und Tore öffnet, die anderen Touristen verschlossen bleiben.

Buchung: Reiseagentur Flugcontact, Berlin, Baruch Roth
Tel. +49-30-24342420, roth@flugcontact.netwww.flugcontact.net
Betreuung vor Ort, Guiding: Desert Shade Group, Mitzpe Ramon – Tzell Midbar, Ziv Spector
Tel. +972-8-6586229, team@desert-nomads.comwww.desert-nomads.com

Package: Zusätzlich zum Bike&Hike-Programm können individuelle Verlängerungstage z.B. in Tel Aviv oder Jerusalem gebucht werden, auch kürzere Varianten oder die Kombination mit weiteren Aktivitäten (z.B. Israel Trail,Jesus Trail) ist möglich. Das achttägige Exodus Trail-Programm startet einmal monatlich ab einer Mindest-Teilnehmerzahl von zwei Personen (max. 12, ab 6 Pers. auch Individual-Arrangements möglich; Fix-Termine: 9.1./6.2./12.3./15.4./6.5./2.9./14.10./4.11./2.12./23.12. 2012). Im Preis von 1.440 – 1.650 Euro (abhg. v. Pers.Anzahl) sind Verpflegung, Nächtigung, Guiding, 4×4 Begleitauto, Mieträder, Kurzbesichtigung der Jerusalemer Altstadt und Transfers (von/zu Flughafen bzw. Hotel, nach Jerusalem mit Zwischenstopp am Toten Meer) inkludiert. Weitere Touren wie ein Weekend-Regular (Mi-So) sind in Ausarbeitung.

 
   
Homebase: Die Desert Lodge ist abgesehen vom riesigen Aufenthaltsraum mit W-Lan einfach gehalten: schlichte Gemeinschaftsduschen, wahlweise Nächtigung im Beduinenzelt oder 2-Personen-Hütten mit auf einem gemauerten Podest drapierten Matratzen, einem Berg Decken, keinem Mobiliar, keinen Steckdosen. Aktuell ist Ziv am Überlegen, ob er seiner Unterkunft nicht doch einen Hauch von Luxus angedeihen lassen soll. Noch aber setzt er auf andere Reichtümer: herzlichste Gastfreundschaft, fantastische Küche, atemberaubende Kulisse am Rande des Kraters Ramon.
Perfekte Anlaufstation in Jerusalem ist das mitten im Zentrum gelegene Abraham Hostels. Die günstige (Jugend-)Herberge ist Teil eines über ganz Israel verstreuten Verbundes (www.hostels-israel.com), verfügt über saubere, klimatisierte Zimmer, einen riesigen Gemeinschaftsraum inkl. Bar und Küche und ein angeschlossenes Reisebüro mit interessanten Halb-, Ganz- und Mehrtagestouren in die nähere und fernere Umgebung. Räder oder auch Radkoffer können in einem versperrbaren Raum aufbewahrt werden, zur raschen Orientierung gibt’s fantastische Services wie einen allwissenden Stadtplan.

Weitere Infos: Die Homepage des staatlichen israelischen Verkehrsbüros in Berlin bietet alles, was des Reisenden Herz begehrt: www.goisrael.de

Ostern in Israel – eine Reportage

Israel auf den Spuren der Bibel – Ostern im Heiligen Land

von Blacky Neubauer

Nirgendwo sind Sie der biblischen Geschichte so nah wie im Heiligen Land. Hier liegt Bethlehem, Jesu Geburtsort. Der See Genezareth, an dem Jesus viele Wunder vollbrachte. Auch Jerusalem, der Ort der Leidensgeschichte und Auferstehung Christi, lässt die Bibel lebendig werden.

Neben vielen religiösen Stätten bietet Israel aber auch großartige Natur und aufregendes Stadtleben. Mehr Abwechslung geht nicht.

Nazareth

Beginnen Sie Ihre Reise auf den Spuren der Bibel in Nazareth. Hier in den sandsteinfarbenen Gassen des kleinen Pilgerstädtchens im Norden Israels liegt die Wiege des Christentums (Bild). In Nazareth verbrachte Jesus seine Kindheit und Jugend.

Wo einst Maria und Josef gewohnt haben sollen, befindet sich heute die Verkündigungsbasilika. Ganz in der Nähe ist die Kirche des Heiligen Josefs, erbaut an der Stelle, an der Marias Ehemann seine Zimmerei hatte.

Mehrmals am Tag mischt sich das Glockenläuten der 30 Kirchen und Klöster mit dem Ruf des Muezzins. Denn Nazareth ist mit 60 000 Einwohnern die größte arabische Stadt Israels.

Auf dem Markt in der Nähe der Weißen Moschee duftet es nach ofenfrischem, arabischen Brot, Einheimische und Pilger genießen den mit Kardamom gewürzten Kaffee. Ganz in der Nähe – inmitten der hügeligen Landschaft Galiläas, die im Frühjahr von bunten Wildblumen übersät ist – liegt Kana, wo Jesus auf einer Hochzeit Wasser in Wein verwandelt haben soll.

Und mitten in Nazareth startet der Jesus-Trail, ein 65 km langer Wanderweg, der direkt nach Kafarnaum am See Genezareth führt.

(Bild: Verkündigungsbasilika in Nazareth)

 

See Genezareth

Eine gut ausgebaute Straße windet sich hinunter zum See Genezareth, der 212 Meter unter dem Meeresspiegel liegt und der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde ist. Hier predigte Jesus und heilte Kranke.

In Kafarnaum am Nordufer des Sees traf er seine ersten Jünger, die Fischer Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Ein wunderschönes Mosaik in der drei Kilometer entfernten Kirche von Tabgha erinnert an das Wunder der Brotvermehrung, bei dem Jesus fünf Brote und zwei Fische nahm, ein Gebet sprach und 5000 Menschen speiste.

1986 wurde im See ein 2000 Jahre altes Holzboot freigelegt, das im Yigal Allon Museum im Kibbuz Ginossar am Westufer zu sehen ist (Eintritt 4 Euro). In einer Nachbildung dieses Fischerbootes – das Jesus Boat – kann man heute über den See gleiten.

Rund um den See Genezareth, der vom Jordanfluss gespeist wird, gibt es herrliche Strände und Wasserparks. Ein schöner Radweg führt durchs fruchtbare Bethsaida-Tal am Nordostufer. Dort soll Jesus einen Blinden geheilt haben.

Jerusalem

Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte Jesus in Jerusalem. Die beste Aussicht auf die Altstadt und den Felsendom hat man vom Ölberg, wo der Garten Gethsemane liegt, in dem Jesus in der Nacht vor seiner Kreuzigung betete.

Uralte Olivenbäume sind das Wahrzeichen des 30 Hektar großen Parks. Durch das Löwentor geht es in die Altstadt Jerusalems, wo die Via Dolorosa, der Leidensweg Jesu, liegt. Der 14 Stationen lange Kreuzweg führt zur Grabeskirche.

Vor allem bei der Freitagsprozession drängen sich Tausende Gläubige aus aller Welt durch die Gassen. Manche tragen riesige Holzkreuze, um das Leiden Christi nachzuempfinden.

Wer einen Blick auf das Grab Jesu werfen will, muss oft stundenlang Schlange stehen. Abends geht’s zum Kneipenbummel ins angesagte Nahalat-Shiva-Viertel mit kleinen Bars und Restaurants.

 

 

Zwischendurch stärken Sie sich mit Falafel (frittierte Kirchererbsenbällchen) oder Shawarma (Fladenbrot mit Fleisch und Joghurtsoße).

 

 

Bethlehem

Eine große Ausfallstraße im Süden Jerusalems führt direkt nach Bethlehem, dem Ort, wo alles begann. In dem Geburtsort Jesu am Rande der Judäischen Wüste, der unter palästinensischer Verwaltung steht, trifft sich alles auf dem großen Platz vor der Geburtskirche.

Der Komplex ist eines der ältesten christlichen Bauwerke. Zwei Eingänge führen von der Kirche zur Geburtsgrotte. Ein großer Silberstern kennzeichnet den Ort, an dem Christus zur Welt gekommen sein soll.

(Quelle: http://www.bild.de/reise/2012/reisen/ostern-im-heiligen-land-23289376.bild.html)

Erstes Architekturmuseum in Israel

Israel hat weltweit am meisten Museen pro Kopf. Am 16. März wird eine Lücke im Angebot gefüllt. Der bekannte Regisseur Amos Gitai eröffnet nun in Haifa das erste israelische Architekturmuseum – ein in der israelischen Museumslandschaft bisher nicht vertretenes Thema. Gitai hat dazu das Studio seines Vaters Munio Gitai Weinraub, der zu den wichtigsten Architekten des modernen Haifa und Tel Aviv gehört, renoviert. Die Eröffnung findet deshalb auch am Geburtstag des verstorbenen Vaters, am 16. März statt.  

Neben einer ständigen Ausstellung über Weinraubs Projekte, wird sich die Eröffnungsausstellung auf den öffentlichen Wohnungsbau seit 1940 fokussieren. „Das Museum ist ein Huldigung für die Generation der Architekten wie mein Vater und seine Freunde von Bauhaus, aber es will gleichzeitig auch die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass Architektur auch soziale Fragen in Betracht ziehen muss“, so Gitai (61), der selbst einen Abschluss in Architektur des Technions in Haifa und der Universität Berkeley besitzt.    

„Zurückschauend denke ich, dass Architekten oft zu stark in Anspruch genommen wurden vom Designen von Flughäfen und Museen – auffallende Gebäude – während wir einige talentierte Architekten bräuchten, um bescheidenere Wohnhäuser für mittellosere Leute zu zeichnen. Das Museum soll die Aufmerksamkeit auf solche Fragen lenken.“

 
Amos Gitai im Architekturmusum in Haifa während der Renovierung (Photo: Yoni Markovich)

Die Museumseröffnung soll auch der Premiere für Gitais neusten Film „Lullaby for My Father“ dienen. Dieser Film erzählt die Geschichte Weinraubs, der Student der Bauhaus Architektur und Designs in Deutschland war. Bauhaus wurde 1932 von den Nazis geschlossen, 1933 wurde Weinraub mit drei weiteren jüdischen Studenten verhaftet.  bevor ihn die Nationalsozialisten zu einer gefahrvollen Reise von Polen nach Palästina zwangen. Die vier flohen in die Schweiz und mussten zwischen Palästina und den USA entscheiden. „Ich denke mein Vater entschied sich für Palästina, weil er sehr bewegt war von all den sozialen Experimenten jener Zeit – wie Kibbuzim und sozialer Wohnungsbau“. Diese Flüchtlinge halfen schlussendlich dabei, Tel Aviv und Haifa in Vorzeigemodelle des Bauhausstils zu verwandeln. Viele dieser utilitaristisch modernistischen Strukturen mit tausenden weissen Steinen, die gekennzeichnet sind von grossen Balkonen und kleinen für die mediterrane Hitze idealen Fenstern, werden heute renoviert.

(Quelle: Israelisches Aussenministerium, 28.2.12)